MotoGP - Honda steckt in der Motoren-Misere - schon wieder

Marquez, Pedrosa und Co. zwischen zwei Konzepten

Das Triebwerk seiner MotoGP-Maschine wird für Honda einmal mehr zur größten Baustelle. Daran wird sich bis Katar nichts ändern.
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Motorsport-Magazin.com - Die Geschichte wiederholt sich. Vor genau einem Jahr hatte Honda bei den MotoGP-Testfahrten in Sepang mit gewaltigen Problemen am Motor zu kämpfen. Zu aggressiv war das neue Triebwerk, was Marc Marquez und Konsorten mächtig zu schaffen machte. Die Probleme zogen sich bis weit in die Saison hinein und es ist wohl nur dem außergewöhnlichen Talent Marquez' sowie unnötigen Eigenfehlern von Valentino Rossi und Jorge Lorenzo zu verdanken, dass der Fahrertitel am Ende des Jahres doch an Honda ging.

Honda-Dilemma: Big Bang oder Screamer?

Nun sind es noch rund anderthalb Monate bis zum Saisonauftakt 2017 und aus dem Honda-Lager hört man wieder von einer großen Baustelle: dem Motor. Lediglich die Probleme damit gestalten sich etwas anders. Honda reagierte auf die Schwierigkeiten im Vorjahr und experimentiert aktuell mit einer neuen Motoren-Variante im 'Big-Bang-Stil', bei dem die Zündreihenfolge im Gegensatz zum bisher eingesetzten 'Screamer' ungleichmäßig ist. Davon erhofft man sich - unter anderem - bessere Fahrbarkeit. Allerdings ist alles andere als sicher, ob dieses neue Konzept bis zum Saisonstart Ende März in Katar soweit entwickelt ist, dass man damit das ganze Jahr bestreiten kann. Denn die Motoren werden ja vor dem Katar-GP versiegelt, eine Weiterentwicklung ist dann nicht mehr möglich.

Hier präsentieren Marquez und Pedrosa ihr neues Bike: (01:48 Min.)

"Wir haben in Sepang zwei unterschiedliche Motoren getestet, die verschiedene Charakteristiken aufweisen. Einer ist dem letztjährigen Modell recht ähnlich, der andere ist eine völlig neue Version", bestätigte Marquez im Rahmen der Repsol-Honda-Teampräsentation vergangene Woche in Indonesien gegenüber 'Crash.net'. Der amtierende MotoGP-Weltmeister zeigte sich vom neuen Motor durchaus angetan: "Bei niedrigen Drehzahlen ist der neue Motor etwas angenehmer zu fahren und wir sind auf den Geraden damit ein bisschen schneller. Er funktioniert aber noch nicht perfekt und wir haben aber immer noch Probleme am Kurvenausgang. Da fehlt es uns an Grip, also können wir das Potenzial des Motors noch nicht wirklich herausfinden."

Wir müssen ein total anderes Mapping erarbeiten. Die bisherigen funktionieren da überhaupt nicht.
Marc Marquez

Den Grund für den mangelnden Grip ortet Marquez in der Elektronikkonfiguration. Das neue Triebwerk erfordere hier eine völlige Umstellung des Setups. "Wir müssen ein total anderes Mapping erarbeiten. Die bisherigen funktionieren da überhaupt nicht", gestand Marquez in Sepang. "Jetzt wissen wir zumindest, wo das Problem liegt, aber es zu lösen, wird nicht einfach. Wir können nur herumprobieren und versuchen, die Schwachstellen zu korrigieren."

Sepang: Erste Impressionen von Marquez und Pedrosa: (00:51 Min.)

Das wird einige Zeit in Ansprung nehmen. Vor allem ist nicht garantiert, dass ein Motor, dessen Elektroniksetup auf der extrem weiten Strecke in Sepang funktioniert, auch auf anderen Kursen die gewünschte Performance bietet. "Mit den Informationen, die wir bisher gesammelt haben, sieht es so aus, als würde der neue Motor etwas besser funktionieren - zumindest auf dieser Strecke. Wir müssen abwarten, wie die unterschiedlichen Charakteristiken beim nächsten Test auf Phillip Island funktionieren", mahnt auch Marquez.

Honda entscheidet erst nach Katar-Test

Es ist also aktuell alles andere als fix, dass Honda die MotoGP-Saison 2017 mit dem neuen 'Big-Bang-Konzept' bestreitet. Marquez und Dani Pedrosa, aber auch die Honda-Kundenpiloten wie Cal Crutchlow werden an den verbleibenden sechs Testtagen auf Phillip Island und in Katar mit beiden Versionen experimentieren. Eine Entscheidung wird erst nach dem letzten Test getroffen. Das stellte Marquez bereits klar. Ich bin am Dienstag den neuen Motor gefahren und am Mittwoch wieder den alten. Der ständige Wechsel macht die Arbeit für die Honda-Fahrer zusätzlich kompliziert, wie Crutchlow erklärt: "In Sepang war es für mich schwierig, mich umzustellen, weil die Charakteristik doch sehr unterschiedlich ist." Vor Optimismus sprüht der zweifache Saisonsieger 2016 bei LCR Honda nicht gerade. "Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Ich glaube, dass wir aktuell etwas im Hintertreffen sind."

Wenn Honda dann nach den Katar-Tests vom 10. bis 12. März seine Entscheidung getroffen hat, bleiben noch exakt neun Tage bis zum Mittwoch vor dem Grand-Prix-Wochenende im Wüstenstaat, an dem die Motoren-Versiegelung stattfindet. Neun Tage also, um 35 Motoren - je sieben Stück für die Werkspiloten Marc Marquez und Dani Pedrosa sowie die Satellitenfahrer Cal Crutchlow bei LCR und Jack Miller beziehungsweise Tito Rabat bei Marc VDS - aufzubauen.

MotoGP Extrem - Marc Marquez auf Schnee: (01:45 Min.)


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