MotoGP - Rossi und Lorenzo out: So vergeigte Yamaha die WM

Die Titelkiller des Dream Teams

Valentino Rossi und Jorge Lorenzo sind aus dem WM-Rennen. Vom Top-Favoriten zum schwer Geschlagenen. Das waren Yamahas Titelkiller:
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Motorsport-Magazin.com - Yamaha hat die Weltmeisterschaft 2016 vergeigt. Als großer Favorit in die Saison gestartet, wurden die Titelhoffnungen am Sonntag endgültig im Kies von Motegi versenkt. Schon drei Rennen vor Schluss darf sich das Dream Team, das im Vorjahr alle drei WM-Titel gewinnen konnte, keine Hoffnungen mehr auf die Titelverteidigung in der Fahrer-WM machen. Auch die Chancen in der Hersteller- und Team-Wertung stehen nach der Nullnummer in Japan schlecht.

Rossi und Lorenzo fuhren Yamahas erste Doppel-Null seit Phillip Island 2010 ein. Beide stürzten am Sonntag jeweils auf Rang zwei liegend und ohne Fremdeinwirkung. "Ich hatte hier noch nicht mit dem Titelgewinn gerechnet", gab Weltmeister Marquez überrascht zu. "Es war sehr unwahrscheinlich, dass beide Fahrer hier Fehler begehen. Valentino hat sich vielleicht etwas zu sehr unter Druck gesetzt, mich einzuholen. Bei Jorge weiß ich es nicht."

Marc Marquez - MotoGP-Weltmeister 2016: (01:09 Min.)

Rossi: Sturz hat sich nicht angekündigt

Es hat sich nicht so angefühlt, als würde ich zu weit oder zu tief in die Kurve gehen.
Valentino Rossi

Die Yamaha-Asse selbst wurden von ihren plötzlichen Crashes ebenfalls überrascht. "Es hat sich nicht so angefühlt, als würde ich zu weit oder zu tief in die Kurve gehen. Und plötzlich habe ich die Front verloren. Es war daher mein Fehler", gab Rossi zu. Von Pole Position hatte er sich gute Chancen ausgerechnet, Marquez einige Punkte abnehmen zu können. Doch es kam anders.

"Es ist sehr schade, denn ich habe mich stark gefühlt und hatte eine gute Pace. Leider war schon mein Start nicht gut und ich bin hinter Marc und Jorge zurückgefallen. Ich habe danach hinter Lorenzo Zeit verloren, konnte danach aber anständig pushen auf der Jagd nach Marquez. Dann ist es leider passiert", analysierte Rossi nach seinem Ausfall in der siebenten Runde.

Lorenzo schießt über Limit hinaus

Etwas weniger überrascht von seinem Crash gab sich Teamkollege Lorenzo, für den das Rennen in der 20. Runde zu Ende war: "Es war mein Fehler. Ich habe versucht zu pushen - zu einem Zeitpunkt als das Motorrad nicht gut mit den Reifen gearbeitet hat", gestand der frisch entthronte Weltmeister. "Wir haben die falsche Auswahl beim Vorderreifen getroffen. Ich hatte von Beginn an kein gutes Gefühl, es gab Vibrationen und hat immer wieder blockiert."

Mit dem richtigen Vorderreifen hätte ich heute gewinnen können.
Jorge Lorenzo

"Als Dovizioso von hinten kam, musste ich pushen und dadurch bin ich letztlich zu Sturz gekommen. Mit dem richtigen Vorderreifen hätte ich heute gewinnen können. So waren wir leider machtlos", so Lorenzo. Es war bereits die vierte Null, die Lorenzo in dieser Saison anschreiben musste - so viele wie seit 2009 nicht mehr. Dabei stehen noch drei weitere Rennen auf dem Programm.

Zu viele Nullnummern

Auch Rossi setzte mit seinem Sturz einen neuen Negativrekord: Seit der Doktor in der Königsklasse fährt, hat er noch nie eine Saison mit vier Rennen punktelos beendet. Nur in den kleinen Kategorien musste er 1996 und 1998 jeweils fünf Rennen ohne Punkte beenden. Mit ein Grund, warum er im Titelrennen vorzeitig die Segel streichen musste.

