NIGHT of the JUMPs - Best of 2011: Sheehan im Interview

Ein Australier erobert Europa

Die besten Texte aus dem Motorsport-Magazin 2011: Josh Sheehan gab sein Debüt bei der Night of the Jumps schon 2010. Nun räumt er alles gnadenlos ab.

Motorsport-Magazin.com - Es scheint, als wärst du seit Hamburg einfach vom Himmel gefallen. Wo kommst du eigentlich her und was machst du so?
Josh Sheehan: "Ich bin 24 und aus einer kleinen Stadt in Westaustralien südlich von Perth. Ich hatte mein Debüt hier bei der Night of the Jumps schon im letzten Jahr, in Ostrava und bin 2010 insgesamt vier Veranstaltungen gefahren. Die waren alle gut und der dritte Platz mein bestes Ergebnis. Über den Winter habe ich viel trainiert und viele neue Tricks ausprobiert. Dann konnte ich jetzt wieder nach Europa kommen, die anderen beeindrucken und wie in Hamburg gewinnen."

Wie bist du zum Freestyle Motocross gekommen?
Josh Sheehan: "Ich habe immer diese verrückten Freestyle Filme gesehen und habe sie geliebt. Als ich dann ein Motorrad hatte, musste ich natürlich versuchen, das nachzumachen. Ich habe erst einmal kleinere Sprünge probiert und habe dann angefangen, einige Rennen zu fahren, nebenbei aber immer mehr auf den Rampen trainiert. Mit 20 Jahren habe ich an meinem ersten FMX-Wettbewerb teilgenommen und dabei habe ich gemerkt, dass mir das doch besser gefällt, als Rennen zu fahren."

Das Geheimnis ist glaube ich harte Arbeit. Wenn ich zu Hause bin, trainiere ich eigentlich nur und lerne immer neue Tricks
Josh Sheehan

Also hast du wie viele andere auch zunächst mit MX-Rennen angefangen?
Josh Sheehan: "Ja, ich glaube ich war 17 Jahre alt, als ich zum ersten Mal bei einem Rennen am Start stand. Das ging allerdings schon mit Freestyle einher, das gefiel mir einfach mehr. Ich habe auch immer nur die Sprünge trainiert, damals aber nicht wirklich ernst, sondern nur zum Spaß. Mit etwa 21 bin ich richtig im FMX durchgestartet."

Er kam, sah und siegte. Was ist dein Geheimnis?
Josh Sheehan: "Nun... das Geheimnis ist glaube ich harte Arbeit. Wenn ich zu Hause bin, trainiere ich eigentlich nur und lerne immer neue Tricks. Ich denke, das ist es."

Wohnst du jetzt in Europa?
Josh Sheehan: "Nein, ich wohne immer noch in Westaustralien. Zwischen den Veranstaltungen in Hamburg und München war ich in Europa, danach bin ich nach Amerika geflogen. Erst nach dem Wettbewerb in Penza [Russland] bin ich zurück nach Hause geflogen."

Du stehst mit 80 Punkten auf dem sechsten Gesamtrang der Night of the Jumps. Was hast du dir vorgenommen?
Josh Sheehan: "Nachdem ich diese drei Runden gewonnen habe, kann mein Ziel nur noch der Sieg sein. Ich muss erst einmal sehen, wo die anderen alle liegen. Ein Podium ist in jedem Falle nicht zu verachten. Aber es wäre schon nicht schlecht, am Ende ganz oben in der Tabelle zu stehen."

Wo fährst du sonst noch mit?
Josh Sheehan: "Ich fahre in keiner weiteren Serie, aber dafür einige Shows, wie Nitro Circus Live. Dafür fahre ich dann in Las Vegas mit Travis Pastrana. Bei den Red Bull X-Fighters würde ich gerne öfter antreten, aber das fällt oft mit irgendwelchen anderen Events zusammen."

Wie würdest du dich selbst im Vergleich zu den 'Oldies' bei der Night of the Jumps einschätzen?
Josh Sheehan: "Ich habe diese Jungs immer bewundert. Ich bin selbst geschockt, dass ich einfach hierher komme und gewinnen kann. Unsere Klasse ist aber ähnlich. Ich denke, es sind großartige Fahrer und ich möchte mit ihnen gleichziehen."

Er kam, sah und siegte © Maria Pohlmann

Wer sind deine stärksten Rivalen bei der Night of the Jumps?
Josh Sheehan: "Libor [Podmol] ist ziemlich gut. Aber auch Remi [Bizouard] und Javier [Villegas] sind wirklich gefährlich, was die Meisterschaft angeht."

