MotoGP - Bradl: Daran scheiterte er bei Honda

Das letzte Quäntchen fehlte immer

Stefan Bradls Abschied bei Honda deutete sich schon vor Monaten an. Eine Spurensuche nach den Gründen für den Teamwechsel.
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Motorsport-Magazin.com - In der letzten Ausgabe des Motorsport-Magazins titelten wir: "Bradls wichtigster Sommer" und beschrieben seine Karriere als "am Scheideweg". Nun ist klar, welche Abzweigung der Deutsche an diesem Weg nahm. Jene die ihn der MotoGP hält, aber von Hondas Factory Bike auf eine Open-Yamaha bringt.

Leider sieht es so aus, als würde es ihm schwer fallen, den letzten alles entscheidenden Schritt zu machen.
Livio Suppo über Bradl

Schon damals war bei HRC-Teamchef Livio Suppo durchzuhören, dass Bradl innerhalb des vierköpfigen Honda-Kaders auf dem Prüfstand steht. "Stefan macht grundsätzlich einen vernünftigen Job. Leider sieht es so aus, als würde es ihm schwer fallen, den letzten alles entscheidenden Schritt zu machen", erklärte Suppo. "Ich würde ihn hin und wieder gerne etwas aggressiver sehen. Er soll noch mehr an sich und sein Können glauben."

Letzter Durchbruch blieb verwehrt

Im Vorjahr durfte er am Sachsenring erste Führungsrunden leisten, verpasste letztlich aber das Podium. Eine Woche später strahlte er in Laguna Seca zwar zunächst von der Pole Position, dann auch vom Podest. Aber in der zweiten Saisonhälfte gab es kein einziges Top-4-Ergebnis mehr für Bradl. Stattdessen brach er sich unter unglücklichen Umständen in Sepang den Knöchel und musste zwei Rennen pausieren.

Umso größer waren Hoffnungen für 2014. "Unser großes Ziel ist es, am Ende des Jahres als bestes Satellitenteam dazustehen. Da wollen wir hin und das ist unsere Hauptaufgabe", erklärte Bradl gegenüber dem Motorsport-Magazin. Doch das bisherige Jahr hatte für Bradl mehr Tiefen als Höhen.

Seuchen-Saison 2014

In Katar stürzte er in Führung liegend, musste nach Jerez seinen Arm operieren lassen, in Mugello stürzte er am Sonntag gleich zweimal schwer und zuletzt am Sachsenring ging ein Setup-Poker komplett in die Hose. Platz 16 beim Deutschland GP bedeutete nicht nur Bradls schlechtestes MotoGP-Einzelergebnis, sondern letztlich auch sein Aus bei LCR Honda.

Natürlich waren einige Rennen dabei, wo das eine oder andere mehr drin gewesen wäre.
Stefan Bradl einsichtig

Ein Blick in die Statistik macht die Entscheidung der Honda-Bosse verständlich. Seit 2012 fuhren fünf Piloten Hondas Factory Bike: Neben Bradl, Alvaro Bautista bei Gresini sowie Dani Pedrosa, Casey Stoner und Marc Marquez im Werksteam. Bradl hat dabei die schlechteste Statistik von allen, weist die wenigsten Podestplätze, den niedrigsten Punkteschnitt pro Rennen, dafür aber die meisten Ausfälle auf. "Natürlich waren einige Rennen dabei, wo das eine oder andere mehr drin gewesen wäre, aber im Nachhinein ist immer leicht reden", meinte Bradl bereits vor einigen Rennen.

Statistik aller Honda-Fahrer seit 2012

FahrerStartsSiegePodiumPolePunktePkt. SchnittAusfälle
Marquez2715251655920,771
Pedrosa441035878017,733
Stoner15510525416,931
Bautista450313998,877
Bradl430113478,078

Suppo hingegen meinte, dass Bradl einfach zur falschen Zeit am falschen Ort sei: " Historisch gesehen haben wir so viele gute Fahrer im Feld wie selten zuvor. In den goldenen Jahren von Mick Doohan oder Valentino Rossi waren die beiden weit über all ihre Konkurrenten zu stellen, da konnte man zwar nicht siegen, aber es war leichter zweite oder dritte Plätze zu holen. Aktuell gibt es mit Marc, Jorge, Dani und Vale allerdings vier Ausnahmekönner. Da brauchst du selbst als guter Fahrer einfach das letzte Fünkchen Glück und Mut, damit du da mithalten kannst. Stefan wurde in eine schwierige Zeit hineingeboren."


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