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VLN - Es war einmal am Ring: Das Alzen-Turbinchen

Eine Legende auf der Nordschleife

Wer erinnert sich nicht? Mit dem "Turbinchen", einem stark modifizierten Porsche 996 Turbo, sorgten die Alzen-Brüder von 2003 bis 2005 in der VLN für Aufsehen.
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Motorsport-Magazin.com - Das "Turbinchen" - eine Legende auf der Nordschleife. Von 2003 bis 2005 trat Jürgen Alzen Motorsport mit dem stark modifizierten Porsche 996 Turbo in der VLN Langstreckenmeisterschaft und beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring an. Mehrfach unterbot Uwe Alzen mit dem silber-schwarzen Dampfhammer den Rundenrekord auf der Nordschleife - und schnappte sich gleich drei Mal in Folge die Pole-Position für den Langstreckenklassiker.

Die Leuten glauben, dass wir ein brutal überlegenes Auto haben, aber das ist Blödsinn
Uwe Alzen, 2005

Zu einem Rennsieg beim 24-Stunden-Rennen hat es trotz der schnellen Rundenzeiten allerdings nie gereicht. "Die Leuten glauben, dass wir ein brutal überlegenes Auto haben, aber das ist Blödsinn", mahnte Uwe Alzen damals zurecht, denn der Verbrauch des Sechszylinder-Biturbomotors war enorm und zwang das Team zu mehr Boxenstopps als die Konkurrenz. "Wir müssen schneller fahren als alle anderen, um den Verbrauchsnachteil auszugleichen."

Als der Alzen-Porsche 2003 erstmals in der VLN auftauchte, war der Ladedruck noch frei wählbar. Mit rund 740 PS und 900 Newtonmeter Drehmoment mischten die Alzen-Brüder das Spitzenfeld auf. "Aber das war eigentlich schon fast zu viel, weil die gesamte Kraftübertragung und die Reifen mit dem Drehmoment an der Grenze waren", verriet Teamchef Jürgen Alzen. Erst in den Folgejahren sorgte das Reglement für eine Begrenzung des Ladedrucks. 2004 zunächst auf 1,1 bar, 2005 sogar auf 0,95 bar. Mit dem geschrumpften Ladedruck wurde auch die Leistung des Turbinchen auf rund 600 PS gemindert.

Besonderes Merkmal des Turbinchens war der übergroße Lufteinlass auf dem Dach. Hier strömte saubere Frischluft mit hohem Druck in Richtung des Ladeluftkühlers, der über dem Motor lag. Auch die Turbolader bedienten sich hier mit ihrer Ansaugluft. Die Öffnungen in den hinteren Seitenteilen, über die die Turbolader im Serienwagen ihre Ansaugluft beziehen, versorgten beim Turbinchen die Kühler für Getriebe- und Motoröl mit Frischluft. Der Unterboden endete zwecks Kühlung des Turbomotors bereits vor dem Getriebe.

Eines der Markenzeichen: der große Lufteinlass auf dem Dach - Foto: Jan Brucke/VLN

Obwohl der Porsche mit zahlreichen Carbonteilen ausgestattet war, brachte er inklusive Fahrer und Tankfüllung immerhin rund 1500 Kilogramm auf die Waage. Dafür war nicht zuletzt das Reglement verantwortlich. Vor allem im Jahr 2005 trat das Turbinchen schließlich mit zahlreichen Änderungen an. Neben dem - aufgrund des Reglements - verringerten Ladedruck wurde auch die Aerodynamik überarbeitet und der Porsche auf einen Allrad-Antrieb umgerüstet. Die Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 320 Stundenkilometern auf der Döttinger Höhe gehörten damit jedoch der Vergangenheit an. Dennoch waren schnelle Rundenzeiten weiterhin möglich. "Wir haben jetzt deutlich mehr Grip, bessere Traktion und mehr Abtrieb", freute sich Uwe Alzen. Bei einem Unfall im Schwedenkreuz, der aufgrund eines Reifenplatzers nicht zu vermeiden gewesen war, wurde der Porsche erheblich beschädigt. Nach der Saison 2005 wurde er schließlich verkauft.


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