MotoGP - Ducati verwirft Hammerhai-Verkleidung: Zu extrem

Nur noch ein Update für Lorenzo und Dovizioso verfügbar

Ducati muss einen Rückschlag im Aerodynamik-Wettrüsten hinnehmen. Die radikale Verkleidung aus den Wintertests wird nie in einem Rennen zum Einsatz kommen.
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Motorsport-Magazin.com - In den vergangenen Saisons mauserte sich Ducati zum Krösus der MotoGP-Aerodynamik. Als erster Hersteller setzte man auf Winglets an der Maschine, bis zum Verbot dieser Flügel mit Saisonende 2016 galt das Konzept der Italiener als das mit Abstand ausgereifteste in der Königsklasse. Für das Jahr 2017 mussten die Hersteller durch das Winglet-Verbot auf neue Ideen zurückgreifen, die Lösung hieß innenliegende Winglets. Die aerodynamischen Elemente wurden nun also an die Innenseite der der Verkleidung verlegt, womit die Verletzungsgefahr durch abstehende Teile gebannt war.

Ducati geht radikalsten Weg

Auch in dieser neuen Ära sorgte Ducati für das größte Aufsehen. Während die Verkleidungen der anderen Hersteller relativ konventionell ausfielen, durchlöcherte man die Front der Desmosedici mit zwei riesigen Öffnungen, die Anpressdruck generierten. Der 'Hammerhai' war geboren. Diese Lösung kam erstmal bei den letzten offiziellen Wintertests in Katar zum Einsatz, dann auch noch bei privaten Testfahrten wenig später in Jerez.

Die Verkleidung die wir bei den offiziellen Tests in Katar und bei den privaten Tests hier in Jerez im Einsatz hatten wird nie im Rennen zum Einsatz kommen.
Paolo Ciabatti

Am vergangenen Rennwochenende in Jerez, wo etwa Aprilia, Suzuki oder Yamaha zumindest teilweise mit ihren innenliegenden Winglets unterwegs waren, bekam man den 'Hammerhai' aber nicht zu Gesicht. Und das wird in Zukunft auch so bleiben, wie Ducati-Sportdirektor Paolo Ciabatti am Sonntag verriet: "Die Verkleidung die wir bei den offiziellen Tests in Katar und bei den privaten Tests hier in Jerez im Einsatz hatten wird nie im Rennen zum Einsatz kommen. Nach dem Privattest in Jerez haben wir beschlossen, dass diese Form zu extrem ist."

Negative Aspekte überwiegen für Ducati

"Unser Ziel war es, die Winglets bestmöglich zu ersetzen. Mit dieser Verkleidung haben wir aber einfach zu viel Topspeed verloren. Die negativen Aspekte haben überwogen", musste Ciabatti eingestehen. Dass die Ducati-Verkleidung deutlich mehr Luftwiderstand als die Versionen der Konkurrenz generieren, war von Anfang an klar. Es wurde allerdings vermutet, dass dies aufgrund der überlegenen Motorleistung der Desmosedici zu verkraften war. Das dürfte nun widerlegt worden sein.

Ducati muss vorerst mit einer Verkleidung auskommen - Foto: Ducati

Ducati muss nun also bei der Entwicklung einer Winglet-Verkleidung von neuem beginnen. Und dieser Versuch muss sitzen. Denn im Gegensatz zur Vergangenheit können nicht mehr beliebig viele Updates in einer Saison gebracht werden. Zwei Versionen durften vor dem Saisonstart in Katar homologiert werden, bei Ducati waren das die aktuell verwendete und der 'Hammerhai'. Der wurde nun eben verworfen und nun steht laut Reglement nur noch ein Update 2017 zur Verfügung.

Ciabatti trauert Winglet-Ära bei Ducati nach

"Wir arbeiten jetzt an einer anderen Lösung und müssen sicher gehen, dass diese funktioniert. Wir dürfen diese Chance nicht verschenken", ist sich Ciabatti dem Ernst der Lage bewusst. "Mit den Winglets war es einfacher, weil wir sie in unterschiedlicher Anzahl, Form und an verschiedenen Positionen montieren konnte. Das geht jetzt leider nicht mehr." Wann die neue Verkleidung ihr Debüt geben wird, ließ Ciabatti offen. Er hielt aber fest, dass sie wohl nur auf ein paar Strecken zum Einsatz kommen wird, nicht auf allen.


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