VLN - Manthey startet mit zwei Klassensiegen

Porsche 911-GT3-Sextett

Für Manthey lief der Saisonauftakt der VLN zufriedenstellend. Die sechs Porsche 911er holten zwei Klassensiege für die Mannschaft aus Meuspath.

Motorsport-Magazin.com - Manthey-Racing startete am Wochenende mit Siegen in den Klassen Specials 7 und Cup 2 in die neue Langstreckensaison am Nürburgring. Bei seinem Comeback nach über einjähriger VLN-Abstinenz belegte der gelbgrüne 997 GT3 RSR den sechsten Gesamtrang.

Die VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring ging mit dem 38. DMV 4-Stunden-Rennen der RG Düren verspätet in die 2013er Saison. Nach zwei gestrichenen Testterminen und dem ausgefallenen ersten Lauf freuten sich am vergangenen Samstag die zahlreich in die Hocheifel gereisten Fans über ein 214 Fahrzeuge umfassendes Starterfeld und die Rückkehr des "Dicken" aus Meuspath.

Wir müssen noch an verschiedenen Bereichen des Fahrzeugs arbeiten, aber grundsätzlich funktioniert das Auto und hat Potenzial
Jochen Krumbach

Für den gelbgrünen Porsche 911 GT3 RSR von Manthey-Racing kam der Lauf am Samstag einem Rollout gleich. Demzufolge stand weniger das Rennergebnis im Vordergrund, als vielmehr das Sammeln wichtiger Daten, denn wie für die meisten anderen Teams auch galt das Hauptaugenmerk dem 24h-Rennen in knapp einem Monat und es stehen nur zwei VLN-Rennen zur Verfügung, um sich auf das motorsportliche Highlight der Eifeler Langstreckengemeinde vorzubereiten.

Dass nach vier Stunden sogar der Sieg in der SP7 für die Startnummer 60 mit Jochen Krumbach und Porsche-Werkspilot Marco Holzer heraussprang, freute die Meuspather Truppe, die ohne den in Silverstone weilenden Teamchef Olaf Manthey auskommen musste, umso mehr!

Potenzial vorhanden

Krumbach, wie schon in den Vorjahren fix auf der motorsportlichen Speerspitze von Manthey-Racing gesetzt: "Ich fühle mich sehr wohl im RSR. Wir müssen noch an verschiedenen Bereichen des Fahrzeugs arbeiten, aber grundsätzlich funktioniert das Auto und hat Potenzial. Für das nächste Rennen hoffe ich, dass wir beim Topspeed noch zulegen können."

Die Rundenzeiten erfüllten allerdings auch aus anderen Gründen nicht die Erwartungen des Nordschleifen-Profis, der vor genau 20 Jahren seine ersten Rennen in der VLN bestritt: Das große Starterfeld barg ein erhöhtes Crashrisiko. Zudem sorgten Unfälle und Bergungsarbeiten für häufig doppelt-gelb geschwenkte Flaggen. "Erst im letzten Stint konnte Marco ein paar freie Runden fahren, davor haben wir beide zum Teil eine Minute auf unsere eigentlich möglichen Rundenzeiten verloren," so Krumbach.

Co Holzer nahm im Moskovskaya-GT3 RSR just in dem Wagen Platz, in dem er 2012 zusammen mit Nick Tandy die Vizemeisterschaft in der International GT Open einfuhr. Für das Jahr 2013 hatte sich Teamchef Manthey entschlossen just diesen Elfer in der Langstreckenmeisterschaft an den Start zu bringen. "Es war sehr schön wieder im Auto zu sitzen, der RSR ist klasse zu fahren! In der GT Open waren wir auf Einheitsreifen unterwegs. Auf den Michelin-Reifen wie hier am Ring liegt das Auto wirklich gut", so Holzer.

Hoffentlich können wir bald um Siege kämpfen, denn momentan fehlt uns der Topspeed. Auf den Geraden ziehen unsere Konkurrenten an uns vorbei
Marco Holzer

"Beim Set-Up haben wir Fortschritte gemacht, doch gibt es noch Luft nach oben! Hoffentlich können wir bald um Siege kämpfen, denn momentan fehlt uns der Topspeed. Auf den Geraden ziehen unsere Konkurrenten an uns vorbei", resümierte Holzer, der beim kommenden VLN-Lauf das Volant seinen Werksfahrer-Kollegen Timo Bernhard und Romain Dumas überlässt. "Ich würde zwar sehr gerne noch einmal fahren, aber es ist schon besser, wenn alle Werksfahrer vor dem 24h-Rennen zumindest einmal zum Fahren kommen. Dieses Jahr wird es jedoch so sein, dass einige meiner Kollegen sogar ohne einen VLN-Einsatz ins 24h-Rennen gehen!"

Zweitbester Elfer aus dem Meuspather Rennstall bei der von allen Beteiligten lang ersehnten VLN-Auftaktveranstaltung war der Pinta-Porsche, der 2013 erstmals unter MR-Nennung am Start ist. Michael Illbruck und Robert Renauer gelang mit ihrem 911 GT3 R zum Ende des Rennens der Sprung in die Top 10. Die gute Performance führte Illbruck auf den problemlosen Teamwechsel zurück: "Als wir über den Winter entschieden haben, dass unser Porsche ab 2013 von Manthey-Racing betreut wird, sind wir in Meuspath herzlich, entspannt und sympathisch aufgenommen worden!"

Auch für die Arbeit der Boxenmannschaft fand Illbruck lobende Worte, der 2013 in seine fünfte Saison am Nürburgring geht. "Ein total professionelles Umfeld, da sitzt jeder Handgriff. Der Fahrzeugleiter hat einen tollen Job gemacht und das Auto war sehr gut fahrbar."