Wo liegen deine Stärken und was sind deine Schwächen?
Josh Sheehan: "Das ist schwer... Ich war am Anfang immer sehr langsam und ziemlich aufgeregt, aber das ist mittlerweile alles besser geworden. Ich denke, meine Fitness ist eine Stärke. Ich trainiere ziemlich viel, auch im Fitnessstudio und kann meine Runs deshalb richtig gut fahren. Ich habe dadurch keine Probleme mit Armpump oder solchen Dingen. Ich denke, da hilft der Motocross-Hintergrund ziemlich gut."

Hast du einen Trainer oder ziehst du alles allein durch?
Josh Sheehan: "Ich habe keinen Trainer, bin aber auch nicht wirklich allein. Zu Hause in Australien sind wir eine ziemlich große Gruppe von Freestyle-Fahrern, wir üben immer gemeinsam und pushen uns gegenseitig. Das ist ziemlich gut."

Was machst du zu Hause, wenn du nicht trainierst?
Josh Sheehan: "Ich liebe es, mich mit Freunden zu treffen. Ich bin immer so lange Zeit von meiner Heimat weg und sehe meine ganzen Leute dann ewig nicht. Im Sommer mache ich auch gern Wassersport wie Wakeboarding und solche Dinge. Ich bin eigentlich immer mit meinen Freunden unterwegs und habe zu Hause ständig irgendetwas zu tun."

Du bist ein professioneller FMX Fahrer. Gibt es etwas, das dich an diesem Beruf stört?
Josh Sheehan: "Ja, die Flüge, lange Flüge. Von Australien nach Amerika oder Europa sind es meist 20 bis 24 Stunden, die ich im Flieger verbringen muss und das ist wirklich nervig."

Ich glaube die durchgeknalltesten Sachen habe ich bei Nitro Circus gesehen. Besonders die Rekordsprünge von Travis sind ziemlich verrückt.
Josh Sheehan

Wer ist der netteste Typ im Fahrerlager? Und wen magst du weniger?
Josh Sheehan: "Das kann ich so nicht sagen, das sind alles coole Typen. Ich könnte mich jetzt nicht für einen speziellen entscheiden. Ich mag sie eigentlich alle, es gibt keinen, mit dem ich Probleme hätte."

Was wirst du deiner Meinung nach in zehn Jahren machen?
Josh Sheehan: "Hoffentlich im Ruhestand und mit einem angenehmen Leben. [lacht] Ich will glücklich sein, vielleicht beginne ich gerade eine Familie zu gründen. Hauptsache ich fühle mich wohl und fahre nur noch zum Spaß, vielleicht ein paar Shows..."

Was war das Verrückteste, das du jemals in deinem Leben gesehen hast?
Josh Sheehan: "Haha, ich bin Freestyle-Motocross-Fahrer, da gibt es so viele verrückte Dinge. Ich glaube die durchgeknalltesten Sachen habe ich bei Nitro Circus gesehen. Besonders die Rekordsprünge von Travis [Pastrana] sind ziemlich verrückt."

Hast du jemanden, der dich an den Wochenenden begleitet und mit dir zusammen unterwegs ist?
Josh Sheehan: "Nein, an den meisten Wochenenden nicht. Es kostet schon für mich eine Menge, also komme ich lieber allein."

Hast du schon einen Trick selbst erfunden?
Josh Sheehan: "Nein, das Erfinden ist wirklich schwer. Es gibt schon so viele Sachen, da fällt mir nicht mehr ein. Ich kann hoffentlich die Tricks der anderen zeigen und damit trotzdem Geld verdienen."

Wie hoch würdest du das Risiko in deinem Job einschätzen? Hast du manchmal Angst?
Josh Sheehan: "Das Risiko ist sehr hoch. Natürlich macht das, was wir tun viel Spaß, aber es können so viele Dinge schief gehen. Die Sprünge sind sehr gefährlich und die Erde, auf der man aufkommt, wenn etwas nicht klappt ist sehr hart. Wenn ich darüber nachdenke, dass dabei schon Leute gestorben sind, versuche ich natürlich dieses Risiko mit genügend Training so gut es geht zu minimieren. Ja, manchmal habe ich Angst, aber das gehört einfach dazu."

Das Interview mit Josh Sheehan stammt aus der Printausgabe des Motorsport-Magazins. Mehr Technikhintergründe, Interviews und Reportagen lesen Sie im Motorsport-Magazin - im gut sortierten Zeitschriftenhandel oder am besten direkt online zum Vorzugspreis bestellen:




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