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MotoGP - Le Mans: So lief es in den vergangenen Jahren

Wetter-Roulette auf Französisch

Der französische Austragungsort Le Mans ist normal für Langstrecken-Klassiker bekannt. Die MotoGP lieferte sich bisweilen schon großartige Regenschlachten dort.
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Motorsport-Magazin.com - Beim Namen Le Mans kommt einem zunächst spontan das weltberühmte 24-Stunden-Rennen der Sportwagen in den Sinn. Das 24-Stunden-Pendant der Zweiräder ist ebenfalls gemeinhin bekannt. Aber auch die MotoGP heizt hier seit 2000 jährlich den französischen Zuschauern ein und steht den Langstrecken-Klassikern in nichts nach. Oft wirbelte Regen ganze Rennverläufe durcheinander, wie unser Rückblick zeigt:

Le Mans 2016: Lorenzo lässt nichts anbrennen

Von Anfang bis Ende vorne: Jorge Lorenzo 2016 - Foto: Yamaha

Jorge Lorenzo setzt sich von Pole aus sofort an die Spitze des Feldes und kontrolliert von dort aus das Rennen. Zusammen mit Andrea Dovizioso, Andrea Iannone und Marc Marquez setzt er sich zunächst leicht ab, während sich Valentino Rossi erst an die Spitze der Verfolgergruppe kämpfen muss. In Runde sechs übernimmt Iannone P2 von Dovizioso, er stürzt jedoch zwei Umläufe später. Gegen Rennhalbzeit kämpft sich Rossi an Dovizioso und Marquez vorbei, ehe sich beide per kuriosem Synchroncrash in Runde 16 aus dem Fight verabschieden. Danach sind die Top-3-Plätze bezogen: Lorenzo fährt einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg vor Rossi ein, den letzten Pokal nimmt Suzuki-Pilot Maverick Vinales mit. Damit feiern die Blauen das erste Podium seit dem tschechischen GP 2008 in Brünn. Marquez nimmt als 13. Noch drei Zähler mit, muss die WM-Führung aber trotzdem abgeben. Nach fünf Rennen liegt jetzt Lorenzo mit 90 Punkten vor Marquez (85) und Rossi (78).

Le Mans 2015: Rossi jagt Lorenzo vergeblich

Jorge Lorenzo fuhr 2015 zu schnell für die Konkurrenz - Foto: Monster

Schon am Start setzt sich Jorge Lorenzo in Führung. Gemeinsam mit den Ducatis von Andrea Dovizioso und Andrea Iannone setzt sich Lorenzo vom Rest ab. Marc Marquez hat die erste Kurve verpatzt und findet sich auf Position vier vor Valentino Rossi wieder. In Runde drei setzt Rossi sein erstes Manöver und geht an Marquez vorbei. Schon bald entsteht vorne ein Zug aus beiden Yamahas und beiden Ducatis. In Runde elf überholt Rossi Iannone, zwei Umläufe später ist auch Dovizioso fällig. Unterdessen macht Lorenzo vorne ernst und setzt sich ab. Rossi gibt alles, um die Lücke zu schließen, doch Lorenzo ist an diesem Tag zu stark und gewinnt vorm Doktor. Dovizioso fährt Platz drei nach Hause, Iannone jedoch fällt zurück und wird in der Schlussphase von Marquez und Bradley Smith eingeholt. Besonders zwischen Marquez und Iannone geht es in den Schlussrunden heiß her, am Ende setzt sich Marquez durch und wird Vierter vor Iannone und Smith. Auffällig sind zudem die vielen Stürze zu Rennbeginn, zu den Opfern zählen Dani Pedrosa und Stefan Bradl. Für die WM nach fünf Rennen bedeutet dieser Rennausgang: Rossi (102 Punkte) liegt nun 15 Zähler vor Lorenzo (87), Dovizioso (83) fällt zurück auf Platz drei.

Le Mans 2014: Marquez holt nach Aufholjagd den 5. Sieg in Folge

Marquez: Von Platz zehn aus unaufhaltsam zum fünften Sieg in Folge 2014 - Foto: Repsol

Nach einem neuen Pole-Rekord in der Qualifikation wird Marquez, der schlecht gestartet ist, in der ersten Runde von Lorenzo abgedrängt und fällt auf Rang zehn zurück. Vorne fährt das Quartett Dovizioso, Rossi, Bradl und Pol Espargaro dem Feld leicht davon. Dovizioso verliert wegen der weicheren Reifen in der Hitze schnell den Anschluss, auch Bradl kann nicht lange das Tempo der Spitze gehen. Dafür holt von hinten Marquez Platz um Platz auf, ist nach elf Runden schon wieder Zweiter. Zwei Runden später schenkt ihm Rossi mit einem Verbremser die Führung, von da an kontrolliert Marquez das Rennen bis ins Ziel. Er gewinnt am Ende ungefährdet vor Rossi. Auch Platz drei ist bald entschieden: Alvaro Bautista kämpft sich, ähnlich wie Marquez, aber weitaus unauffälliger, durchs Feld und nimmt Espargaro die dritte Position ab. Espargaro hat Vorsprung genug, um vor den aufkommenden Pedrosa und Lorenzo Vierter zu werden, dahinter wird Bradl Siebter. Nach dem fünften Sieg im fünften Rennen liegt Marquez in der WM mit 125 Punkten vorne und schon weit vor Pedrosa (83) und Rossi (81).

