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MotoGP - Assen: So lief es in den vergangenen Jahren

Tradition bei der TT

Die Dutch TT in Assen ist das älteste und traditionsreichste Rennen im Kalender. Seit 1949 ist sie Schauplatz von Dramen, Comebacks und besonderen Momenten.
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Motorsport-Magazin.com - Das Rennen in Assen fand bis 2015 als einziges Event im Kalender traditionell am Samstag statt. Aber nicht nur deshalb ist dieser Ort so besonders: Assen befindet sich seit 1949 ununterbrochen im Rennkalender der Motorrad WM und ist immer gut für historische Momente. Motorsport-Magazin.com schaut deshalb nochmal auf die Dutch TTs der letzten Jahre zurück:

Assen 2016: Wetter-Lotterie spült Jack Miller zum Sieg

Jack Miller holte 2016 in Assen seinen ersten MotoGP-Sieg - Foto: Tobias Linke

Das Wetter macht den Holland-GP 2016 zu einer wahren Lotterie. Am Start auf feuchter Strecke setzen sich Valentino Rossi und Andrea Dovizioso durch, doch schon in Runde 3 setzt sich Yonny Hernandez sensationell in Führung. In Runde 9 öffnet der Himmel wieder seine Schleusen. Wenige Umläufe später schüttet es derart, dass das Rennen trotz Flag-to-Flag-Regelung unterbrochen werden muss. Eine halbe Stunde später erfolgt der Neustart und wieder setzen sich zunächst Dovizioso und Rossi in Front. Die Anfangsphase wird zum Überlebenskampf: Dani Pedrosa, Cal Crutchlow, Dovizioso, Bradley Smith, Rossi und Aleix Espargaro stürzen allesamt. So führt zehn Runden vor Schluss plötzlich Marc Marquez vor Jack Miller. Miller jagt den Repsol-Honda-Piloten und geht schließlich neun Runden vor Schluss vorbei. Schnell baut sich Miller ein Sicherheitspolster auf, das Marquez nicht mehr schließen kann. Die Sensation ist perfekt, Miller siegt vor Marquez. Im Kampf um Platz drei kämpft Scott Redding Pol Espargaro in der vorletzten Runde nieder. Der WM-Stand nach acht Rennen: Marquez (145), Jorge Lorenzo (121), Rossi (103).

Assen 2015: Epische Siegesschlacht zwischen Rossi und Marquez

Unvergessen: Der Sieg-Zweikampf zwischen Rossi und Marquez 2015 - Foto: Tobias Linke

2015 beginnt in Assen die fast einjährige Dauerfehde zwischen Valentino Rossi und Marc Marquez. Die Beiden liefern sich eine kompromisslose Schlacht um den Rennsieg. Rossi versucht, dem restlichen Feld davonzuziehen. Nur Marquez kann der Doktor nicht abschütteln. Rossi und Marquez umrunden den TT Circuit im Formationsflug. Der Doktor übernimmt dabei die Führungsarbeit – bis Marquez sich sieben Runden vor dem Ende erstmals an die Spitze setzt. Danach steigen die Zeiten, beide belauern und beschnuppern sich. Drei Runden vor dem Ende übernimmt Rossi wieder das Zepter und versucht die entscheidende Flucht nach vorne. Doch wieder beißt sich Marquez an seinem Hinterrad fest. So muss die letzte Schikane für die Entscheidung herhalten. Beide bremsen auf der letzten Rille und kollidieren leicht! Das glücklichere Ende hat letztlich Rossi, der vor Marquez gewinnt. Einsamer Dritter wird Jorge Lorenzo, der nur in den Anfangsrunden mithalten konnte, vor Andrea Iannone. Lorenzo verliert dadurch in der WM wieder etwas Boden auf Rossi. Neuer Stand nach acht Rennen: 163:153. Iannone dahinter kommt als WM-Dritter auf 107 Punkte.

Assen 2014: Regenschauer? Marquez setzt Siegesserie fort!

Marquez schwamm sich 2014 zum achten Sieg im achten Rennen - Foto: Milagro

Auch ein Regenschauer, der für eine Startverschiebung sorgt, hält Marquez nicht auf. Der Spanier rast bei speziellen Wetterbedingungen zum achten Sieg im achten Rennen 2014. Auf wieder auftrocknender Strecke wechseln die Fahrer bereits nach fünf Runden wieder auf ihr Ersatzbike mit Slicks. Auf der Outlap sorgt Marquez selbst mit einem Verbremser für Spannung. Andrea Dovizioso schlüpft durch und führt lange Zeit das Rennen an. Zehn Runden vor Schluss kämpft sich Marquez zurück an die erste Position und braust zum Sieg vor Dovizioso. Ein sehenswertes Duell um Rang drei liefern sich Dani Pedrosa und Aleix Espargaro. Beide kämpfen Rad an Rad, bis Espargaro acht Runden vor Schluss die Pace von Pedrosa nicht mehr gehen kann. Pedrosa wird so sicherer Dritter vor Espargaro. Dahinter kämpft sich Rossi nach Start aus der Box bis auf Platz fünf vor. Stefan Bradl versinkt im Mittelfeld und wird letztlich Zehnter. In der Gesamtwertung baut Marquez weiter seinen Vorsprung aus, liegt mit dem Maximum von 200 Zählern deutlich vor Rossi und Pedrosa (beide 128).

