MotoGP - Katar: So lief es in den vergangenen Jahren

Rennsport aus 1001 Nacht

Wenn es dunkel wird in Katar, dann war in der Vergangenheit immer für spannende Action und beeindruckende Impressionen gesorgt.
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Die Highlights der Katar GPs: (01:01 Min.)

Der Katar-GP auf dem Losail International Circuit hat sich im Kalender als traditioneller Saisonauftakt etabliert. Seit 2007 schlägt der MotoGP-Zirkus seine Zelte zuerst in der Wüste auf, ein Jahr später folgte das wegweisende und zukunftsträchtige erste Nachtrennen in der Geschichte der Weltmeisterschaft. Dass es auf dem Wüstenparcours schon zu denkwürdigen Rennen kam, verdeutlicht unser Rückblick auf die letzten Jahre:

Katar 2016: Lorenzo eindrucksvoll, sehenswerter Dreikampf um P2

Jorge Lorenzo setzte sich 2016 gegen Dovizioso, Marquez und Rossi durch - Foto: Milagro

Eine Runde brauchen Andrea Iannone und Andrea Dovizioso, um von der zweiten Reihe aus für eine Ducati-Doppelführung zu sorgen. Schnell formiert sich zusammen mit Jorge Lorenzo, Valentino Rossi und Marc Marquez eine Fünfergruppe an der Spitze. Das erste kleine Drama ereignet in Runde sechs: Dovizioso kämpft Iannone nieder, der stürzt wenige Kurven später. Drei Umläufe später folgt die Vorentscheidung im Kampf um den Sieg: Lorenzo kassiert Dovizioso in Turn 4 und verschafft sich danach genug Vorsprung, um auch auf der langen Start-Ziel-Geraden vor der roten Ducati-Rakete zu bleiben. In der Schlussphase kann das Verfolgertrio nicht mehr mithalten, Lorenzo fährt letztlich ungefährdet und mit Rekordrunden zum Sieg. Im Kampf um Platz zwei unterliegt Marquez Dovizioso erst nach einer misslungenen Attacke in der allerletzten Kurve. Immerhin: Marquez rettet im Zielsprint den letzten Podiumsplatz vor Rossi.

Katar 2015: Großer Kampf zwischen Yamaha und Ducati

Valentino Rossi bezwang 2015 seinen Teamkollegen und die Ducatis - Foto: Yamaha

Marc Marquez verspielt gleich am Start alle Chancen: Er geht in Kurve 1 weit, fällt bis ans Ende des Feldes zurück und wird nach einer Aufholjagd noch Fünfter. An der Spitze setzen sich Jorge Lorenzo, Andrea Dovizioso und Andrea Iannone ab. Die verflixt schnellen Ducatis kann Lorenzo aber nicht abschütteln. Valentino Rossi kämpft sich nach einem schlechten Start innerhalb von vier Runden von Platz zehn auf Rang vier vor und holt schnell die zwei Sekunden Rückstand zum Führungstrio auf. In der Folge kann sich keiner entscheidend absetzen. Erst sechs Runden vor Schluss fällt Iannone leicht zurück, auch Lorenzo kann die Pace kurz darauf nicht mehr ganz halten. Rossi und Dovizioso bekriegen sich um den Sieg. Am Ende hat Rossi nach sehenswerten Zweikämpfen das bessere Ende für sich und triumphiert vor Dovizioso. Dahinter setzt sich Iannone gegen Lorenzo im Kampf um Platz drei durch.

Katar 2014: Sturzorgie spielt Marquez in die Karten

Stefan Bradl nahm 2014 nicht als Einziger eine Bodenprobe - Foto: Milagro

Der Kampf um den Sieg beim Auftakt im Vorjahr verkommt im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Ausscheidungsrennen. Bereits in der ersten Runde muss Leader Lorenzo die Segel streichen. Einen Umlauf später erwischt es Andrea Iannone. Der Italiener kann zwar weiterfahren, sieht aber nur als Zehnter die Zielflagge. Nach Lorenzos Aus führt Bradl das Rennen an, doch auch der Deutsche geht in Runde neun unsanft zu Boden. So kristallisiert sich an der Spitze eine Fünfergruppe mit Marquez, Rossi, Pedrosa, Bautista und Bradley Smith heraus. Durch die späten Crashes von Bautista und Smith dezimiert sich das Feld an der Spitze jedoch weiter. Schließlich machen Marquez und Rossi den Sieg unter sich aus, da Pedrosa ihre Geschwindigkeit nicht halten kann und sicherer Dritter wird. Das entscheidende Überholmanöver zum Sieg setzt Marquez in der vorletzten Runde. Rossi kann ihm im Anschluss nichts mehr entgegensetzen und wird Zweiter. Hinter den ersten Drei profitieren Aleix Espargaro, Dovizioso und Crutchlow auf den Rängen vier bis sechs von den Ausfällen.

