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Mehr Motorsport - Kolumne - Ellen Lohr

Blind, doof, superdämlich

Ellen Lohr berichtet von der Truck EM auf dem Nürburgring, wo es so richtig zur Sache ging.
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Motorsport-Magazin.com - Viele, viele Zuschauer heute an der Strecke und in den Sponsorenzelten. Die Besucher unseres Partners Truckdrive bekommen von mir in der Zieleingangskurve dabei wieder einiges geboten...

Die beiden Unworte des Wochenendes beginnen für mich mit T, Turbo und Teodosio. Der Turbo verhagelt mir beide jeweils ersten Tagesrennen und mein "Freund" Teodosio rammt mich jeweils einmal pro Tag von der Strecke. Gestern noch unwichtig, da das im Trubel des Restarts geradezu untergegangen ist, aber heute nicht ohne Folgen.

Beim ersten Tageslauf reißt es mir gegen Ende des Rennens den Turboschlauch ab. Das bedeutet den allerletzten Startplatz für den zweiten Lauf. Ich parke den Truck am Ende der Start- und Zielgeraden gegenüber der Haupttribüne und als ich aussteige, erlebe ich trotz allem den schönsten Moment des Wochenendes, denn alle Zuschauer jubeln mir zu und applaudieren. Das Ganze so nah, wie in der alten DTM auf der Avus, falls sich jemand erinnern sollte. An dieser Stelle: danke an die gesamte Haupttribüne, ihr habt meinen Tag gerettet!

Der zweite Lauf dann beginnt eigentlich nicht schlecht, denn ich erwische wie so oft einen super Start. Ich kann aus der letzten Reihe weit ins Mittelfeld reinfahren und bin für einige Runden in herzhafte Kämpfe verwickelt. Dann kommt allerdings das "zweite T" in Form von Jose Teodosio zum Einsatz. Ich sage nur so viel: blind, doof, superdämlich. Was anderes fällt mir dazu nicht ein. Er rammt mich aus dem Rennen (natürlich in der Truckdrive Kurve...) und behauptet danach steif und fest, ich wäre quasi selbst schuld gewesen. Da die FIA in diesem Jahr festgelegt hat, dass jeder Truck die Bilder einer Onboad-Kamera zur Verfügung stellen muss, damit strittige Situationen besser bewertet werden können, ist die Sache aber sehr schnell geklärt. Ein ganz dummer Abschuss. Die Sportkommissare verhängen eine 30 Sekunden Strafe gegen ihn, was ihn zumindest wieder hinter mich zurückfallen lässt. Ein schwacher Trost.

Der Zuschauerandrang war groß - Foto: Ellen Lohr

Anthony zeigt heute eine ganz starke Leistung. Im ersten Rennen wird er 10. Und verteidigt dabei seine Position gegen eine ganze Meute hinter ihm. Das Besondere daran ist, dass er die letzten vier Runden ohne Bremsenkühlwasser fährt, da ihm im Getümmel ein Schlauch zum Wassertank abgefahren wurde. Im zweiten Rennen geht es sogar noch ein wenig weiter nach vorne. Ein achter Rang springt für ihn heraus. Eigentlich neunter im Ziel profitiert er von einer Zeitstrafe für Major, der sich mit Jochen Hahn angelegt hatte. Auch auf den vorderen Rängen wird heute kräftig gebolzt.

Neben dem eigentlichen Racing stehen am Nürburgring natürlich die Fans im Vordergrund, deshalb haben Anthony und ich einen strengen Zeitplan, um alle Interviews und Autogrammstunden erledigen zu können. Wenn die Resonanz aber so großartig, wie am Ring ist, macht man das natürlich gerne. An dieser Stelle auch ein Dank an all unsere Partner, die uns mit Give Aways versorgt haben. Alles restlos weg.

Jetzt haben wir zum ersten Mal in dieser Saison ein wenig Zeit durchzuatmen. Nach dem Dauerstress im Zwei-Wochen-Rhythmus, geht es nun ans Abarbeiten der ewig langen to-do-Liste, die sich in dieser anstrengenden Phase aufgebaut hat. Ich will Zombie endlich mal ohne Problem ins Ziel bringen!

Weiter geht's in Most am 30./31. August. Für mich steht morgen noch das Meeting der FIA Truck Racing Comission an, bei der ich als Fahrersprecherin vertreten sein werde und dann heißt es ab nach Hause und vier Tage Urlaub. Quasi unvorstellbar...;-)


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