USCC - DeltaWing schreibt Motorsportgeschichte

Fünfter Platz beim Petit Le Mans

Nissan hat am Samstag beim über 1.000 Meilen gehenden "Petit Le Mans" Motorsportgeschichte geschrieben.

Motorsport-Magazin.com - Beim Finale der American Le-Mans-Serie (ALMS) in Road Atlanta steuerten Lucas Ordonez (Spanien) und Gunnar Jeannette (USA) den DeltaWing im erst zweiten Einsatz auf Platz fünf im Gesamtklassement - nur drei Runden hinter dem Sieger der LMP2-Kategorie. Dabei war der Prototyp mit dem aufgeladenen 1,6-Liter-DIG-T-Motor von Nissan nach einem Trainingsunfall vom Ende des Feldes gestartet.

Das eigentliche Rennen gestaltete sich nach den dramatischen Ereignissen der Trainingstage für die Nissan-Crew vergleichsweise entspannt. Am Mittwoch war der DeltaWing mit Gunnar Jeannette am Steuer von einem Porsche 911 GT3 rüde von der Bahn geboxt worden - das "Attacked in Atlanta"-Video auf YouTube wurde seitdem schon über 700.000 Mal angeklickt. Das zeigt, wie populär der DeltaWing auch vier Monate nach seiner Premiere in Le Mans weiterhin ist.

Trainingscrash des DeltaWing in Road Atlanta: (2:00 Min.)

Zum Glück ging der Vorfall glimpflich aus. Dennoch hatte das Team alle Hände voll zu tun, das Fahrzeug bis zum offiziellen Training wieder flott zu bekommen. Darren Cox, General Manager, Nissan Europa: "Vor dem Le Mans-Einsatz hatten wir zwar schon alle virtuellen und realen Crashtests der FIA erfolgreich absolviert. Doch bin ich stolz darauf, dass sich der Wagen nun schon zum zweiten Mal auch bei einem realen Rennunfall als extrem sicher erwiesen hat."

Obwohl den Piloten im Qualifying eine Zeit für die Top Ten gelang, setzten die Organisatoren den Nissan mit Hinweis auf den Gaststatus des außer Konkurrenz startenden Fahrzeugs auf den letzten Startplatz zurück. Das konfrontierte die Piloten mit dem Problem, sich zunächst durch das große Feld der langsamen GT-Wagen hindurchwühlen zu müssen.

Der Nissan DeltaWing ist ein Reifenflüsterer

Gleich in der ersten Runde ließ Jeannette acht Konkurrenten hinter sich; bis zum ersten Boxenstopp hatte sich der Amerikaner dann sogar schon vom 42. bis auf den achten Patz vorgekämpft. Danach absolvierte Lucas Ordonez einen Dreifach-Stint, der ihn bis auf Platz drei nach vorne brachte. Wie reifenschonend der nach dem Prinzip "halbes Gewicht, halbe Leistung, halber Luftwiderstand" konzipierte DeltaWing ist, bewies dann wiederum Jeanette: Er absolvierte in seinem zweiten Turn sogar vier Stints mit einem Reifensatz! Für die letzten 110 Runden übernahm dann erneut der erste Sieger der Nissan GT Academy das Steuer. Am Ende wurde Lucas Ordonez auf Platz sechs abgewunken. Nach der Disqualifikation des ursprünglich drittplatzierten Morgan-Nissan belegte der DeltaWing am Ende sogar noch Platz fünf.

Die Pace war auf einem Niveau mit den Wagen der LMP2-Klasse!
Lucas Ordonez

"Der Wagen war fantastisch zu fahren, auch dank Michelin, die einen tollen Job gemacht haben. Wir haben heute allen gezeigt, dass dieser Wagen sehr zuverlässig und schnell ist", freute sich der Spanier. "Die Pace war auf einem Niveau mit den Wagen der LMP2-Klasse!"

Gunnar Jeannette sagte: "Ich bin sehr stolz, bei einem Programm wie diesem dabei sein zu dürfen. Ich habe Ben Bowlby (Konstrukteur des Nissan DeltaWing) noch nie so breit lächeln gesehen wie heute!"

Konstrukteur Bowlby: "Das Auto überrascht uns immer wieder aufs Neue!"

Bowlby selbst zeigte sich in der Tat erleichtert: "Es ist unglaublich, was in den letzten zwölf Monaten geleistet wurde. Das war erst unser zweites Rennen, und wir haben es nach fast zehn Stunden Renndauer beendet. Gunnar und Lucas fuhren phänomenal, sie haben das Auto ohne einen einzigen Kratzer nach Hause gebracht. Das war der nächste Entwicklungsschritt für den DeltaWing, der selbst uns immer wieder überrascht. Vor allem die Zuverlässigkeit ist wirklich unglaublich."

Darren Cox: "Über 100.000 Zuschauer haben dieses Rennen, das wie eine Miniaturausgabe von Le Mans ist, live erlebt. Wir haben das "Petit Le Mans" beendet, das war unser Ziel - also 'mission accomplished'. Es war eine große Herausforderung für uns: Erst der Crash in Le Mans, dann der Crash hier. Doch alle haben den Glauben an das Projekt nicht aufgegeben und wurden mit einem großartigen Resultat belohnt."

Don Panoz, Mentor des DeltaWing-Projekts, stimmte in die Lobeshymnen ein: "Kein Zweifel, dass viele Fans diesen Wagen schon bald wieder live sehen wollen. Kompliment an die Fahrer: Sie hielten sich aus allen kniffligen Situationen raus, blieben von den Randsteinen weg. Dazu kamen perfekte Boxenstopps."

Drei Nissan-Teams im Klassement der europäischen Le Mans-Serie vorn

In Road Atlanta gab es auch noch einmal Punkte für die europäische Le Mans-Serie, die mit diesem Rennen ihren Saisonabschluss fand. Auch hier gab es Grund zur Freude für Nissan, belegen in der Schlussabrechnung doch gleich drei Teams mit dem Nissan VK45DE-Achtzylinder im Heck die ersten Plätze.

Die größte Freude im Leben ist die, etwas zu erreichen, was einem die Leute nicht zugetraut hätten!
Darren Cox

Das französische TDS Racing sicherte sich durch den vierten Platz beim "Petit Le Mans" die Meisterschaft vor OAK Racing und den Vorjahreschampions Greaves Motorsport. Im Zytek-Nissan von Greaves Motorsport ersetzte Alex Buncombe den in den Nissan DeltaWing beorderten Lucas Ordonez. "Schade, dass uns ein Getriebeproblem aller Chancen beraubte, denn der Wagen ließ sich ansonsten großartig fahren. Trotzdem war es eine tolle Erfahrung, das "Petit Le Mans" zusammen mit Tom Kimber-Smith, Alex Brundle und Team Greaves bestritten zu haben."

Nissan Fans blicken derweil schon nach Japan, wo am nächsten Wochenende in Motegi das Finale zur Super GT-Serie über die Bühne geht: "Da wollen wir mit dem GT-R den nächsten Titel für Nissan sichern", steckt Darren Cox die Zielrichtung ab. Zunächst einmal genießt Cox jedoch noch ein wenig das Husarenstück des Nissan DeltaWing. "Die größte Freude im Leben ist die, etwas zu erreichen, was einem die Leute nicht zugetraut hätten!"


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