Für Yamaha geht es in den kommenden drei Rennen immerhin noch um die Ehre in der Konstrukteurs- und Team-Wertung. Wobei man in der WM der Konstrukteure schon mit dem Rücken zur Wand steht. 28 Punkte liegt man bereits hinter Honda, denen man zuletzt am Red Bull Ring Zähler abnehmen konnte. Da in dieser Wertung nur das jeweils beste Motorrad eines Herstellers gewertet wird, kann Marquez Honda diesen Titel im Saisonfinish alleine sichern.

In der Teamwertung könnte die Aufgabe dank der Verletzung von Dani Pedrosa einfacher werden. Doch dort beträgt der Rückstand nun bereits 51 Punkte. Yamaha könnte am Ende mit leeren Händen da stehen, obwohl man das kompletteste Motorrad der Generation 2016 gebaut hat. Darum haben Rossi und Lorenzo den Titel vergeigt:

Das sind Yamahas Titelkiller

1. Stürze
Motegi stand stellvertretend für die Saison bei Yamaha, denn unterm Strich waren es Crashes, die Rossi und Lorenzo im Vergleich zu Marquez alt aussehen ließen. Lorenzo ging in Argentinien ohne Fremdverschulden zu Boden und wurde in Barcelona von Andrea Iannone abgeräumt. Valentino Rossi legte seine Yamaha in Austin in den Kies und warf in Assen sogar in Führung liegend fix geglaubte 25 Punkte weg. In Motegi schließlich gingen beide Fahrer auf Podestkurs zu Boden. 2016 ließ man einfach zu viele Zähler am Streckenrand liegen.

Rossis Defekt in Mugello - Foto: Milagro

2. Defekte
Nobody is perfect, doch während Honda nicht einen einzigen technisch bedingten Ausfall zu beklagen hatte, beklagten Lorenzo und Rossi gleich mehrere. Schon in Austin war ein Problem mit der Kupplung schuld an Rossis schlechtem Start und in weiterer Folge mit Schuld am Sturz. Der Tiefpunkt wurde aber in Mugello erreicht, als im Warmup Jorge Lorenzo der Motor um die Ohren flog und im Rennen auch jener von Rossi - inklusive der Höchststrafe: in Führung liegend vor heimischem Publikum out. Weitere 25 WM-Punkte, die sich in Rauch ausflösten.

3. Interner Streit
Spätestens seit dem emotionalen Saisonfinale 2015 war das Klima zwischen Rossi und Lorenzo wieder vergiftet. Hinzu kam, dass Yamaha die Vertragsverlängerung mit dem Vizeweltmeister bereits vor dem ersten Rennen verkündete. In den Augen des Weltmeisters ein Affront, da Lorenzo zu diesem Zeitpunkt noch mitten in Verhandlungen steckte. Als dieser dann auch noch seinen Abgang zu Ducati verkündete, wurde der verbale Schlagabtausch der beiden Alphatiere immer härter. Seinen Höhepunkt fand die Auseinandersetzung in der Pressekonferenz nach dem Rennen in Misano, als sich Rossi und Lorenzo vor den Augen der Weltöffentlichkeit zankten. Bislang letzter Akt: Yamahas Verbot für einen privaten Ducati-Test von Lorenzo Ende November.

4. Kein Durchblick im Regen
Auch wenn er es öffentlich stets leugnet: Jorge Lorenzo ist auf nasser Strecke mindestens zwei Klassen schwächer als im Trockenen. Das ist in einer Saison mit vielen vom Regen beeinflussten Rennen doppelt bitter. Ausrutscher auf einem nassen Fleck in Argentinien, P10 beim unterbrochenen Rennen in Assen sowie die Plätze 15 und 17 im Flag-to-Flag-Chaos in Brünn. Aber auch der alte Fuchs Rossi behielt nicht immer den Durchblick und versenkte etwa seine Siegchance am Sachsenring durch einen viel zu späten Boxenstopp. Marquez hingegen stand bei allen vier vom Regen beeinflussten Rennen auf dem Podest.


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