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Motorsport - Kolumne - Max Günther in Macau: Auf den Spuren von Senna

In Lisboa geht die Party richtig los

Maximilian Günther steht vor seinem Debüt beim Macau GP. Der Formel-3-Vize-Europameister startet beim Stadt-Klassiker für ein Team mit legendärer Geschichte.
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endlich ist es soweit: Am kommenden Wochenende starte ich zum ersten Mal beim legendären Macau Grand Prix! Ich freue mich schon so lange auf das Stadtrennen in China, und jetzt wird es endlich Realität. Die Strecke ist eine echte Herausforderung und bietet alles, was das Rennfahrer-Herz so begehrt. Macau hat einfach ein wahnsinniges Prestige, wenn man sich die Siegerlisten mal anschaut: Michael und Ralf Schumacher, Ayrton Senna, David Coulthard, um nur einige zu nennen.

Ich starte für SJM Theodore Racing by Prema. Das Team hat eine unglaublich erfolgreiche Historie in Macau. Wenn ich nur dran denke, wer schon alles für die Jungs gefahren ist, allen voran natürlich Senna. Es macht mich sehr stolz, Teil dieses großen Teams sein zu dürfen. Das pusht mich noch mal zusätzlich. Ich bin seit Montag an der Strecke und bereite mich auf das Wochenende vor. Dass das diesjährige Macau-Rennen unter dem Banner der FIA stattfindet und damit einen Weltmeisterschafts-Status hat, sorgt für einen zusätzlichen Anreiz.

Um mich auf diese einzigartige Strecke vorzubereiten, habe ich einige Runden im Simulator meines Prema-Teams gedreht. Da konnte ich mich gut auf das Layout einschießen und einige Sachen probieren. Am Simulator kann man zum Glück nichts kaputtmachen, deshalb haben wir alles Mögliche getestet. Auf der einen Seite habe ich die Grenzen ausgelotet, auf der anderen Seite versucht, einen guten Fluss zu finden und so schnell wie möglich zu fahren.

Dieses Jahr rüstet Pirelli alle Teams mit Reifen aus. Aus der Formel-3-Europameisterschaft war ich bislang an Hankook gewöhnt. Deshalb haben wir im Vorfeld einen zweitägigen Test in Vallelunga eingelegt. Es war wichtig, die Pirellis auszutesten, was das Setup und den eigenen Fahrstil betrifft. In Macau wird es noch mal anders sein, aber so haben wir zumindest eine Richtung gefunden.

In der Melco Hairpin müssen wir Fahrer am Lenkrad umgreifen - Foto: Maximilian Günther

Das waren zwei sehr hilfreiche Tage, weil es zwischen Pirelli und Hankook große Unterschiede gibt. Der Pirelli-Reifen bietet auf einer Runde mehr Grip, der Peak ist also deutlich höher. Dafür ist der Abbau deutlich stärker als beim Hankook-Reifen, der auf die Renndistanz gesehen ziemlich konstant war. Bei den Pirellis sind die Extreme etwas stärker ausgeprägt: Höherer Peak bei gleichzeitig stärkerem Verschleiß.

Auf Stadtkursen habe ich mich in der Vergangenheit immer wohlgefühlt. Auf dem Norisring habe ich mein erstes Rennen in der Formel 3 gewonnen und beim Grand Prix de Pau stand ich schon auf dem Podium. Macau ist zwar auch ein Straßenrennen, aber eine ganz andere Angelegenheit. Der Kurs ist deutlich schneller, vor allem die lange Vollgas-Passage im ersten Sektor. Hier kann man sehr gut überholen, was auf Stadtstrecken eher unüblich ist.

Nach dem Vollgasteil geht die Party in der engen Lisboa-Kurve dann richtig los. Es folgen flüssige und schnelle Abschnitte, aber auch ganz langsame Passagen, wie die Melco-Hairpin. Hier muss man am Lenkrad sogar umgreifen, um die Kurve durchfahren zu können. Das ist im Formelauto normalerweise völlig unüblich und zeigt, wie abwechslungsreich Macau wirklich ist. Eben ein echter Kurvenmix. Teilweise mit Passagen, in denen keine zwei Autos nebeneinander passen und auf der anderen Seite breite Stellen, auf denen man gut überholen kann.

Macau ist für uns Fahrer ein schmaler Grat. Einerseits musst du vorsichtig sein, um das Auto nicht an den engen Kurven zu beschädigen. Andererseits musst du so schnell wie möglich fahren, um den Rhythmus zu finden. Es ist wichtig, sich von Session zu Session zu steigern. Zum Beispiel in den letzten beiden Kurven. Die 90-Grad-Ecken sehen auf dem Papier einfach aus. Aber hier ist es unheimlich wichtig, so viel Schwung wie möglich für die folgende Gerade mitzunehmen. Wenn du im letzten Streckenteil zu schnell fährst, kommen die Wände schon sehr nahe... Das ist auf jeden Fall eine kritische Passage.

Ich bin jetzt schon auf meine ersten Runden in Macau gespannt. Ich glaube, da wird keine einzige Kurve langweilig. Euch wünsche ich viel Spaß beim Zuschauen - und drückt mir die Daumen für meine Macau-Premiere!

Euer Max

Unterschrift von Maximilian Günther


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