MotoGP - Rossis unbekannter Lehrmeister aus Fernost

Als der junge Valentino das Rennfahren lernte

Valentino Rossi ist mittlerweile selbst zum Mentor vieler Piloten geworden. Weniger bekannt ist aber, dass er einst von den Tipps eines Japaners profitierte.
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Motorsport-Magazin.com - Er gilt als der vielleicht kompletteste Motorradfahrer in der Geschichte des Sports. Aber auch Valentino Rossi wurde nicht als perfekter Racer geboren. Wie alle anderen Fahrer durchlief er eine normale Entwicklung. Und der brachte sich nicht alles selbst bei. Natürlich gab ihm Papa Graziano eine Menge Tipps, doch noch mehr lernte der junge Rossi von einem Fahrer, den man eigentlich nicht mit der Nummer 46 in Verbindung bringt: Haruchika Aoki.

Rossi und Aoki lernten sich 1995, als der Japaner zusammen mit seinen älteren Brüdern Nobuatsu und Takuma in Italien lebte, über einen gemeinsamen Freund kennen. Rossi fuhr zu dieser Zeit noch in der 125ccm-Europameisterschaft, Aoki holte in diesem Jahr seinen ersten von zwei Weltmeistertiteln bei den 125ern. An einigen Rennwochenenden fuhr die EM im Rahmen der Motorrad-WM und Aoki nahm Rossi unter seine Fittiche.

Haruchika Aoki dominierte die 125ccm-Saisons 1995 und 1996 - Foto: Milagro

Rossi: Aoki unheimlich wichtig für mich

"Vale war ein lustiger und sehr netter Kerl. Also habe ich ihn gut behandelt", erklärt Aoki. "Ich habe ihm Tipps gegeben, wie er gute Überholmanöver setzen kann und ein Rennen richtig plant." Rossi ist seinem Lehrmeister mehr als zwei Jahrzehnten immer noch dankbar dafür: "Haruchika war zu Beginn meiner Karriere unheimlich wichtig für mich. Er war ein so cleverer Fahrer, schlau wie ein Fuchs. Haruchika hatte ein hervorragendes Timing, war in den letzten Runden extrem stark und nur ganz schwer zu schlagen. Er hat mir immer sehr gute Ratschläge gegeben."

Haruchika war ein so cleverer Fahrer, schlau wie ein Fuchs.
Valentino Rossi

1996 stieg Rossi in die Weltmeisterschaft auf und war somit fortan direkter Gegner von Aoki. Die Lehrer-Schüler Beziehung des ungewöhnlichen Duos blieb aber weiter bestehen. "Vale hat mich oft in den Trainings und teilweise sogar im Rennen verfolgt. Er wollte sehen, wie ich meine Rundenzeiten erziele und wie ich meine Rennen entwickle", vermutet Aoki. Rossis Wissensdurst nahm teilweise sogar bizarre Züge an: "Ich erinnere mich an ein kurioses Rennen 1996, in dem Valentino immer in meiner Nähe blieb. Wenn ich jemanden überholt habe, hat er das auch gemacht. Wenn ich zurückgefallen bin, hat er sich auch zurückfallen lassen. So wollte er wohl meine Methodik im Rennen lernen."

1997 wurde Rossi selbst 125ccm-Weltmeister - Foto: Milagro

Die Wege der beiden Freunde kreuzten sich in der Folge noch mehrere Male. Nach seinem zweiten 125ccm-Weltmeistertitel stieg Aoki 1997 in die 250er-Klasse auf, Rossi folgte ihm ebenfalls mit dem WM-Titel im Gepäck ein Jahr später dorthin. 2001 bestritten sie ihre letzte gemeinsame Saison in der Königsklasse. Im Folgejahr beendete Aoki mit nur 26 Jahren seine Karriere in der Motorrad-Weltmeisterschaft. An seine großen Erfolge aus der kleinsten Klasse konnte er bei den 250er und 500ern nie mehr anschließen. Dort gelang ihm mit Platz drei 1998 beim 250ccm-Rennen in Assen nur noch eine Podiumsplatzierung.

Nach seiner Karriere in der Motorrad-WM fuhr Aoki in Japan Autorennen. 2016 packte ihn aber wieder das Zweiradvirus und er startete noch einmal in der japanischen 250ccm-Meisterschaft.


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