WTCC - Huffs beschwerlicher Weg zum Titel

Dummer Fehler hätte fast WM gekostet

Was eigentlich eine Triumphfahrt hätte werden sollen, wurde für Rob Huff zur Zitterpartie. Doch trotz eines Unfalls in Rennen 1 wurde der Brite Weltmeister.
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Motorsport-Magazin.com - Eigentlich schien der Kampf um den WM-Titel bereits entschieden, als die Fahrzeuge für das erste Rennen ihre Positionen bezogen hatten. Rob Huff verlor zwar beim Start gegen Yvan Muller, doch auch der zweite Platz hätte locker gereicht. Aber Huff setzte alles auf eine Karte: Er überholte Muller mit einem mutigen Manöver vor Lisboa, nur um kurz danach in die Leitplanke zu krachen. "Ich habe mir die Dinge selbst wirklich schwer gemacht, als ich in die Wand geknallt bin - ich glaube, ich wollte die Spannung bis zum letzten Moment aufrecht erhalten", scherzte der frische gebackene Weltmeister.

Ich hatte eine Schrecksekunde zwei Runden vor Schluss, also Oriola und Michelisz vor mir kollidiert sind. Ich habe Oriola nur um Millimeter verfehlt.
Rob Huff

Selbstkritisch fügte er aber dann mit mehr Ernst hinzu: "Das war ein dummer Fehler. Der hätte mich wirklich viel kosten können." In der Tat musste der Chevrolet Cruze in Windeseile wieder repariert werden, um Huff die Teilnahme am zweiten Rennen zu ermöglichen. Ein Nichtantreten hätte den sicheren Titelverlust bedeutet. Es spielten sich dramatische Szenen ab, als sogar die Crews der direkten Kontrahenten Yvan Muller und Alain Menu mithalfen, den Cruze von Huff wieder herzurichten.

Dieser wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte: "Diese Jungs haben einen fantastischen Job erledigt und ich muss mich bei jedem einzelnen Mechaniker - auch denen von Yvan und Alain - bedanken. Dies ist der Beweis für einen fantastischen Team-Spirit!" Er blieb die gesamte Zeit zwischen den zwei Rennen im Fahrzeug sitzen, ohne irgendetwas tun zu können. "Diese Zeit war lang wirklich fürchterlich. Ich bin im Auto geblieben und habe mich auf das konzentriert, was ich nicht wiederholen durfte."

Erst der fünfte Weltmeister der Geschichte

Die drei Teamkollegen Menu, Huff und Muller waren beim letzten Rennen von Chevrolet Konkurrenten - Foto: WTCC

Die Nerven hielten und Rob Huff fuhr im zweiten Rennen von der neunten Startposition immer weiter nach vorne. "Zu Beginn war ich Siebter, was nicht für den Titel gereicht hätte. Ich bin ruhig geblieben und habe Position um Position gut gemacht, was mir letztlich den zweiten Platz eingebracht hat." Doch ohne Aha-Moment kam er auch im zweiten Rennen nicht durch: "Ich hatte eine Schrecksekunde zwei Runden vor Schluss, also Oriola und Michelisz vor mir kollidiert sind. Ich habe Oriola nur um Millimeter verfehlt."

Nach Fallen der Zielflagge war klar: Huff ist mit 413 Punkten Weltmeister, Menu mit 401 Punkten Zweiter und Muller Dritter mit 393 Zählern. Der Franzose kegelte wiedermal ein anderes Fahrzeug aus dem Weg - diesmal Alex MacDowall. Das war der letzte Crash in einer Saison, in der er durchschnittlich an jedem zweiten Rennwochenende ein anderes Fahrzeug abgeschossen hat - eines mehrfachen Weltmeisters absolut unwürdig. Huff trägt sich nach Andy Priaulx, Gabriele Tarquini und Yvan Muller als vierter Weltmeister der Neuzeit in die Geschichtsbücher ein - dazu kommt noch Roberto Ravaglia mit seinem WM-Titel 1987.

"Es wird eine Zeitlang dauern, bis ich realisiert haben werde, dass ich Weltmeister bin", sagte Rob Huff. "Das ist etwas, was sich erst einmal setzen muss. Es ist das perfekte Ende einer fantastischen Abenteuerreise. Vor acht Jahren sind Chevrolet und RML ein Risiko mit mir eingegangen. Ich hoffe, ich habe heute gezeigt, dass sie Recht hatten." Chevrolet stieg Anfang 2005 in die WTCC ein, Huff war über die kompletten acht Saisons mit an Bord. Es war jedoch gleichzeitig das letzte Rennen für Chevrolet als Werksteam, so dass sich auch Wehmut in die Feierlichkeiten einmischen wird.


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