Analyse Japan-GP: So kam es zum Yamaha-Debakel - MotoGP - Motorsport-Magazin.com

MotoGP - Analyse Japan-GP: So kam es zum Yamaha-Debakel

Rossi und Lorenzo übertreiben es auf dem Twin Ring Motegi

Marc Marquez holt beim Japan-GP Sieg und Titel - die ultimative Klatsche für Yamaha. Wir analysieren, was Rossi und Lorenzo in Motegi falsch machten.
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Motorsport-Magazin.com - Es war vor dem Rennen ein nur allzu unwahrscheinliches, wenn auch mögliches Szenario: Marc Marquez gewinnt und sichert sich den Titel, weil sowohl Valentino Rossi als auch Jorge Lorenzo patzen. Doch genau so sollte es letztlich kommen. Rossi und Lorenzo werfen ihr Rennen und ihre letzte Titelchance ins Kiesbett des Twin Ring Motegi und Marquez beschert Honda auf dessen eigener Strecke den totalen Triumph. Wieso es dazu kam, zeigen wir in unserer Renn-Analyse:

Marc Marquez - MotoGP-Weltmeister 2016: (01:09 Min.)

Rossi und Lorenzo beim Japan-GP nie ganz auf Marquez' Pace

Marc Marquez ging schon mit einer leichten Favoritenstellung in den Japan-GP. Ein Blick auf die Longrun-Pace im vierten Freien Training und im Warm Up verdeutlich, warum. Im Schnitt der sieben schnellsten Runden im FP4 nahm der Repsol-Honda-Pilot seinen Yamaha-Kollegen eine halbe Zehntel (Lorenzo) bzw. zwei Zehntel (Rossi) ab. Noch deutlicher war der Unterschied im Warm Up: Hier war Marquez im Longrun durchschnittlich fast eine halbe Sekunde schneller als Rossi, Lorenzo büßte im Schnitt gar acht Zehntel auf Marquez ein.

Auch im Rennen hatte Marquez die beste Pace des Spitzentrios. Betrachtet man den Zeitraum von Runde zwei bis Runde sechs (Rossi stürzte in Runde sieben, daher ist nur für diese Umläufe ein Vergleich möglich), so fällt auf, dass Marquez im Schnitt eineinhalb Zehntel pro Runde schneller fahren konnte als Rossi. Lorenzo verlor gar drei Zehntel pro Runde auf den Repsol-Honda-Pilot. Unterm Strich bedeutet das: Um Marquez davon abzuhalten, das Rennen zu gewinnen, mussten Rossi und Lorenzo übers Limit gehen.

FahrerSchnitt Top-7- Runden FP4Schnitt Top-5-Runden Warm UpSchnitt Renn-Runde 2 bis Renn-Runde 6
Marc Marquez1:45.6001:45.5231:45.802
Valentino Rossi1:45.7971:45.9941:45.938
Jorge Lorenzo1:45.6531:46.3441:46.110

Das war auch Rossi klar, er jagte Marquez verzweifelt, als er in der siebten Runde in der Haarnadel von Kurve zehn die Kontrolle über die Front verlor: "Ich habe hart gepusht und wollte Marquez nicht entwischen lassen. Meine Pace war nicht viel langsamer als seine. Obwohl es nicht leicht geworden wäre, denke ich, ich hätte mit ihm noch bis zum Schluss kämpfen können", meinte Rossi nach dem Rennen. Ob dem wirklich so gewesen wäre, werden wir nie erfahren - schließlich ging Rossi einmal zu oft übers Limit.

Motegi: Dovizioso taktiert richtig und holt Lorenzo ein

Zum Zeitpunkt von Rossis Crash lag Lorenzo bereits 1,5 Sekunden hinter Marquez und war darauf bedacht, den zweiten Platz abzusichern. Doch daran scheiterte der Mallorquiner. Denn die Verfolger, angeführt von Andrea Dovizioso, kamen dem alten Weltmeister immer näher. Nach der zwölften Runde betrug der Abstand erstmals weniger als eine Sekunde, in Runde 15 war der Anschluss endgültig hergestellt. Wie sich herausstellen sollte, hatte Lorenzo für den Japan-GP genau die falsche Taktik gewählt. Denn er verschoss sein Pulver gleich zu Beginn und musste dafür mit zunehmender Renndauer büßen, wie auch das unten angefügte Zeiten-Diagramm zeigt.

Dovizioso dagegen hat seine Sache richtig gemacht - er hat sein Material anfangs geschont, um auch am Schluss noch attackieren zu können. Auch bei der Jagd nach Lorenzo achtete der Ducati-Pilot auf sein Material: "Ich habe versucht, Jorge zu kriegen, wollte dabei aber nicht zu viel Risiko gehen. Das Rennen war ja immer noch lang. Ich wollte Zehntel für Zehntel abknabbern, und als ich dann beschlossen habe, ihn anzugreifen, ist er gestürzt", erklärte der Ducati-Pilot. Auf dieselbe, erfolgsversprechende Taktik wie Dovizioso griff übrigens auch der Drittplatzierte, Maverick Vinales, zurück.

Lorenzo dagegen mutete seinen Reifen unter dem Druck Doviziosos zu viel zu und bezahlte dafür mit einem Sturz wenige Runden vor Schluss. "Ich hatte das gesamte Rennen über Probleme mit meinen Reifen. Es gab viele Vibrationen und spät bremsen war auch nicht drin, da ich Probleme hatte, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Ich habe gesehen, dass Dovizioso immer näher kommt, habe das Gas zu früh aufgemacht und dabei die Front verloren. Dann lag ich im Kiesbett", führte Lorenzo aus.

Fazit: Rossi und Lorenzo wollten einfach zu viel

All das zeigt nur, unter welch nervlicher Anspannung Rossi und Lorenzo im Rennen stehen mussten. Beide verfolgten ihre Ziele geradezu verzweifelt, denn Rossi wollte Marquez auf gar keinen Fall davonziehen lassen und Lorenzo war darauf aus, um jeden Preis den zweiten Platz zu halten. Doch beide übertrieben es dabei und stürzten. So brachten sie Marquez erst in die Position, den WM-Titel schon in Japan, auf Honda-Territorium, klarzumachen. Der nahm das Geschenk dankend an. Eine Doppelnull, die für Yamaha ohnehin schon schmerzlich genug war, wurde somit zum totalen Fiasko.


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