Unfallfreies Rennen

Uns wäre es lieber gewesen, wir könnten auf einen Einsatz zu VLN3 verzichten, da das Unfallrisiko so knapp vor dem 24h-Rennen schlichtweg unkalkulierbar ist
Michael Jacobs

Georg Weiss, Oliver Kainz und Michael Jacobs starteten auf dem bekannten Wochenspiegel-Porsche in die neue Saison, kamen jedoch im Training zunächst nicht über den 32. Platz hinaus – man war zum falschen Zeitpunkt mit nicht passenden Pneus unterwegs gewesen. Im Rennverlauf machte das Nordschleifen-erfahrene Trio jedoch zwanzig Plätze gut und landete schlussendlich sogar auf dem zweiten Platz des SP7-Podiums!

"Unser Saisonauftakt verlief etwas zäh, doch positiv ist hervorzuheben, dass wir einerseits unfallfrei die Ziellinie überfahren haben und andererseits wertvolle Daten sammeln konnten, die uns im Hinblick auf VLN3 als auch den 24h-Marathon noch entscheidend nach vorne bringen", machte Weiss deutlich, der insbesondere beim Setup noch Luft nach oben sieht. "Uns wäre es lieber gewesen, wir könnten auf einen Einsatz zu VLN3 verzichten, da das Unfallrisiko so knapp vor dem 24h-Rennen schlichtweg unkalkulierbar ist, doch wie auch beim Dicken brauchen wir noch Kilometer", ergänzte Jacobs.

Insgesamt sieht das Trio den 911 GT3 RSR im auffälligen Zeitungslook im Top-10-Bereich. "Der Wagen ist top vorbereitet und hat allemal das Potential in die Phalanx der werksunterstützten Rennwagen vorzudringen, doch die aktuelle Balance of Performance macht uns das Leben schwer."

Klassensieg für Menzel/Kohler

Gewohnt perfekt vorbereitet nahmen die zwei Cup-Porsche aus Meuspath die Kombination aus GP-Strecke und Nordschleife unter ihre 18-Zöller. Wolfgang Kohler und Christian Menzel sorgten für den zweiten Klassensieg des Tages für Manthey-Racing! Das eingespielte Duo dominierte die Klasse Cup 2 fast nach Belieben und schrammte nur knapp an den Top 10 vorbei.

Neben den gewohnt schnellen Rundenzeiten des Kelbergers Menzel, war es zum Saisonauftakt die tolle Performance seines Co, die den Erfolg sicherstellte: "Wolfgang und ich haben gut trainiert. Kompliment – er hat alles umgesetzt, so, wie wir es vorhatten!"

Christian Menzel und Wolfgang Kohler holten den Klassensieg - Foto: flitzfoto.de

Pech hatte dagegen der zweite Cup-Elfer, dessen Start in die Langstreckensaison bereits nach drei Runden endete. Der mit Frank Kräling, Marc Gindorf und erstmals Porsche-Werksjunior Alex Riberas besetzt 911 verunfallte im Streckenabschnitt Brünnchen beim Versuch einen Mercedes 190 zu überholen. "Ich war eigentlich schon vorbei, als er einlenkte und mich hinten traf. Der Porsche brach sofort aus und ich schlug mit dem Heck in die Leitplanke ein", erklärte der Spanier nach der Rückkehr an die Box.

Trotz seines Kurzeinsatzes, plant er die Herausforderung Nordschleife ein weiteres Mal anzugehen: "Als ich am Freitag eine Runde gefahren bin, habe ich nur gedacht – das ist voll crazy hier! Und die sind hier sogar mal Formel 1 gefahren, einfach unglaublich! Aber, ja, ich liebe diese Strecke und hoffe sehr, hier bald wieder in ein Cockpit steigen zu können!" Zum zweiten VLN-Lauf wird ein weiterer Porsche-Junior ins Steuer des orange-weißen Cup-Elfers greifen, um die Tücken der schwierigsten Rennstrecke der Welt unter Wettbewerbsbedingungen kennenzulernen.

"Einfach nur geil!" Das Resümee von Otto Klohs und Jens Richter nach ihrem allerersten VLN-Lauf ließ keine Fragen offen! Das Duo, über den Winter neu zur Manthey-Flotte gestoßen, freute sich nicht nur über eine "Riesenportion Fahrspaß", sondern gleichsam über einen tollen 20. Gesamtrang beim Auftakt. "Man muss sich das vor Augen halten - das war unser Rollout und wir landen bei 214 Startern unter den besten 20", schüttelte Klohs nach dem Rennen ungläubig den Kopf.

Zusammen mit Richter war der Unternehmer im vergangenen Jahr noch im GT Masters unterwegs, bevor der Plan entstand den Schritt in Richtung Grüne Hölle zu wagen. "Ich bin hier noch nie ein Rennen gefahren und musste wirklich kämpfen. Doch der Wagen lief perfekt", unterstrich Klohs seinen Status als Vollnovize. Nach der gelungenen Premiere ist ein Start zu VLN3 fest eingeplant. "Ob wir allerdings beim 24h-Rennen mit von der Partie sind, ist noch offen" hielt Richter fest.

Der zum WEC-Saisonauftakt nach Silverstone gereiste Olaf Manthey wurde von Roland Kussmaul vertreten. Der legendäre Porsche-Renningenieur, eigentlich schon längst im Ruhestand, konstatierte nach dem Rennen insbesondere mit Blick auf die 2012er 911 GT3 RSR: "Nach aktuellem Stand sind wir eindeutig benachteiligt! Hier sind die VLN-Verantwortlichen in der Pflicht die Balance of Performance nachzubessern. Wenn ein Toppilot wie Marco Holzer auf einem RSR einem GT3-Auto nicht folgen kann, läuft etwas in die falsche Richtung!"


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