WRC - Portrait: Robert Kubica

Der polnische Phönix

Robert Kubica lässt sich selbst von schweren Verletzungen nicht vom Motorsport abbringen, auch wenn er andere Wege beschreiten und Träume hintenanstellen muss.

Motorsport-Magazin.com - Robert Kubica war der erste polnische Pilot in der Formel 1. Während der Saison 2006 stieg er beim BMW Sauber F1 Team vom Ersatz- zum Stammpiloten auf und bestritt in Ungarn sein Debütrennen. Bereits bei seinem dritten Grand Prix in Italien kletterte er aufs Podest. 2007 steckte er in Kanada einen der heftigsten Formel-1-Unfälle der letzten Jahre ohne Blessuren weg und gewann ein Jahr später an selber Stelle sein erstes Rennen. 2010 wechselte Kubica zum Renault F1 Team, für das er drei Podiumsergebnisse einfuhr.

Robert Kubica feierte 2008 seinen ersten und einzigen Sieg in der Formel 1. - Foto: Sutton

2011 stand seine sechste Saison in der Formel 1 bevor. Kubica nahm in der Winterpause an der Rallye Ronde di Andora teil. Aus dem Hobby wurde bitterer Ernst. Ein Unfall sollte Kubicas Karriere dramatisch verändern. Bei hoher Geschwindigkeit krachte er mit seinem Skoda Fabia S2000 in eine Leitplanke. Kubica zog sich schwere Brüche am rechten Ellbogen und der Schulter sowie am rechten Bein zu. Seine rechte Hand war derart schwer verletzt, dass eine Amputation im Raum stand. Die Ärzte konnten die Hand schließlich in mehreren Operationen retten, eine Rückkehr in den Motorsport stand jedoch sehr in Frage.

Die Rehabilitation stellte sich als mühsam heraus, denn ein Beinbruch im Januar 2012 warf Kubica zurück. Dennoch saß er im September wieder im Rallyeauto und nahm an der Ronde Gomitolo di Lana teil. Kubica gewann die Rallye mit mehr als einer Minute Vorsprung und stellte zum zweiten Mal in seinem Leben unter Beweis, dass er sich auch aus den tiefsten Tälern zurückkämpfen kann. Vor seinem Aufstieg in die Formel 3 EuroSerie hatte sich Kubica bei einem Autounfall den Arm gebrochen, gewann aber trotz mehr als einem Dutzend Titanschrauben im Arm das erste Rennen, bei dem er antrat.

Die Formel-1-Welt war nach dem schweren Unfall geschockt. - Foto: Sutton

Nach seinem schweren Rallyecrash musste Kubica feststellen, dass er in einem auf seine Bedürfnisse umgebauten Rallyefahrzeug trotz seiner nicht voll funktionsfähigen Hand erfolgreich fahren kann, während er in einem Formelboliden Schwierigkeiten hätte. Kubica lenkt mit ausholenden Armbewegungen, die von der Schulter ausgehen, da auch sein Unterarm bei dem Unfall schwer verletzt wurde. In einem Formelboliden ist für diese Lenkbewegungen kein Platz. "Ich konzentriere mich auf meine Genesung - und Rallyes fahren hilft mir dabei sehr. Ich kann hinter dem Lenkrad eines Rallye-Autos viel Verbesserung erkennen", meinte er. "Ich könnte ein Formel-1-Auto auf ein oder zwei Strecken testen. Aber es macht keinen Sinn, für einen Tag zu testen, wenn ich keine Rennen fahren kann."

Kubica krönt sich in seiner ersten WRC2-Saison zum Champion. - Foto: Sutton

Daher beschloss Kubica, 2013 ein Programm aus ERC- und WRC-Rallyes zu fahren. Vier Mal ging er in der ERC an den Start, wobei er zwei Mal wegen eines Unfalls und einmal wegen eines technischen Defekts ausschied. Sein bestes Ergebnis fuhr er in Portugal mit Rang sechs ein. In der WRC2 kam Kubica auf acht Starts, bei denen er fünf Mal gewann und einmal Zweiter wurde. Damit sicherte er sich auf Anhieb den Weltmeistertitel in der WRC2. Als Belohnung nahm Kubica an der Rallye Großbritannien in einem WRC-Boliden teil, kam aufgrund von zwei Unfällen jedoch nicht viel zum Fahren. Dennoch stellte er mit starken Zeiten auf den Prüfungen seinen Speed unter Beweis.

Nach der starken Debütsaison steht nun mit M-Sport der Wechsel in die höchste Klasse des Rallyesports an. Kubica bremst jedoch die hohen Erwartungen. "Wenn ich in einem WRC fahren würde, dann würde ich die Prüfungen nicht gewinnen. Wahrscheinlich wäre ich weit abgeschlagen", erklärte er Motorsport-Magazin.com am Rande der Rallye Sardinien. Neben seinem körperlichen Handicap kommt 2014 hinzu, dass er sich auf einen neuen Beifahrer einstellen muss, nachdem die Zusammenarbeit zwischen ihm und Landsmann Maciek Baran aus nicht näher bekannten Gründen ein vorzeitiges Ende gefunden hat.


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