MotoGP - Brennpunkt letzte Kurve: Die Taktik der Stars

So gehen die MotoGP-Stars in die entscheidende Passage

Jerez, letzte Kurve: Hier kracht es regelmäßig. Valentino Rossi, Maverick Vinales und Co. haben sich schon eine Taktik für den Rennsonntag zurechtgelegt.
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Motorsport-Magazin.com - Mick Doohan gegen Alex Criville 1996, Valentino Rossi gegen Sete Gibernau 2005, Marc Marquez gegen Jorge Lorenzo 2013 - Turn 13, die letzte Kurve von Jerez sorgt in regelmäßigen Abständen für Zündstoff. Auch am Sonntag könnte es dort wieder zu einer Kollision kommen. Die Spitzenpiloten der MotoGP wissen das genau, Taktik ist in dieser Situation alles.

Am besten wäre es, mit zwei bis drei Sekunden Vorsprung dorthin zu kommen.
Valentino Rossi

"Am besten wäre es, mit zwei bis drei Sekunden Vorsprung dorthin zu kommen", schilderte Valentino Rossi, der hier einst Sete Gibernau im Kampf um den Sieg ins Kiesbett beförderte, am Donnerstag lachend sein Wunschszenario. "Die Fahrer anderen Fahrer hier sind in einer letzten Kurve nämlich alle schwer zu überholen", meinte er mit Blick auf die in der Pressekonferenz neben ihm sitzenden Herren Marquez, Vinales, Pedrosa, Lorenzo und Crutchlow. "In dieser Kurve ist es generell nicht leicht, denn man kommt mit relativ hoher Geschwindigkeit dorthin, die Strecke ist recht schmal und die Kurve dann sehr eng. Aus irgendeinem Grund hat es in den letzten Jahren aber trotzdem immer großartige Kämpfe dort gegeben."

Vinales will nur die Kurve kriegen

Yamaha-Neuling Maverick Vinales war im Gegensatz zu Rossi, Lorenzo und Marquez noch nie in einen Clash an dieser Stelle verwickelt. "Ich bin hier der Neue", stellte er folgerichtig fest. Vinales kennt aber dennoch die Tücken von Turn 13: "Es ist schwer, zu überholen, denn die Chance, dass man am Kurvenausgang eine weite Linie geht, ist groß. Dann kann einen der andere Fahrer einfach ausbeschleunigen." Für den Fall, dass er in Führung liegend zur letzten Kurve kommt, weiß der Sieger der ersten beiden Saisonrennen aber, wie er die Oberhand behalten will: "Man muss die Türe sehr gut zumachen, so spät wie möglich bremsen und versuchen, die Kurve irgendwie zu kriegen."

Die Türe zuzumachen verabsäumte 2013 Jorge Lorenzo, was den damaligen Rookie Marc Marquez zu bewog, innen hineinzustechen. Der Ausgang ist bekannt: Marquez ging an Lorenzo vorbei, was ihm damals nach drei Rennen sowohl die WM-Führung als auch den Zorn Lorenzos einbrachte, dessen Namen die Kurve zu diesem Zeitpunkt erst seit drei Tagen trug. "In dieser Kurve ist sowohl das Überholen, als auch das Verteidigen schwer", weiß Marquez heute. "Ich bin aber auf jeden Fall zufrieden, wenn ich dort im Kampf um den Sieg ankomme, denn dann heißt das, dass ich auf einem guten Level bin."

2013 stellte sich Marquez bei Lorenzo standesgemäß vor - Foto: Milagro

Lorenzo sieht Rossi und Marquez als größte Gefahren

Lorenzo dürfte seither Videomaterial aus 'seiner' Kurve aufmerksam studiert haben und weiß genau, mit welchen Fahrern er dort nicht in ein Duell verwickelt sein will. "Valentino und Marc sind beide sehr gut auf der Bremse", stellt er in der Pressekonferenz am Donnerstag fest. "Marc ist in dieser Kurve vielleicht noch unangenehmer, weil er jünger ist und weniger Angst vorm Stürzen hat." Lorenzo wandte sich nach dieser Aussage sofort in Richtung Marquez: "Wobei, so jung bist du ja gar nicht mehr. 24. Ein bisschen hast du dich sicher schon geändert." Der Repsol-Honda-Pilot konterte mit seinem typischen schelmischen Grinsen: "Aber wirklich nur ein bisschen." Lorenzo holte sich daraufhin selbst in die Realität zurück: "Ich mache mir darüber im Moment ohnehin keine Sorgen, denn ich bin weit von der Spitze entfernt. Vielleicht hat am Sonntag Maverick das Problem." Lachen bei Vinales und Marquez. Am Sonntag könnte daraus aber bitterer Ernst werden.


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