MotoGP - Valencia-Test: Folger & Co. im Rookie-Check

Folger als bester Rookie in den Top-10

In Valencia kamen die MotoGP-Rookies zum ersten Mal auf ihre Kosten. Jonas Folger setzte sich gegen die Konkurrenz durch und wurde bester Rookie. Der Check:
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Motorsport-Magazin.com - Den ersten Schritt in ihre MotoGP-Karriere haben Jonas Folger, Johann Zarco, Alex Rins und Sam Lowes hinter sich. Alle vier haben die Testfahrten in Valencia unmittelbar nach dem Saisonfinale 2016 beendet, manche erfolgreich, manche weniger erfolgreich. Motorsport-Magazin.com blickt auf das Debüt der Rookies zurück:

Jonas Folger

Aus deutscher Sicht hätten die Testfahrten in Valencia kaum besser enden können. Jonas Folger zeigte sich bei seinem Debüt auf der Tech3-Yamaha stark und beendete beide Test-Tage als bester Rookie. Die Konkurrenz in Form von Teamkollege Johann Zarco schlief jedoch auch nicht, der Franzose holte sich an beiden Tagen den Platz unmittelbar hinter Folger. "Es war insgesamt betrachtet ein sehr erfolgreicher Test und wir können glücklich sein mit dem, was wir an diesen zwei Tagen erreicht haben", erklärt der Tech3-Pilot zufrieden.

Auf jeden Fall muss ich meinen Fahrstil in Bezug auf abbauende und bereits gebrauchte Reifen noch anpassen.
Jonas Folger

Ein Aufwärtstrend ließ sich bei Folger sowohl in den Rundenzeiten, als auch in Sachen Platzierungen deutlich erkennen. Seinen Debüt-Tag beendete der Deutsche auf Rang 16, mit 1.520 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit von Maverick Vinales. Am Mittwoch waren es nach Ablauf der sieben Stunden nur noch 0.973 Sekunden Rückstand auf Vinales. Innerhalb eines Tages drückte Folger seine Bestzeit damit von einer 1:32.450 auf 1:30.948. Das macht eine Zeitdifferenz von über anderthalb Sekunden.

Ebenfalls bedeutend: An Tag zwei war Folger nicht nur der einzige Rookie in den Top-10, sondern schaffte es auch als einziger Neueinsteiger, weniger als eine Sekunde Rückstand auf die Bestzeit einzufahren. Teamkollege Zarco auf Platz elf gelang es mit 1.040 Sekunden nicht. Trotz der guten Arbeit an den ersten Tagen sieht Folger aber reichlich Arbeit vor sich. "Auf jeden Fall muss ich meinen Fahrstil in Bezug auf abbauende und bereits gebrauchte Reifen noch anpassen", erklärt er. "Dank der guten Bedingungen konnten wir aber viele Runden zurücklegen. Es war ein langer Tag, an dem wir aber eine große Menge an Daten sammeln konnten, die wir auch brauchten." Insgesamt spulte Folger an seinem MotoGP-Debüt 115 Runden ab, 52 an Tag eins und weitere 63 Runden am zweiten Tag.

Johann Zarco

Moto2-Weltmeister Johann Zarco musste sich in seiner bisher kurzen MotoGP-Karriere gegen Teamkollege Folger geschlagen geben. Auch wenn der Rückstand des Franzosen nicht besonders groß ist. An Tag eins landete Zarco auf Platz 17 in der Gesamtwertung, am Folgetag verbesserte er sich auf Rang elf. An beiden Tagen blieb er aber über eine Sekunde hinter der Bestzeit zurück, von Tag eins auf zwei drückte Zarco seine Zeit um 1.447 Sekunden.

Ins Schwärmen bringt den Tech3-Piloten allerdings das Kurvenverhalten der Yamaha M1: "In den Kurven ist mit dem MotoGP-Bike viel mehr möglich. Man hat mehr Power und kann das Gas in der Kurve weiter öffnen. Außerdem kann man stärker in die Kurve bremsen", erklärt Zarco begeistert.

