MotoGP - Pol Espargaro: Die KTM hat noch keinen Charakter

Noch keine Fahrer-Konkurrenz: Teamwork steht bei KTM über allem

Pol Espargaro ist sich nach sechs Rennen als KTM-Fahrer sicher: Das Bike hat noch keinen Charakter. Bradley Smith und er müssen ihm erst einen verpassen.
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Motorsport-Magazin.com - Die erste Saison als Fahrer in einem neuen Team ist nie leicht. Pol Espargaro und Bradley Smith stehen aber mit einem kompletten neuen Bike vor noch größeren Schwierigkeiten. Da müssen Trainingstage an Rennwochenenden schon mal als Mini-Testfahrten herhalten. Die größte Herausforderung für Espargaro und Smith ist jedoch die Charakterentwicklung der RC16 - denn laut Espargaro hat das Bike bisher noch gar keinen.

"Bis jetzt hat das Bike noch keinen Charakter und im Moment versuchen wir, ihm einen zu verpassen", fasste Espargaro am Mugello-Freitag die bisherige Arbeit an der KTM RC16 zusammen. Diese Herausforderung ist aber gar nicht so leicht zu meistern, wie man es sich vielleicht vorstellen würde. Denn an dem derzeitigen Arbeitsgerät von Espargaro und Smith ist nichts definitiv - überall gibt es Baustellen.

Die letzte große Änderung: Ein neues Chassis. "Nicht komplett neu, sondern ein wenig modifiziert", schickte Espargaro dann gleich hinterher. Mit dem neuen Chassis kamen auch Änderungen an der Geometrie hinzu. Außerdem Anpassungen an Hinterraddämpfer und Schwingarm sowie verschieden Elektronik-Updates. Kein Wunder, dass die RC16 keinen Charakter hat, so viel, wie fast tagtäglich an ihr geändert wird.

Bis jetzt hat das Bike noch keinen Charakter und im Moment versuchen wir, ihm einen zu verpassen.
Pol Espargaro

"Wenn man ein neues Chassis ausprobiert, selbst wenn es nicht viel anders ist als das Alte, dann gibt es so viele kleine Dinge, die sich ändern", gibt Espargaro zu bedenken. Der Zähler steht praktisch wieder auf null, alle bisher gesammelten Daten und Erfahrungen sind so gut wie wertlos. "Selbst der Grip am Hinterrad kann durch so etwas variieren, man muss das Bike komplett verändern." Das stellt die Piloten an jedem Wochenende vor neue Schwierigkeiten, denn nicht nur der Kurs ist neu, sondern auch das Bike. "Das ist nicht schlecht, aber es kostet Zeit", seufzt Espargaro. "Es ist wie Testen, nur am Rennwochenende. Das ist nicht optimal, aber nur so wird das Bike besser. Wir müssen Freitage opfern, um sonntags stärker zu werden."

Die größte Baustelle ist für KTM und damit auch für Espargaro und Smith, das Wenden des Bikes. "Wir versuchen, das Wenden des Bikes beim Gas geben zu verbessern. Wenn die Reifenleistung abfällt, wird das Bike sehr schwierig zu fahren", klagt Espargaro. Gerade auf Strecken wie Mugello oder dem Kurs in Barcelona mit ihren langen Geraden sind diese Bereiche aber enorm wichtig. "Je früher man da ans Gas gehen kann, desto mehr Zeit macht man gut", fasst der Spanier zusammen.

Viel Arbeit: Pol Espargaro und Bradley Smith müssen die KTM weiterentwickeln - Foto: KTM

Den KTM-Piloten bleibt nun nichts anderes übrig, als das Beste aus der aktuellen Situation zu machen. "Wir versuchen, ein Setting zu finden und festzustellen, wo wir stark sind und wo nicht", so Espargaro. Diese Aufgabe wird durch die ständig wechselnden Teile und Voraussetzungen des Bikes aber nicht einfacher. Charakter kann die RC16 erst entwickeln, wenn Dinge Bestand haben und nicht an jedem Wochenende ausgewechselt werden. Aber um genau diese gut funktionierenden Dinge zu finden, braucht es Zeit - und Teamwork.

Anfangstage: Teamwork steht über allem

Denn die Entwicklung eines Bikes ist keine Aufgabe, die ein Fahrer im Alleingang bewältigen kann. "Ich will das Bike verbessern, aber das kann ich nicht allein. Auch Marquez und Rossi können das nicht, das haben wir gesehen", erklärt Espargaro und fügt deshalb auch an: "Wenn Bradley und ich nicht zusammenarbeiten würden, dann hätten wir gar nichts. Wir brauchen einander."

Teamwork ist also im Moment noch das Schlüsselwort bei KTM - von Kampf unter Teamkollegen keine Spur. "Es geht um Teamwork, auch mit Mika. Wir drei müssen das Bike verbessern", findet Espargaro. Konkret besteht dieses Teamwork bei KTM aktuell aus Arbeitsteilung: "Bradley nimmt den Druck der Arbeit an bestimmten Teilen auf sich, ich von anderen."

Der Vorteil: So können mehrere Dinge gleichzeitig ausprobiert und anschließend verglichen werden. "Das funktioniert ganz gut", schätzt Espargaro ein. "Wir probieren verschiedene Dinge und gehen dabei in verschiedene Richtungen. Am Freitag in Mugello testete Espargaro beispielsweise das alte Chassis mit einigen Änderungen sowie neue Geometrie-Lösungen, Smith die neue Version und einen neuen Schwingarm. Am Samstag hat das Team die besten Ergebnisse vermischt und siehe da - Espargaro fehlten im ersten Qualifying nur 0.882 Sekunden auf den schnellsten Johann Zarco.

Wenn Bradley (Smith) und ich nicht zusammenarbeiten würden, hätten wir gar nichts.
Pol Espargaro

"Ich habe mich da verbessert - und muss dafür auch Bradley danken, denn seine Arbeit war sehr gut", fasst Espargaro zusammen. Bei so vielen freundlichen Worten ist es kein Wunder, dass das Teamwork bei KTM so gut funktioniert.


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