Le Mans 2013: Keiner kann Pedrosa das Wasser reichen

Pedrosa war im Regen 2013 eine Klasse für sich - Foto: Repsol Honda

Die Spitzengruppe kann man lange Zeit mit einem Handtuch abdecken. Dovizioso und Pedrosa erledigen vorne die Führungsarbeit, in ihrem Rücken befinden sich Lorenzo, Rossi, Crutchlow, Hayden und Bradl. Erst gegen Halbzeit kann sich Pedrosa an der Spitze auf nasser Strecke freischwimmen. Er baut seinen Vorsprung stetig aus und gewinnt souverän. Dahinter löst sich die Gruppe nach und nach auf: Lorenzo fällt zurück, dafür kommt Marc Marquez von hinten immer stärker auf. Rossi und Bradl stürzen elf Runden vor Schluss und retten als Zehnter (Bradl) bzw. Zwölfter (Rossi) noch ein paar Punkte. Crutchlow und Dovizioso duellieren sich rundenlang um Rang zwei, dahinter schließt Marquez immer mehr auf. Der Brite findet schließlich den Weg vorbei und feiert mit Platz zwei sein bestes Karriereergebnis. Marquez kann Dovizioso ebenfalls zwei Runden vor dem Ende passieren und fährt als Dritter aufs Treppchen. Die Führung in der Gesamtwertung geht nach vier Rennen an Pedrosa, der nun bei 83 Punkten hält. Hinter dem Spanier befinden sich Marquez (77) und Lorenzo (66).

Le Mans 2012: Stoner-Rücktritt und Lorenzo als Regenmeister

Rücktritt + Zweikampf mit Rossi: Das öffentliche Interesse konzentrierte sich 2012 auf Stoner - Foto: Bridgestone

Am Donnerstag platzt die erste Bombe des Wochenendes: Stoner verkündet, dass er den Helm zum Ende der Saison an den Nagel hängt. Im Rennen liegt der Australier lange auf Position zwei. Lorenzo übernimmt noch in der ersten Runde die Führung und fährt einen komfortablen Vorsprung bei widrigen Verhältnissen heraus. Stoner fällt zusammen mit Rossi, Dovizioso und Cal Crutchlow zurück, während Lokalmatador Randy De Puniet für eine kuriose Szene sorgt, als er schon am Start ausrutscht. Stoner kann sich zwar von seiner Gruppe lösen und an Lorenzo bis auf zwei Sekunden heranfahren, verliert aber hinten raus wieder dramatisch. Während Crutchlow stürzt, kommen Rossi und Dovizioso ihm wieder näher. Auch Dovizioso übertreibt es vier Runden vor Schluss und crasht. So kommt es am Schluss zu einem tollen Duell zwischen Rossi und Stoner um Platz zwei, das der Doktor für sich entscheiden kann. Vierter wird Pedrosa vor Stefan Bradl, der lange Zeit mit dem Spanier mithält. Lorenzo siegt und übernimmt nach vier Rennen die WM-Führung mit 90 Zählern vor Stoner (82) und Pedrosa (65).

Le Mans 2011: Stoner-Sieg geht fast in Simoncelli-Kontroverse unter

Pedrosas Verletzung heizte 2011 die Diskussionen um Simoncellis Fahrweise weiter an - Foto: Milagro

Kontroverse Diskussionen im Nachhinein begleiten den Grand Prix. Verantwortlich dafür ist Marco Simoncelli, der sich schon früher in der Saison durch seine harte Fahrweise den Zorn seiner Kollegen zugezogen hat. In Le Mans crasht Pedrosa elf Runden vor Schluss, als Simoncelli ihm im Zweikampf um Rang zwei vors Vorderrad fährt. Pedrosa hat keine Chance, Simoncellis Hinterrad auszuweichen, stürzt, und bricht sich das rechte Schlüsselbein. Simoncelli erhält daraufhin eine Durchfahrtsstrafe – den TV-Zuschauern wird als Begründung "illegal manoeuvre" eingeblendet – und wird Fünfter. Stoner fährt an der Spitze fernab von diesem Duell zum Sieg, während sich dahinter Lorenzo, Dovizioso und Rossi sehenswert um Rang zwei streiten. Lorenzo scheidet durch einen Verbremser kurz vor Schluss aus diesem Fight aus und wird Vierter. Den längsten Atem hat Dovizioso als Zweiter im Ziel, während Rossi als Dritter sein erstes Podium für Ducati nach Hause fährt. Lorenzo bleibt nach vier Rennen in der Meisterschaft mit 78 Punkten vorne vor Stoner (66) und dem nun verletzten Pedrosa (61).

