WEC - Porsche baut Führung in der Herstellerwertung aus

Pace-Probleme bei der Nummer 2

Porsches Siegesserie ist gerissen. Von der mittelmäßigen Performance in Japan ist man aber nicht überrascht. Die Nummer-2-Fahrer sind dennoch enttäuscht.

Motorsport-Magazin.com - Nach einem vor allem im letzten Drittel extrem spannenden 6-Stunden-Rennen auf dem Fuji International Speedway kam Porsche mit den beiden 919 auf den Plätzen drei und fünf ins Ziel. Damit verteidigte das Porsche-Team beim siebten von neun Läufen zur Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC die Tabellenführung in der Hersteller- und in der Fahrerwertung. Toyota feierte in Japan nach 244 Runden einen Heimsieg. Das Ziel erreichten alle drei Hersteller in der Topkategorie LMP1 innerhalb von 18 Sekunden.

Timo Bernhard, Brendon Hartley und Mark Webber hatten über geraume Zeit Siegchancen und wurden letztlich Dritte. Die Titelverteidiger waren am Sonntag von Platz zwei gestartet. Die diesjährigen Le-Mans-Sieger und aktuellen Tabellenführer Romain Dumas, Neel Jani und Marc Lieb – von der sechsten Position ins Rennen gegangen – kämpften zeitweise mit der Fahrzeugbalance und wurden Fünfte. Weil ihre engsten Rivalen um die Fahrerweltmeisterschaft mehr Punkte holten, reduziert sich ihr Vorsprung in der Tabelle auf 23 Punkte.

In der Herstellerwertung hingegen konnte Porsche (263 Punkte) den Vorsprung auf Audi (204) bei noch zwei ausstehenden Rennen sogar weiter ausbauen. Toyota folgt mit 174 Zählern.

Die Höhepunkte des WEC-Rennens in Japan: (03:30 Min.)

So lief das Rennen für die Startnummer 1:
Startfahrer Mark Webber hält lange Platz zwei hinter dem Audi Nummer 8. In der 21. Runde lässt er seinen ehemaligen Formel-1-Kollegen Kamui Kobayashi im schnelleren Nummer-6-Toyota passieren. Die Reihenfolge an der Spitze lautet: Audi Nummer 8 vor Toyota Nummer 6 und der Porsche-Crew mit der Startnummer 1. Daran ändert sich auch nach fünf Tankstopps nichts, bei denen jeweils Fahrer und Reifen gewechselt werden. Nach 36 Runden übergibt Webber an Timo Bernhard, nach 73 Umläufen übernimmt Brendon Hartley. 110 Runden später steigt erneut Webber ein, nach 147 Umläufen wiederum Bernhard. Bei zunehmender Bewölkung sinkt die Asphalttemperatur, und die Nummer 1 rückt dem zweitplatzierten Toyota kontinuierlich näher. In der 156. Runde gelingt es dem Deutschen, Stéphane Sarrazin im Toyota zu überholen, der aber sofort kontert. In der 157. Runde erkämpft sich Bernhard Platz zwei und verkürzt anschließend auch den Rückstand auf den führenden Audi. Nach 183 Runden übernimmt Hartley die Startnummer 1. Nach dem Stopp kommt er als Dritter hinter dem Nummer-6-Auto zurück auf die Strecke. Es entwickelt sich ein großartiges Duell zwischen dem Neuseeländer und Kobayashi mit mehreren Positionswechseln. Der Japaner fährt an zweiter Position liegend zum letzten Tankstopp und verzichtet auf frische Reifen, während Hartley noch einmal wechselt und nach 220 Runden an Webber übergibt. Der Australier kämpft in der Schlussphase mit Balanceproblemen und kann nicht mehr in den Kampf um den Sieg eingreifen. Er bringt den 919 als Dritter ins Ziel.

So lief das Rennen für die Startnummer 2:
Romain Dumas verbessert sich beim Start kurzfristig vom sechsten auf den fünften Platz, kommt aus der ersten Runde aber als Sechster zurück. Als der Audi mit der Nummer 7 in Umlauf Nummer 15 Probleme bekommt, rückt der Franzose auf die fünfte Position vor. Er klagt über ein schwer zu kontrollierendes Heck. Nach 36 Runden übernimmt Jani für einen Doppelstint. Zunächst kann er den Rückstand reduzieren, stößt aber nach dem nächsten Reifenwechsel in Runde 73 auf Balanceprobleme – in der Frontpartie stört aufgesammelter Gummiabrieb die Aerodynamik. Beim Stopp nach 110 Runden wird deswegen die Fahrzeugnase gewechselt, Marc Lieb übernimmt das Steuer. Am Ende des 147. Umlaufs übergibt er wiederum an Dumas. Als 183 Runden absolviert sind, steigt Neel Jani für die Schlussphase ein. Der Schweizer stoppt noch einmal nach 220 Umläufen. Eine Positionsverbesserung liegt nicht mehr in Reichweite, die WM-Führenden kommen nach sechs Stunden als Fünfte ins Ziel.