Alles ist schwerer als gedacht.
Johann Zarco

Fest stand nach Tag eins für den Franzosen aber auch, dass es noch viel zu lernen gibt. "Alles ist schwerer als gedacht." Und das obwohl Zarco in Japan bereits Erfahrungen mit den MotoGP-Raketengesammelt hat. "Motegi ist eine meiner stärksten Strecken. Ich konnte mich dort besser anpassen", rätselt Zarco. "Außerdem ist Valencia für die MotoGP eine schwierige Strecke, deshalb hatte ich mehr Probleme." Die Devise des Franzosen ist deshalb, ruhig zu bleiben und alle Herausforderungen Schritt für Schritt zu meistern. "Ich bin nun mal ein ruhiger Typ", erklärt Zarco.

Sam Lowes

Mit weniger Erfolg und Glück startete Sam Lowes in seine MotoGP-Karriere. Den ersten Testtag beendete der frischgebackene Aprilia-Pilot auf Rang 24, nur vor Suzuki-Testfahrer Takuya Tsuda und Moto3-Pilot Francesco Bagnaia, der nach einer gewonnenen Wette mit seinem Team die Aspar-Maschine für ein paar Runden ausprobieren durfte. Grund dafür war Lowes-typisch natürlich ein Crash. Gegen Ende des ersten Tages erwischte es Lowes in Kurve zehn, danach schickte ihn sein Team ins Krankenhaus. Ernsthafte Verletzungen zog sich Lowes zwar nicht zu, den kommenden Tag konnte der Brite aber nur aus der Box verfolgen.

An Tag zwei musste Sam Lowes aussetzen - Foto: Tobias Linke

Mit einer 1:33.359 als beste Rundenzeit fehlen Lowes 2.429 Sekunden auf Vinales' Bestzeit von Tag eins. Da dieser am Mittwoch als Einziger sogar in die 1:29er-Zeiten fuhr, hängt Lowes am Ende der Tests sogar 3.384 Sekunden hinterher. Die guten Nachrichten jedoch: An Tag eins fehlten Lowes nach seinem Crash auf die Bestzeit von Teamkollege und Routinier Aleix Espargaro nur 1.182 Sekunden.

Alex Rins

Wir haben heute schon ein bisschen Elektronik wie Anti-Wheelie und Traktionskontrolle verwendet.
Alex Rins

Ein bisschen länger als Lowes hielt es Alex Rins bei seinem MotoGP-Debüt auf der Strecke. Den ersten Tag beendete der Suzuki-Pilot auf Rang 21 in der Gesamtwertung, mit einer Bestzeit von 1:32.811 und 1.881 Sekunden Rückstand auf Vinales an der Spitze. Damit war er nach Folger und Zarco immerhin der drittbeste Rookie des Debüts. Ähnlich wie Lowes erwischte es Rins an Tag zwei kurz nach Session-Start in Kurve zwölf. Die Suzuki wurde stark lädiert und auch Rins verschaffte dieser Crash einen Ausflug ins Clinica Mobile. Obwohl der Suzuki-Pilot bei Bewusstsein war, lieferte man ihn in ein nahegelegenes Krankenhaus. Dort folgte die Diagnose Wirbel-Verletzung. Damit fällt Rins laut den Ärzten für den kommenden Monat aus.

Alex Rins landete im Krankenhaus - Foto: Tobias Linke

Ein tatsächlicher Vergleich mit der Konkurrenz kann für Rins also nur am ersten Testtag gezogen werden. Nach einem halben Tag musste der Spanier bereits herausfinden, was für ein anderes Kaliber die MotoGP-Maschinen sind. "Als ich in die Mittagspause gegangen bin, war ich total kaputt", lachte Rins nach Tag eins noch. "Diese Bikes haben so viel Power." Nach der ersten Mittagspause als MotoGP-Pilot gewöhnte sich Rins aber an die Kraft seines neuen Arbeitsgeräts. "Ich bin dann flüssiger gefahren und habe damit weniger Kraft verbraucht." Geschadet haben die Fortschritte in der Elektronik aber sicher auch nicht, wie Rins verriet. "Wir haben heute schon ein bisschen Elektronik wie Anti-Wheelie und Traktionskontrolle verwendet. "


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