Le Mans 2010: Klare Angelegenheit für Lorenzo

2010 fuhr Lorenzo überlegen und überlegt zum nächsten Le Mans-Sieg - Foto: Milagro

Für den französischen Lauf fast schon eine Rarität: Strahlender Sonnenschein und keine Wolken am Rennsonntag. Bei den herrlichen Bedingungen übernehmen schnell Rossi, Lorenzo und Pedrosa das Zepter, während Stoner schon früh durch einen Sturz ausscheidet. Die Reihenfolge des Spitzentrios bleibt bis zur zwölften Runde unverändert. Dann setzt sich Lorenzo an die Spitze und kann sich in den folgenden Runden einen entscheidenden Vorsprung erarbeiten, der ihm für einen ungefährdeten Sieg reicht. Rossi fährt in der Folge seinerseits Pedrosa davon und wird Zweiter. Pedrosa hingegen wird nach und nach von Dovizioso und Nicky Hayden eingeholt und muss um Rang drei zittern. In der letzten Runde gelingt Dovizioso nach einer starken Fahrt die Revanche fürs Vorjahr. Er sichert sich den letzten Platz auf dem Podest. Auch Hayden schafft es noch, sich in der letzten Runde an einem enttäuschten Pedrosa vorbeizuarbeiten. In der Gesamtwertung baut Lorenzo mit nun 70 Punkten seinen Vorsprung auf Rossi (61) aus. Auf Rang drei liegt nun Dovizioso (42).

Le Mans 2009: Lorenzo lässt sich nicht beirren

Lorenzo war 2009 nicht nur am schnellsten, sondern pokerte auch am besten - Foto: Milagro

Bei feuchter Strecke am Start ist es nach den ersten Runden Lorenzo, der dem Feld davonziehen kann. Mit Rossi, Pedrosa und Loris Capirossi kommen die ersten Fahrer bereits in Runde vier in die Box, um auf das Bike mit Slicks zu wechseln, eine Runde danach ist bereits das halbe Feld zum Wechsel gekommen – zu früh, wie sich herausstellen sollte. Sie verlieren viel Zeit auf die Fahrer mit Regenreifen. Rossi crasht sogar in der Runde nach dem Wechsel und verpasst nach zwei weiteren Stopps und einer Durchfahrtsstrafe als 16. die Punkteränge. Lorenzo dagegen macht an diesem Tag alles richtig: er geht erst nach zehn Runden an die Box und fährt souverän zum Sieg vor Sensationsmann Marco Melandri, der ebenfalls zu den späten Stoppern zählt. Spannend ist hingegen der Kampf um Position drei: Pedrosa fährt auf Slicks die schnellsten Zeiten und schließt in der Schlussphase dramatisch zu Teamkollege Andrea Dovizioso auf, den er in der letzten Runde kassiert. In der WM ist es nach vier Rennen sehr eng: Lorenzo (66), Rossi (65) und Stoner (65) liegen quasi gleichauf vorne.

Le Mans 2008: Rossis 90. Sieg und ein Yamaha-Dreifachtriumph

Kein alltäglicher Anblick: Das Podium war 2008 fest in Yamaha-Hand - Foto: Fiat Yamaha

In der Anfangsphase setzen sich vier Piloten vom Rest ab: Casey Stoner, Dani Pedrosa, Colin Edwards und Valentino Rossi. Diese vier liefern sich ansehnliche Zweikämpfe, bis Rossi in Runde acht in Führung geht. Er kann sich sehr schnell absetzen und überlässt den anderen den Kampf um Platz zwei. Als gegen Halbzeit des Rennens leichter Regen einsetzt, können Chris Vermeulen und der von diversen Stürzen gehandicapte Jorge Lorenzo zum Verfolgertrio hinzustoßen. Vermeulen fällt schnell wieder zurück, aber Lorenzo hält das Tempo seiner Konkurrenten. Als Stoner sieben Runden vor Schluss technische Probleme bekommt, macht Lorenzo kurzen Prozess und setzt sich binnen einer Runde an die zweite Stelle. Edwards überholt seinerseits Pedrosa kurz darauf für Rang drei. Die Reihenfolge bleibt bis ins Ziel bestehen und markiert einen historischen Dreifachsieg für Yamaha. Rossi feiert seinen 90. Sieg und überholt damit Angel Nieto, der Rossis Yamaha in der Ehrenrunde ausführen darf, in der ewigen Bestenliste. Zudem übernimmt Rossi nach dem fünften Rennen wieder die Gesamtführung mit 97 Zählern, knapp vor Lorenzo und Pedrosa (94).


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