Assen 2013: Rossis Wiederauferstehung und Lorenzos Heldentat

Rossis Sieg-Comeback sorgte 2013 für tosenden Jubel auf den Rängen - Foto: Yamaha Factory Racing

Die lange Sieg-Durststrecke von Rossi hat ein Ende gefunden. Der Doktor setzt sich in beeindruckender Manier durch. In Runde sechs fährt er an die Spitze und gibt diese von da an nicht mehr ab. Pedrosa und Marquez folgen ihm lange mit einigem Respektabstand. Zehn Runden vor Ende verliert Pedrosa immer mehr den Anschluss. Marquez geht an Pedrosa vorbei und einige Umläufe später auch der immer stärker aufkommende Cal Crutchlow. Crutchlow schließt im Anschluss noch die Lücke zu Marquez auf Platz zwei, verspielt aber mit einem Verbremser anfangs der letzten Runde alle Chancen auf einen Angriff. So gewinnt Rossi zum ersten Mal seit Malaysia 2010 vor Marquez, Crutchlow und Pedrosa. Der Held des Rennens ist allerdings Lorenzo auf Platz fünf: Donnerstag im Training Schlüsselbeinbruch, Freitag Operation, Samstag Start im Rennen von Rang zwölf und zwischenzeitlich sogar auf Position vier unterwegs! Hinter Lorenzo wird Bradl einsamer Sechster. Nach sieben Rennen ist es in der WM weiterhin eng. Pedrosa (136) bleibt nur knapp vor Lorenzo (127) und Marquez (113).

Assen 2012: Stoner nutzt Lorenzos Pech aus

2012 war Lorenzo erneut in einen Unfall in der ersten Runde verwickelt - Foto: Milagro

Die WM ist wieder neu eröffnet – Alvaro Bautista sei Dank! Der Spanier kegelt schon in der allerersten Kurve sich selbst und Lorenzo ins Aus. Die Repsol-Hondas von Pedrosa und Casey Stoner lassen sich nicht zweimal bitten, fahren sofort dem Feld auf und davon und machen den Rennsieg unter sich aus. Lange Zeit belauern sich die Beiden, bis neun Runden vor Schluss Stoner die Führung übernimmt und sofort einige Meter zwischen sich und Pedrosa legt. Das ist die Entscheidung. Stoner gewinnt letztlich souverän vor Pedrosa. Der Zweikampf um Platz drei zwischen Ben Spies und Dovizioso entscheidet sich dagegen erst in der letzten Runde pro Dovizioso. Crutchlow wird einsamer Fünfter, nachdem auch er von der folgenreichen Kollision der ersten Kurve betroffen war und über die Auslaufzone ausweichen musste. Bradl muss bereits in der zweiten Runde einen Ausfall auf Rang vier liegend nach einem Vorderradrutscher hinnehmen. Lorenzos Vorsprung in der WM ist aufgebraucht. Nach sieben Rennen führt er nun gemeinsam mit Stoner (140 Punkte) und knapp vor Pedrosa (121).

Assen 2011: Einziger MotoGP-Sieg für Ben Spies

Simoncelli und Lorenzo kollidieren 2011, Spies fährt davon - Foto: Thomas Börner

Pole-Setter Marco Simoncelli befeuert mit einem Zwischenfall in der ersten Runde erneut die Diskussionen um seine Fahrweise. Der Italiener stürzt auf noch kalten Reifen in Kurve fünf und reißt dabei Lorenzo mit ins Aus. Beide können die Fahrt wieder aufnehmen und retten als Sechster (Lorenzo) und Zehnter (Simoncelli) noch einige Punkte. Nach diesem Vorfall ist das Rennen allerdings entschieden: Spies führt schon nach einer Runde deutlich vor Stoner und Dovizioso und legt eine große Triumphfahrt zu seinem ersten und einzigen MotoGP-Sieg hin. Den Abstand baut Spies dabei auf zwischenzeitlich fünf Sekunden aus. Stoner stellt Rang zwei vor Dovizioso sicher, Rossi wird Vierter. Sein Duell mit Crutchlow entscheidet sich, als der Brite wegen eines zerstörten Vorderreifens die Box ansteuern muss. Crutchlow wird nach einem längeren Boxenaufenthalt noch 14. Hayden hält sich auf Position fünf vor dem stark aufkommenden Lorenzo. Stoner führt zwar die WM nach sieben Rennen mit 136 Punkten an, hätte Assen aber mit noch mehr Abstand auf Lorenzo (108) und Dovizioso (99) verlassen können.