Stimmen nach dem Rennen

Fritz Enzinger, Leiter LMP1: "Seit Le Mans hatten wir alle WEC-Läufe gewonnen, heute stehen wir auf dem Podium – aber es war extrem spannend. Zum Schluss haben nur Sekunden über die Plätze eins bis drei entschieden. Gratulation an Toyota zum Gewinn ihres Heimrennens. Respekt für eine tolle Leistung auch an Audi. Wir konnten unseren Vorsprung in der Herstellerwertung ausbauen. Jetzt geht es in Richtung Finale, und wir freuen uns auf die letzten beiden Rennen dieser Saison."

Andreas Seidl, Teamchef: "Glückwunsch an Toyota zum verdienten Sieg! Uns hat heute ein kleines Stück auf die vordersten Positionen gefehlt. Ab Rennmitte konnten wir mit unserem Nummer-1-Porsche dank der starken Vorstellung der drei Fahrer und des gesamten Teams wieder zu den beiden vor uns liegenden Fahrzeugen aufschließen, doch mit dem letzten Reifensatz hatten wir nicht mehr das Potenzial, um noch in den Kampf um den Sieg einzugreifen. Unser Auto mit der Nummer 2 erlebte ein schwieriges Rennen und konnte die schnellen Rundenzeiten nicht konstant mitgehen. Wir setzen jetzt alles dran, die Ursachen hierfür im Detail zu analysieren und bis Shanghai abzustellen. Trotzdem haben wir am Fuji – auf einer Strecke, die der Charakteristik unseres 919 Hybrid am wenigsten entgegenkommt – unseren Vorsprung in der Herstellerwertung vergrößert. Und in der Fahrermeisterschaft besitzt die Crew der Nummer 2 noch immer ein gutes Punktepolster."

Timo Bernhard (Startnummer 1): "Ich war als Zweiter im Auto, der Stint verlief reibungslos. Bei meinem zweiten Einsatz hatte ich einen heißen und sehr fairen Kampf mit Stéphane Sarrazin im Toyota. Ich konnte ihn zweimal überholen. Beim ersten Mal gelang ihm noch ein Konter, dann war ich vorbei. Ich habe sogar zum führenden Audi aufgeschlossen, doch dann musste ich einem LMP2 ausweichen und sammelte neben der Ideallinie viel Reifenabrieb auf. Das ist normales Langstrecken-Business, aber hier am Fuji sind immer besonders viele Gummimurmeln auf der Strecke. Danach musste ich die Reifen erst wieder sauber fahren, darum wuchs der Abstand wieder an. Wir sind heute alle drei ein sehr gutes Rennen gefahren, an der Spitze ging es eng zu. Fuji 2016 war großartige Werbung für den Langstreckensport."

Brendon Hartley (Startnummer 1): "Mein erster Stint als dritter Fahrer ging ohne Probleme über die Bühne. Als ich zum zweiten Mal einstieg, gab es ein schönes Duell mit einem Toyota. Letztlich hatte er das bessere Ende für sich, da er beim letzten Boxenstopp auf den Reifentausch verzichtete und dadurch Zeit sparte. Wir haben gewechselt und konnten dann nur noch auf Reifenverschleiß bei der Konkurrenz hoffen. Das trat aber nicht ein, und so blieben wir Dritte. Nach drei Siegen in Folge hätten wir gerne auch hier gewonnen, aber es war auch so ein starkes Rennen von uns."

Mark Webber (Startnummer 1): "Der Start und die erste Rennrunde liefen sehr sauber ab. Dann haben wir in unseren Rhythmus gefunden. Die Audi und Toyota waren anfangs schneller als wir, aber wir konnten den Anschluss halten und uns verbessern, als die Asphalttemperatur etwas zurückging. Bei meinem zweiten Einsatz machte ich etwas Boden auf den Toyota und auch auf den führenden Audi gut, der anscheinend ein Problem beim Boxenstopp hatte. Wir lagen zunehmend besser im Rennen. Für eine lange Zeit kam jedes der drei Autos an der Spitze als Sieger in Frage, aber am Ende konnten wir nicht mehr mitreden. Glückwunsch an Toyota!"

Romain Dumas (Startnummer 2): "Beim Start bin ich kein Risiko eingegangen. Dann hatte ich auf meinem ersten Stint große Schwierigkeiten, weil sich das Heck nur schwierig kontrollieren ließ. Nach dem Tausch der Frontpartie verbesserte sich die Fahrzeugbalance deutlich. Auf meinem zweiten Stint hatte ich deutlich mehr Grip. Mit unserer Platzierung heute bin ich natürlich nicht zufrieden."

Neel Jani (Startnummer 2): "Wir haben in der Anfangsphase des Rennens zu viel Zeit verloren. Ich fuhr einen Doppelstint, dessen erste Hälfte gut lief, doch in der zweiten setzte sich wieder zu viel Gummiabrieb in der vorderen Karosserie fest. Nach dem Wechsel der Nase konnte ich wieder das Tempo von Audi mitgehen. Wenn wir Weltmeister werden wollen, müssen wir einen Schritt zulegen."

Marc Lieb (Startnummer 2): "Es war schwierig heute. Das Auto ließ sich einfach nicht gut fahren, wir hatten nicht die richtige Balance und waren zu langsam."


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