Katar 2013: Souveräne Vorstellung von Lorenzo

Valentino Rossi gelang 2013 bei seinem Yamaha-Comeback der Sprung aufs Podest - Foto: Milagro

Lorenzo lässt zu keinen Zeitpunkt Zweifel aufkommen: Seinen Start-Ziel-Sieg fährt er in einer beeindruckenden Manier heraus. Von der ersten Kurve an liegt der Spanier in Führung und kann sich sukzessive vom Rest absetzen. Nach einigen Runden formiert sich hinter Lorenzo eine Verfolgergruppe aus Pedrosa, Neuling Marc Marquez und Crutchlow. Hinter dem Trio hat Rossi Mühe, an den restlichen Fahrern vorbeizukommen. Als er Bradl endlich für Platz fünf überholt hat, nimmt Rossi die Verfolgung des Trios vor ihm auf. Bradl crasht bei dem Versuch, sich an Rossis Fersen zu heften, ins Aus. Nach und nach schließt Rossi zur Gruppe auf, und wenige Runden vor Schluss hat er den Anschluss hergestellt. Crutchlow verbremst sich, als er von Rossi attackiert wird, scheidet somit aus dem Kampf um das Podium aus und wird Fünfter. Rossi hingegen schnappt sich zuerst Pedrosa und liefert sich dann mit Marquez einen harten Fight um Platz zwei. Mit einer eindrucksvollen Schlussrunde sichert der Doktor Rang zwei bei seinem Yamaha-Comeback ab vor Marquez und Pedrosa.

Katar 2012: Lorenzo triumphiert nach packender Schlussphase

Stefan Bradl und Jorge Lorenzo wussten 2012 zu beeindrucken - Foto: Milagro

Schon nach wenigen Runden hat sich das Feld aussortiert: Vorne fahren Stoner, Lorenzo und Pedrosa der Konkurrenz auf und davon. Stoner kann eine Zwei-Sekunden-Lücke zu seinen beiden Widersachern herausfahren, aber: die Flucht nach vorne strapaziert die Reifen seiner Honda übermäßig. Lorenzo und Pedrosa holen Stoner in der Schlussphase wieder ein und kassieren beide den Australier. Bis es Pedrosa gelingt, Stoner zu passieren, hat Lorenzo den entscheidenden Vorsprung zum Sieg herausgefahren. Dahinter liegen Dovizioso und Cal Crutchlow. Crutchlow muss bis kurz vor Schluss warten, ehe er das Überholmanöver für Position vier setzen kann. Diesen Platz gibt er nicht mehr ab, obwohl ihm Dovizioso bis ins Ziel auf den Fersen bleibt. Stefan Bradl fährt bei seinem ersten MotoGP-Rennen lange auf einem beachtlichen sechsten Platz, zollt seiner geringen Königsklassen-Erfahrung jedoch Tribut. In den Schlussrunden muss er den heranstürmenden Hayden und Alvaro Bautista den Vortritt lassen. Platz acht beim Debüt stellt den Deutschen dennoch zufrieden.

Katar 2011: Stoners Sieg als Orakel

4+1: Diese Erfolgsformel galt für einen Großteil der Saison 2011 - Foto: Milagro

Ein Saisonauftakt, der schon viel über das Kräfteverhältnis in den kommenden Rennen verrät. Denn gleich zu Beginn können sich die vier Werks-Hondas von Stoner, Pedrosa, Dovizioso und Marco Simoncelli sowie Lorenzos Yamaha vom restlichen Feld absetzen. Diese Fünfergruppe teilt sich nach einigen Runden auf in Stoner und Pedrosa vorne, Lorenzo in der Mitte und Dovizioso und Simoncelli hinten. Gegen Rennmitte schafft es Pedrosa immer seltener, Stoners Pace zu halten. Lorenzo kann dagegen aufschließen und ihm den zweiten Platz hinter Stoner streitig machen. Der Australier hat sich eine komfortable Lücke herausgefahren, die er bis ins Ziel verwaltet. Lorenzo, der sichtlich unter dem Topspeed-Mangel seiner Yamaha leidet, ringt Pedrosa in den Schlussrunden mit schnellen Zeiten nieder. Dovizioso setzt sich im harten Infight um Position vier gegen Simoncelli durch, während dahinter Rossi bei seinem Ducati-Debüt alles versucht, um seinen Yamaha-Nachfolger Ben Spies hinter sich zu halten. Der Texaner ist aber letztlich zu stark und erobert Platz sechs vom Doktor.