Assen 2010: Lorenzo spielt mit den Gegnern

Katz und Maus spielte Lorenzo 2010 mit der Konkurrenz - Foto: Sutton

Vom Start weg diktiert Jorge Lorenzo das Rennen von der Spitze aus. Der Mallorquiner setzt sich dank Spies als "Straßensperre" hinter ihm um eine Sekunde von den Verfolgern ab. Pedrosa und Stoner kämpfen sich nach einigen Runden an Spies vorbei und schließen wieder zu Lorenzo auf. Gegen Rennmitte fährt der Yamaha-Pilot seinen Herausforderern endgültig davon, um einen dominanten Sieg zu feiern. Auch Platz zwei ist bald zugunsten von Pedrosa entschieden. Der Spanier setzt sich zusehends von Stoner ab. Spannung herrscht im Kampf um Rang vier: Dovizioso hat es ebenfalls vorbei an Spies geschafft, wird aber wieder vom Amerikaner ebenso eingeholt wie von De Puniet. Den Dreikampf entscheidet Spies wenige Runden vor dem Ende für sich, während Dovizioso erst in der letzten Schikane Position fünf nach einigen Rad-an-Rad-Duellen mit De Puniet sicherstellt. Wie auf der Strecke entwischt Lorenzo auch in der WM der Konkurrenz immer weiter. Nach vier Siegen in sechs Rennen hat er 140 Punkte auf dem Konto und führt vor dem Repsol-Honda-Duo Pedrosa (93) und Dovizioso (89).

Assen 2009: Der 100. Sieg des Doktors

Rossi knackte 2009 die magische 100er-Marke - Foto: Milagro

Die Positionen an der Spitze waren nach einer spektakulären ersten Runde früh bezogen. Rossi setzt sich zu Beginn schon von seinen Verfolgern Lorenzo, Stoner und Pedrosa ab. Für Repsol-Honda sollte es ein rabenschwarzer Tag werden: Sowohl Pedrosa, als auch kurze Zeit später Dovizioso stürzen in Kurve eins und scheiden aus. Vorne ist Rossis Führung nie in Gefahr. Lorenzo folgt ihm stets mit 1,5 bis zwei Sekunden Abstand und verliert hinten raus an Boden. Stoner fällt zurück und Edwards und Vermeulen fahren einsam auf den Rängen vier und fünf. Spannend ist der Kampf um Platz sechs. Hier setzt sich in der letzten Kurve James Toseland durch gegen Randy De Puniet, Nicky Hayden und Loris Capirossi, während Mika Kallio stürzt und Toni Elias durch den Kies muss. Rossi dagegen hat einen Meilenstein in seiner Karriere erreicht: den 100. Sieg! Dieser wird gebührend mit einem riesigen Poster, auf dem Fotos von allen bis dato 99 Siegen zu sehen sind, gefeiert. Auch der WM führt der Doktor nach sieben Rennen mit 131 Punkten vor Lorenzo (126) und Stoner (122).

Assen 2008: One-Man-Show von Casey Stoner

Der Konkurrenz ist Stoner 2008 schnell enteilt - Foto: Sutton

Gleich nach dem Start crasht Rossi im engen Infield und reißt dabei De Puniet mit in den Kies. Im Gegensatz zum Franzosen kann der Doktor das Rennen wieder aufnehmen und rettet als Elfter fünf Zähler. An der Spitze führt Stoner lediglich in der ersten Runde das Feld nicht an. Ab Umlauf zwei legt der Australier eine One-Man-Show hin und gewinnt in dominanter Manier. Hinter Stoner fahren die Pedrosa und Hayden im Formationsflug um den Kurs, schon bald kann Pedrosa aber davonziehen. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch hinter den Top-3: Dovizioso, Vermeulen und Nakano umrunden die Strecke lange Zeit im Dreierpulk. Edwards, der dem Unfall in der ersten Runde ausweichen musste, schließt von hinten mit schnellen Zeiten auf und kämpft sich an der Gruppe vorbei auf Rang vier. Noch in der letzten Schikane profitiert Edwards davon, dass Haydens Honda ausrollt, und steht somit noch als Dritter auf dem Podium. Hayden rollt knapp dahinter als Vierter ins Ziel. Zur WM-Halbzeit führt Pedrosa nach neun Rennen mit 171 Punkten die Gesamtwertung an, gefolgt von Rossi (167) und Stoner (142).


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