WRC - Blog - War Latvala die richtige Wahl?

Der schmale Grat

Sebastien Ogier und Jari-Matti Latvala können das schnelle Duo bei VW werden. Dabei ist die Frage, ob Latvala das liefern kann, was sich der Konzern wünscht.
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Motorsport-Magazin.com - Volkswagen startet 2013 in das große Abenteuer WRC. Mit dem Polo R WRC haben die Wolfsburger die große Hoffnung, um Siege und vielleicht sogar um den Titel kämpfen zu können. Aus diesem Grund wurden zwei der besten Piloten des aktuellen Feldes engagiert. Sebastien Ogier und Jari-Matti Latvala vereinen zusammen 12 Siege in der Rallye-WM auf sich und gelten beide als potenzielle Weltmeister.

Sebastien Ogier ist bereits seit Ende 2011 bei Volkswagen - Foto: Volkswagen

Die allerwenigsten werden sicherlich die Verpflichtung von Ogier infrage stellen, denn der Franzose gilt bereits jetzt als 'der neue Seb', was sich auf Sebastien Loeb bezieht. Tatsächlich konnte der 29-Jährige in seiner Zeit bei Citroen dem Altmeister immer wieder Paroli bieten und erzielte in der Saison 2011 wie sein Namensvetter fünf Siege. Da er dennoch für das französische Team die Nummer zwei hinter Loeb bleiben sollte, entschied sich Ogier, sein Talent in einem anderen Team einzusetzen und wechselte zu Volkswagen. Dort zeigte er 2012 in einem unterlegenen Skoda Fabia S2000 seine Klasse und erzielte sogar die erste Bestzeit eines SWRC der Geschichte.

Die Unterschrift von Latvala allerdings ist eine riskante. Der Finne ist ohne Zweifel einer der schnellsten Piloten, die momentan in der WRC ihre Kreise ziehen. Alleine 57 WP-Bestzeiten 2012 beweisen dies eindrucksvoll. Gleichzeitig ist der ehemalige Ford-Pilot für seine zahlreichen Unfälle bekannt. Immer wieder in aussichtsreicher Position gelegen, kommt er von der Strecke ab und muss alle Sieghoffnungen begraben.

Mit seiner Neigung zu Unfällen konnte Volkswagen gleich bei den ersten Testfahrten in Mexiko Bekanntschaft machen, als er auf dem Weg zum Servicetruck mit einem zivilen Fahrzeug kollidierte. Ob er der richtige Mann ist, der den Polo durch viele Wertungskilometer nach vorne bringt, muss angezweifelt werden. Zudem war Latvala noch nie in der Situation, ein neues Auto weiterzuentwickeln.

Jari-Matti Latvala fährt ab 2013 für Volkswagen - Foto: Volkswagen

In seiner Zeit bei Ford war er lange die Nummer zwei hinter Mikko Hirvonen und hatte zuletzt mit Petter Solberg ebenfalls einen erfahrenen Mann an seiner Seite. Nun wird es an ihm liegen, gemeinsam mit Ogier Fortschritte zu erzielen. Dies gelingt aber nur, wenn er seinen unbändigen Ehrgeiz im Zaum hält und lieber einmal ankommt, als um ein Ergebnis zu kämpfen.

Wie Ogier auf die Verpflichtung von Latvala reagiert hat, kann nur gemutmaßt werden. Sicherlich wird der 29-Jährige nach außen immer wieder betonen, wie wichtig es ist, zwei Siegfahrer bei Volkswagen zu haben und zwischen ihm und Latvala scheint die Chemie zu stimmen. Insgeheim wird er sich aber vielleicht doch einen Andreas Mikkelsen oder einen unerfahrenen Deutschen als zweiten Stammfahrer an seiner Seite gewünscht haben, denn dann wäre der Nummer-1-Status keine Frage gewesen.

So sieht sich Ogier der gleichen Situation wie bereits 2011 bei Citroen gegenüber. Erneut kämpft er mit einem anderen Piloten auf Augenhöhe um Punkte und vielleicht den Titel. Damit besteht für Ogier erneut die Gefahr, dass sein Teamkollege zum größten Rivalen und vielleicht auch Punktedieb avanciert, denn Latvala will genauso wenig wie er einfach nur mitfahren. Wer wem Punkte stiehlt, das Auto am besten nach vorne bringt und sich zukünftig vielleicht Hoffnung auf mehr machen kann, wird sich bereits in wenigen Wochen zum ersten Mal zeigen. Dann heulen in Monte Carlo die Motoren der WRC wieder auf - 2012 schieden sowohl Latvala als auch Ogier nach einem Unfall aus.


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