Mehr Motorsport - Kolumne - Ellen Lohr

Geschichten aus Le Mans

Ellen Lohr startet beim Finale der Truck-EM in Le Mans. In ihrer Kolumne berichtet sie von den Rennen und wie man mit zerstörten Bremsen Gas gibt.
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Motorsport-Magazin.com - Ein paar schnelle Zeilen heute aus dem Pressecentrum. Warum schnell? Weil das Mediacenter um 22:00 Uhr schließt, obwohl die Rennen erst abends um 19:30 Uhr zu Ende waren. Super, danke! An den Uhrzeiten kann man schon erkennen, wir sind in Le Mans beim Finale der EM, denn hier gehen die ersten Trainings morgens im Dunkeln los und für das zweite Rennen des Tages benötigt man ebenfalls die Scheinwerfer. Lange Tage.

Die Geschichten sind allerdings tatsächlich schnell erzählt. Der Tag bringt Abwechslung, aber im eher negativen Sinne, denn das Wetter will sich nicht entscheiden, ob es nun abtrocknen soll, was hier eine Ewigkeit dauert, oder ob es weiterregnet, fieselt oder einfach nur nebelt. Dementsprechend schwer tun wir uns mit einem vernünftigen Setup für den pinken Buggyra, der am Wochenende im Zeichen der breast cancer awareness Kampagne verziert ist. Im Zeittraining ist es dann nach einigem Hin und Her ein 16. Platz. Zwei Zehntel hätten mich eine ganze Reihe weiter nach vorne gespült, was insofern ein wenig ärgerlich ist, als dass die Reihe hinter mir mit Lücken von zwei und dann gleich fünfeinhalb Sekunden aufwartet.

Das Rennen ist dann ereignislos. Nach dem ganzen Gehacke in Jarama geradezu langweilig. Ich habe keine Chance, den vor mir gelandeten Gerd Körber zu erwischen und genauso habe ich nach hinten Ruhe, denn Frankie Vojtisek hat keine Möglichkeit mich unter Druck zu setzen.

Im zweiten Lauf gibt es dann direkt mal einen Rennabbruch, der mir ganz recht sein kann. Rene Reinert steht entgegengesetzt der Fahrtrichtung und ich komme nicht gut vorbei. Der Abbruch ist also zunächst mal gut für mich. Beim Re-Start erwische ich Vojtisek an der Hinterachse und drehe ihn unabsichtlich um, komme aber im Getümmel sehr gut durch und kann Plätze gut machen. Dann pfeile ich mich aber in Kurve zwei und drei fast von der Strecke und merke: hier stimmt was nicht! An der Box kann man auf die Schnelle aber äußerlich nichts sehen, deshalb geht es nochmal auf die Piste.

Allerdings merke ich bereits nach einem weiteren Bremsmanöver, dass da was ganz faul ist. Dennoch denke ich, 'vielleicht passiert ja noch was, besser ich schaukel das Ding ins Ziel'. Das passiert leider nicht, aber Erkenntnisse gibt es trotzdem, deshalb bin ich nicht unglücklich. Es stellt sich dann heraus, dass nicht nur die rechte vordere Bremsscheibe gerissen ist, sondern auch die linke geradezu pulverisiert ist. Erstaunlich, dass man so etwas überhaupt fahren kann, aber man kann sich tatsächlich auch auf eine nicht bremsende Vorderachse irgendwie einstellen...


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