Katar 2010: Taktische Meisterleistung von Rossi

Platz drei wurde 2010 erst auf dem Zielstrich vergeben - Foto: Milagro

Der Opener zur 2010er-Saison beginnt gemächlich. Das Feld reiht sich in den Anfangsrunden ein ohne besonders aufregende Manöver. Als nach einigen Umläufen Stoner die Flucht nach vorne versucht und schon eine kleine Lücke zu seinen Verfolgern geöffnet hat, rutscht ihm in Kurve vier das Vorderrad weg und der Australier muss das Rennen beenden. Er überlasst das Feld an der Spitze einem Dreigestirn bestehend aus Rossi, Dovizioso und Nicky Hayden, während Lorenzo dahinter relativ einsam seine Runden zieht. Spannung kommt erst in der Schlussphase auf. Nachdem Rossi lange Zeit dem Druck von Dovizioso und Hayden ausgesetzt war, gelingt es dem Champion, den entscheidenden Vorsprung, der ihm zum Sieg reicht, herauszufahren. Auch Lorenzo wird immer schneller und schafft so den Anschluss an seine Vorderleute, was zu einem packenden Dreikampf um die Plätze führt. Lorenzo setzt sich gegen seine beiden Kontrahenten durch und kreuzt als Zweiter die Ziellinie, während Dovizioso das Podest vor Hayden erst im Zielsprint sicherstellt.

Katar 2009: Noch eine Premiere bei Stoners Katar-Hattrick

Sintflutartiger Regen sorgte 2009 für ein Rennen am Montag - Foto: Gresini Honda

Nach dem Flutlicht-Rennen im Vorjahr sorgt auch die 2009er-Ausgabe in Katar für eine Weltpremiere: Sicherheitsbedenken wegen starken Regens am Sonntagabend führen zu einer Verlegung des Starts auf Montag. Im Rennen profitiert Leader Stoner anfangs von der Straßensperre Loris Capirossi hinter ihm. Rossi kann seinen Landsmann erst in Runde drei passieren und liegt da schon drei Sekunden hinter dem Führenden. Die Aufholjagd bringt Rossi bis auf 1,9 Sekunden an Stoner heran, aber sein Reifenverschleiß ist ungleich höher, sodass Stoner in der Schlussphase ähnlich wie im Vorjahr wieder mit konstant schnellen Zeiten davonziehen und vor Rossi siegen kann. Lorenzo und Dovizioso konnten auch schon bald Capirossi, der sich kurz darauf per Sturz verabschiedete, überholen. Ihr Kampf um den letzten Podiumsplatz ist schnell zugunsten Lorenzos entschieden. Dovizioso hingegen fällt mit abbauenden Reifen immer weiter zurück und muss sich am Ende dem anrückenden Edwards im Kampf um Platz vier geschlagen geben.

Katar 2008: Weltpremiere, Stoner-Triumph und grandiose Rookies

Die Spitze war 2008 lange heiß umkämpft - Foto: Sutton

Der Katar-GP 2008 ist geprägt von der außergewöhnlichen Leistung der Rookies. Lorenzo und James Toseland fahren bei ihrem ersten MotoGP-Wochenende die ersten beiden Startplätze heraus. Bei der Flutlicht-Premiere der Königsklasse gelingt Pedrosa ein Raketenstart: Von Position acht aus übernimmt er die Führung in den Anfangsrunden vor Lorenzo, Toseland, Colin Edwards, Stoner, Rossi und Dovizioso, ebenfalls Debütant in der MotoGP. Diese sieben Piloten setzen sich sofort vom Rest ab. In Runde vier übernimmt Rossi das Zepter, schon bald stellt sich aber heraus, dass er an diesem Abend nicht das schnellste Package hat. Kurz vor Halbzeit setzen sich Stoner und Lorenzo an die Spitze und von der Gruppe ab. Mit konstant schnellen Zeiten kann Stoner zum Schluss auch Lorenzo abschütteln und triumphieren. Pedrosa findet lange keinen Weg an Rossi vorbei, fixiert aber letztlich Rang drei. Auch den vierten Platz kann Rossi nicht halten, denn in der letzten Runde setzt sich Dovizioso gegen ihn und Toseland nach rundenlangem Kampf durch.


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