Superbike - Ein Biaggi reicht

Rossi schießt Elfmeter ohne Torwart

Max Biaggi musste sein Heimrennen aussetzen und seinen Titel am kommenden Wochenende wohl an Carlos Checa abtreten. Der Italiener bleibt aber gelassen.
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Motorsport-Magazin.com - Carlos Checa steht kurz vor dem Titelgewinn, Max Biaggi vor einer schwierigen Situation. Ein Bruch an seinem linken Fuß, den er auf dem Nürburgring erlitt, zerstörte jegliche Hoffnungen auf ein Comeback in der Meisterschaft. "Schon seit den ersten Tests und dann besonders in den ersten Rennen haben wir realisiert, dass wir mit den Reifen enorme Schwierigkeiten haben, mit denen wir anscheinend mehr Probleme als andere hatten", erklärte er.

Ich möchte nicht als Opfer rüberkommen und es würde keinen Sinn machen Gnade zu erwarten
Max Biaggi

"Alle Vier-Zylinder-Bikes hatten unerklärliche Sorgen, obwohl sie im letzten Jahr gut funktionierten. Selbst Honda hat ein paar Rennen gewonnen und heute scheint sie wie eine zehn Jahre alte Maschine", fuhr Biaggi fort. Zudem erklärte er, dass die kompletten Rennzeiten in diesem Jahr unter gleichen Bedingungen langsamer als in der letzten Saison gewesen seien. Der Italiener machte sich selbst aber mitverantwortlich, zum Beispiel der Fehler in Imola. "Die Regeln sind klar. Ich möchte nicht als Opfer rüberkommen und es würde keinen Sinn machen Gnade zu erwarten, denn du bist ein italienischer Fahrer und momentaner Weltmeister, auf italienischem Boden."

Knochen ohne Sturz gebrochen

Dennoch verliert Biaggi die Hoffnung noch nicht. "Ich habe nie das Vertrauen verloren und ich dachte, dass ich das Blatt in der Meisterschaft noch wenden könnte, obwohl ich wusste, dass es schwierig wird", erklärte er. "Aber ich habe es geschafft mir einen Knochen zu brechen, ohne vom Motorrad gefallen zu sein!"

Mit Carlos Checa hatte Max Biaggi nie ernsthafte Probleme - Foto: WorldSBK

In Checa sieht er aber als einen fairen Gegner, mit dem er nie gestritten hat. "Er hatte ein unglaubliches Jahr und er verdient den Titel", gab der Aprilia Pilot zu, konnte sich aber nicht verkneifen, dass Checa erst auf der Ducati stark sei und gegen Teamkollegen Jonathan Rea zuvor keine Chance gehabt habe.

Elektronik macht den Unterschied

Die MotoGP vermisst Biaggi nicht zu sehr, dennoch beschäftig er sich damit. Von Casey Stoner hält er viel, denn er ist der einzige, der den Honda-Motor zähmen konnte, nachdem viele ihn in der Vergangenheit als mürrisch bezeichnet hatten. Der Römer kann auch einen speziellen Unterschied zwischen Superbikes und den neuen 1000ccm-Maschinen ausmachen: Die Elektronik, die in der MotoGP viel weiter entwickelt sei. "Wir nutzen heute in der Superbike die Technologie, die sie 2003 schon in der MotoGP hatten."

Trotz der CRT-Regelung denkt Biaggi nicht, dass sich beide Meisterschaften annähern. "Die MotoGP und die Superbike entwickeln in verschiedene Richtungen und ich habe Zweifel, ob die CRT Bikes überhaupt konkurrenzfähig sind, solange die großen japanischen Hersteller noch Prototypen liefern."

Es ist eine erbärmliche Situation, weit weg von den Standards, die Rossi verdient
Max Biaggi

Einen Kampf gegen seinen alten Lieblingsrivalen Valentino Rossi hält Biaggi nicht für ausgeschlossen. "Vielleicht duellieren wir uns nochmal irgendwann auf der Strecke", sagte der Aprilia-Pilot, der damit auf die Superbike anspielt. Natürlich beobachtet er den neunfachen Weltmeister noch immer. "Es ist eine erbärmliche Situation, weit weg von den Standards, die Rossi verdient. Aber ich möchte nichts sagen, denn momentan ist das wie einen Elfmeter ohne Torwart zu schießen. Unglücklicherweise ist die MotoGP nicht mehr nur ein Sport, sondern auch ein Markt und Politik. Rossis Comeback in ein oder zwei Jahren wird von seinem Wert als Sportler abhängen. Ich kann nur sagen, dass ich mich glücklich schätze, dieses Problem nicht zu haben."

Ein Fahrer in der Biaggi-Familie reicht

Biaggi selbst hat noch ein Jahr bei Aprilia und will sich noch nicht zurückziehen. Zur Zukunft sagte er: "Ich sehe keine Notwendigkeit, momentan etwas zu verändern. In dieser Welt schaut sich jeder nach einem unentdeckten Talent um, aber ich denke, das gibt es nicht. Ich bin kein Freund der Fahrschul-Konzepte. Alle vergangenen Meister hatten andere Strukturen und es gab nicht so eine Eile, Talente zu entdecken. In 25 Jahren hat das Team Italien niemanden mehr entdeckt. Es ist schwer, einen Fahrer zu 'erschaffen'. Ich habe fünf WM-Titel gewonnen, aber bis ich 18 war Fußball gespielt. Es liegt in den Genen. Training hilft zwar, aber 85 Prozent hängen davon ab, aus was ein Fahrer geschaffen ist." Ob einer seiner Kinder der nächste Biaggi wird? "Ein Fahrer in der Familie reicht."


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