WRC - Interview - Hermann Tomczyk

30 Jahre ADAC Rallye Deutschland

Interview mit ADAC Sportpräsident Hermann Tomczyk über den deutschen Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft in Trier.

Motorsport-Magazin.com - Die ADAC Rallye Deutschland (23. - 26. August 2012) gastiert auch in diesem Jahr in der Mosel-Metropole Trier. Im Interview für das offizielle Programmheft spricht ADAC Sportpräsident Hermann Tomczyk über das 30-jährige Beste-hen der Veranstaltung, das neue Zuschauerkonzept und über die Lage der Rallye-Nachwuchsfahrer in Deutschland.

Zehn Jahre Weltmeisterschafts-Lauf in Deutschland, 30 Jahre ADAC Rallye Deutschland - macht Sie diese lange Tradition der Rallye stolz?
Stolz ist der falsche Ausdruck. Wir sind jetzt zehn Jahre mit der ADAC Rallye Deutschland im WM-Kalender und zählen zu den besten Veranstaltungen weltweit. Vorher haben wir 20 Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet. Die lange Tradition ist schlichtweg ein Beweis für die Leistungsfähigkeit unserer Funktionäre, Mitarbeiter und vielen ehrenamtlichen Helfern.

Was ist Ihre schönste Erinnerung aus zehn Jahren Rallye-WM in Deutschland?
2002, als wir nach dem so genannten Probejahr wirklich unseren ersten WM-Lauf ausrichten durften und ich nach so vielen Jahren harter Vorbereitung und Arbeit Walter Röhrl im Porsche als Führungsfahrzeug erleben durfte und sah, welche Begeisterungsfähigkeit in unserem Land für den Rallye-Sport herrscht.

Die lange Tradition ist schlichtweg ein Beweis für die Leistungsfähigkeit unserer Funktionäre, Mitarbeiter und vielen ehrenamtlichen Helfern
Hermann Tomczyk

Mit MINI und Volkswagen sind ab 2013 zwei deutsche Marken in der Rallye-Weltmeisterschaft vertreten. Was erhoffen Sie sich von den Neueinsteigern?
Für die Neueinsteiger wünsche ich mir, dass sie von Anfang an wettbewerbsfähig sind. Wir wollten den deutschen Herstellern eine Bühne bieten, doch sie sind der Rallye-WM lange ferngeblieben. Durch MINI und Volkswagen erhoffe ich mir neue Impulse für den Rallye-Sport in Deutschland.

Die Jubiläumsauflage des deutschen WM-Laufs hat eine geänderte Route. Was ist der Hintergrund?
Unser Rallye-Leiter Armin Kohl und seine Leute sind immer bemüht, alles noch besser zu machen. Deshalb wurden die Wertungsprüfungen überarbeitet, das Zuschauerkonzept wurde optimiert. Insgesamt ist es uns sicherlich gelungen, den deutschen Weltmeisterschaftslauf noch interessanter und zuschauerfreundlicher zu gestalten. Durch die Integration der neuen Zuschauerpunkte haben sich einzelne Prüfungen verlängert. Wir haben jetzt 368 Wertungsprüfungs-Kilometer und insgesamt 63 Zuschauerpunkte, von denen 27 komplett neu sind. Das ist insgesamt eine starke positive Weiterentwicklung der Veranstaltung.

Wird die ADAC Rallye Deutschland 2012 im Fernsehen zu erleben sein?
Die Rallye-Weltmeisterschaft findet 2012 bereits im deutschen Free-TV statt. Auf SPORT1 wird jeweils dienstags nach einem WM-Lauf ein 26-minütiges Magazin ausgestrahlt. Wir hoffen natürlich, dass bei unserer heimischen Veranstaltung, der ADAC Rallye Deutschland, etwas mehr zu sehen sein wird.

Wie 2011 wird die Deutsche Rallye-Meisterschaft zwei Läufe im Rahmenprogramm des deutschen Laufs austragen. Hat sich damit der DM-Lauf bei der WM etabliert?
Ich denke, dass es der richtige Weg ist, für die eigene Veranstaltung die große Bühne zu nutzen. Das tut der DRM gut, und für deutsche Fahrer ist es natürlich interessant, bei einem WM-Lauf im eigenen Land dabei zu sein. Deshalb haben wir gerne das Angebot an den DMSB gemacht, dass er die Deutsche Meisterschaft angliedern kann.

In den letzten anderthalb, zwei Jahren hat sich viel bewegt. Es sind junge Deutsche auf die Bühne gekommen
Hermann Tomczyk

Mit Hermann Gaßner jr. und Christian Riedemann waren 2011 zwei junge deutsche Fahrer in Rahmenserien der WRC eingeschrieben. 2012 fährt kein Deutscher regelmäßig in der WM - wie beurteilen Sie die Situation des Nachwuchses?
Die Situation ist insgesamt schon viel besser als in den Jahren zuvor. In den letzten anderthalb, zwei Jahren hat sich viel bewegt. Es sind junge Deutsche auf die Bühne gekommen. Wir haben zum Beispiel mit Sepp Wiegand einen schnellen Mann in der internationalen Rallye-Szene. Wir haben auch in Deutschland durch die ADAC Stiftung Sport einige Piloten gefördert. Doch da ganz oben wird die Luft sehr dünn. Die deutschen Piloten haben es schon sehr schwer, da sie in der Regel weniger Fahrpraxis haben als ausländische Piloten, denn ihnen fehlt die Unterstützung der Industrie. Die hoffen wir zu bekommen, wenn herstellerseitig wie-der Rallye-Sport auf höchster Ebene betrieben wird.

Breitensport in Deutschland - wie beurteilen Sie die Situation in der Deutschen Rallye-Meisterschaft und im ADAC Rallye Masters?
Das ADAC Rallye Masters hat sich gefestigt als Ebene für den Einsteiger, denn es bietet kostengünstigen Sport mit interessanten Rallye-Veranstaltungen und tollen WPs. Die Deutsche Meisterschaft hatte in den letzten Jahren eine bewegte Entwicklung. Aber ich bin zuversicht-lich, dass sie jetzt in ein ruhigeres Fahrwasser gekommen ist. Man sieht das an den Teilnehmerzahlen, und der DMSB hat einen Promotor gefunden, mit dem man professionell zusammenarbeitet. Wenn auch hier Hersteller einsteigen, hoffe ich, dass wir 2013 und 2014 weiter-hin eine positive Entwicklung sehen werden.

Letzte Frage: Wer ist Ihr Favorit auf den Sieg?
Ich muss jedes Jahr sagen, Sébastien Loeb. Denn er hat es ja auch bewiesen, da er acht von neun Veranstaltungen gewonnen hat. In diesem Jahr ist es allerdings spannender, die Fahrer auf den ersten Plätzen liegen etwas enger zusammen. Es könnte auch einen Überraschungs-sieger geben - wie Hirvonen, Solberg, Østberg. Aber Loeb hat schon sehr gute Karten.


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