Motorsport-Magazin.com - Alle Motocross-Fans sind gespannt, denn die MX-WM steht in den Startlöchern. Natürlich gab es hier und da schon Vorbereitungsrennen, Clement Desalle gewann in Valence und Hawkstone, David Philippaerts siegte beim Starcross in Mantova und auch die nationalen Serien sind schon in vollem Gange. Aber welcher Fahrer verschießt sein Pulver schon vor dem Auftakt? Wohl nur die Wenigsten und genau deshalb dürften die Spannungstöpfe der MX-Gemeinde in diesen Tagen fast überkochen. Am Sonntag geht es auf dem rund 150 Kilometer nordöstlich der bulgarischen Hauptstadt Sofia gelegene Rundkurs 'Gorna Rositza' von Sevlievo endlich wieder los.
"Ich fühle mich gut, habe keinen Stress und wir sind letzten Dienstag einen weiteren Test mit dem Motorrad gefahren, also alles ist bereit und ich bin glücklich", sagte Desalle, der im letzten Jahr Vizeweltmeister wurde und sich nun auf Bulgarien freut. "Sevlievo ist eine schöne Strecke mit coolen Sprüngen und einigen welligen Abschnitten. Ich weiß noch nicht, ob vielleicht etwas am Layout anders ist, wenn wir am Freitag ankommen, aber ich bin gespannt dahin zu kommen und in die Saison zu starten."
Sein Suzuki-Teamkollege Steve Ramon holte sich zuletzt 2007 mit dem dritten Platz auf dieser Strecke einen Pokal ab. "Ich werde viel trainieren bevor wir nach Bulgarien reisen. Die Strecke ist echt schnell und je nachdem wie sie den Boden vorbereiten, gibt es dort schnell Spurrinnen und einige Linien entwickeln sich. Ich mag das und es wird bestimmt ein physisch anspruchsvoller GP", vermutete Ramon, der in diesem Jahr schon die Trophäe beim Strandklassiker in Le Touquet mit nach Hause nahm.
David Philippaerts holte 2008 den ersten Yamaha-Sieg in Bulgarien. "Sevlievo ist eine tolle Strecke und eine der besten für mich", freute sich der 25-Jährige. "Das erste Rennen der Saison könnte schwierig werden, denn wir alle wollen gewinnen und so gut wie möglich starten. Wenn du ein gutes Ergebnis holst, dann bekommst eine Menge Schwung und das dann für das ganze Jahr. Gleichzeitig musst du dir selbst immer wieder sagen, dass es das erste Rennen ist und dass es noch viel mehr zu tun gibt."
Außerdem findet der Italiener das Motorrad besser und fühlt sich darauf wohler, denn der Motor wurde verändert und auch das Fahrwerk ist ein anderes als noch im vergangenen Jahr. Von diesen Veränderungen der YZ450F dürfte auch Anthony Boissiere profitieren, der sein zweites MX1-Jahr bestreiten wird. Auch Steven Frossard fühlt sich nach dem Gesamtsieg in der italienischen Meisterschaft auf seinem neuen Arbeitsgerät schon wohl: "Ich weiß, dass es meine erste Saison in der MX1 ist, aber ich habe schon vor einigen Jahren gespürt, dass ich auf dem großen Bike besser aufgehoben wäre und nun bin ich gespannt und will zeigen, zu was ich fähig bin."
Auch die Kawasaki-Piloten zeigten sich vor dem Saisonauftakt bereits stark, Jonathan Barragan und Xavier Boog führen die aktuellen Punktetabellen in der spanischen und französischen Meisterschaft an. Pech hatte der dritte Kawa-Pilot Sebastien Pourcel, der nach einer erst vor etwa zwei Wochen in England zugezogenen Brustwirbelverletzung für längere Zeit pausieren muss und deshalb nicht in Bulgarien am Start sein wird. Auch TM-Pilot Tanel Leok wird ein gewichtiges Wörtchen bei der Vergabe der Plätze auf dem Siegerpodium mitreden.
Der Start der WM bedeutet auch den Beginn der sechsmonatigen Renn-Reise in 14 verschiedene Länder auf drei Kontinente. 15 lang erwartete FIM MX-GP Weltmeisterschaftsrunden stehen an und am wichtigsten sind diese wohl für Antonio Cairoli. Der Weltmeister begann seine Titelverteidigungssaison nicht wie die anderen Piloten in den Vorbereitungsrennen, sondern konzentrierte sich nur auf die italienische Meisterschaft. Seine Form bleibt also weiterhin abzuwarten.
Gleiches gilt für Max Nagl. Der Deutsche stand vor der Saison bisher auch nur in Italien am Startgatter, wird in diesem Jahr allerdings wie sein Teamkollege auf der 350er starten und fühlt sich auf der neuen Maschine nach eigenen Aussagen bisher ziemlich wohl.
Die kleine Klasse dürfte natürlich nicht weniger spannend erwartet werden. Mit Ken Roczen steht dort der deutsche Wunschtitelkandidat definitiv fest und mit dem Abwandern vom amtierenden Weltmeister Marvin Musquin sind die Karten in der MX2-Klasse fast komplett neu gemischt. Roczens stärkste Konkurrenz wartet mit Jeffrey Herlings in den eigenen Reihen. Doch auch von Yamaha kommt ein harter Gegner.
"Wir haben vor der Saison viel gearbeitet und ich könnte nicht glücklicher darüber sein, wie alles geklappt hat und die YZ250FM funktioniert. Ich bin wohl einer der Fahrer, der mit den größten Hoffnungen nach Bulgarien kommt, denn letztes Jahr um diese Zeit, lag ich mit einem gebrochenen Bein im Bett. Jetzt habe ich ein gutes Gefühl für 2011 und der Grand Prix könnte meiner Meinung nach nicht früh genug starten", gab Gautier Paulin zu Protokoll. Neben ihm sind auch die Briten Tommy Searle und Max Anstie auf Kawasaki stark einzuschätzen.
Vor Überraschungssiegern ist natürlich weder die MX1 noch die MX2 gefeit. Wie stark Roczen auf der KTM ist, hat er in Amerika bereits eindrucksvoll bewiesen. Auch Nagl könnte mit der kleineren Maschine 'Mr. Holeshot' bleiben. Die deutsche MX-Gemeinde drückt natürlich auch Lars Oldekamp und Marcus Schiffer die Daumen. Bis zum Auftakt darf die Spannung also noch einmal bis zum Siedepunkt ansteigen. Fest steht nur eins: in drei Tagen geht´s endlich wieder los.