MotoGP - Vierkampf um den Sieg in Barcelona: Die Analyse

Achterbahnfahrt an der Spitze

Nach dem großartigen Duell zwischen Marc Marquez und Jorge Lorenzo in Mugello durften sich im Katalonien-GP gleich vier Piloten Chancen auf den Sieg ausrechnen.
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Motorsport-Magazin.com - Nur zwei Wochen nach dem epischen Zweikampf um den Sieg im Grand Prix von Italien zwischen Marc Marquez und Jorge Lorenzo lieferten die MotoGP-Stars in Barcelona das nächste sensationelle Rennen. Dieses Mal waren es aber nicht nur zwei, sondern mit Marquez, Lorenzo, Valentino Rossi und Dani Pedrosa sogar vier Piloten, die lange Zeit um den Sieg kämpften. Dabei erlebte jeder einzelne aus dem Spitzenquartett im Rennen Höhen und Tiefen. Die Rennanalyse zum Krimi von Katalonien:

Lorenzo macht im Finish schlapp

Lorenzo war trotz früher Führung am Ende chancenlos - Foto: Yamaha

Der Mann der Startphase war einmal mehr Jorge Lorenzo. Der Yamaha-Pilot schoss mit einem weiteren Raketenstart und einem beherzten Bremsmanöver vor Kurve eins von Startplatz eins aus in Führung. Lorenzo hielt das Tempo in den ersten Runden an der Spitze extrem hoch und versuchte, einen Vorsprung auf seine Verfolger herauszufahren. Schon im vierten Umlauf musste er allerdings einsehen, dass es sich hierbei um ein aussichtsloses Unterfangen handelte. Valentino Rossi ging an ihm vorbei, wenig später folgte auch die Honda-Konkurrenz in Person von Marc Marquez und Dani Pedrosa. Zu diesem Zeitpunkt war für den Mallorquiner im Kampf um den Sieg allerdings noch nichts verloren, bis Runde 21 ließ er seinen Rückstand auf die Spitze nie größer als 1,611 Sekunden werden und lag so immer in Schlagdistanz. In den letzten vier Umläufen konnte Lorenzo die Pace dann aber einfach nicht mehr mitgehen und kam 4,540 Sekunden hinter Marquez als geschlagener Vierter ins Ziel.

Rossi nimmt das Zepter in die Hand

Rossi brachte sich, die M1 und den Kerb ans Limit - Foto: Yamaha

Früh im Rennen übernahm Valentino Rossi die Führung von seinem Yamaha-Teamkollegen Jorge Lorenzo und sollte sie nicht weniger als 16 Runden lang behalten. Der Altmeister fuhr an der Spitze ein fehlerfreies Rennen und setzte sich gegen die Angriffe von Marc Marquez und Dani Pedrosa auf der sichtbar überlegenen Honda ein ums andere Mal zur Wehr. Im 20. Umlauf war der Widerstand von Rossi dann jedoch gebrochen und er musste Marquez und kurz darauf auch Pedrosa vorbei lassen. Abschütteln ließ sich der Doktor aber bei weitem nicht, bis in die letzte Runde blieb er dicht hinter dem Repsol-Honda-Duo und lag nie mehr als sieben Zehntelsekunden zurück - eine Hartnäckigkeit, die sich bezahlt machen sollte. Als es wenige Meter vor der Ziellinie zur Kollision zwischen Marquez und Pedrosa kam war Rossi der Nutznießer und holte sich den zweiten Platz.

Spätzünder Marquez

Am Ende durfte Marc Marquez mit seinen Fans jubeln - Foto: Repsol

Marc Marquez zeigte in Barcelona ein Rennen, wie wir es von ihm schon unzählige Male gesehen haben. Nach einem verhaltenen Start rutschte er von Position drei auf vier zurück und beobachtete das Geschehen erst einmal hinter Lorenzo, Rossi und Pedrosa. Doch bereits in Runde zwei machte der Weltmeister Ernst und brannte die schnellste Runde des Grand Prix in den katalanischen Asphalt. Zwei Umläufe später klebte er schon am Hinterrad des führenden Valentino Rossi. Wie es große Champions so machen, überstürzte Marquez jedoch nichts und studierte sein früheres Vorbild 16 Umläufe lang, bis er zuschlug. Interessant: In seinen folgenden fünf Führungsrunden konnte der WM-Leader nur einmal die schnellste Runde im jeweiligen Umlauf markieren. Stärkster Mann der Schlussphase war nämlich ein anderer, doch dieser blieb einmal mehr unbelohnt.

Pedrosas Schlussangriff scheitert

Pedrosa musste sich mit Rang drei begnügen - Foto: Repsol

Auf der zweiten Werks-Honda fuhr Dani Pedrosa über lange Strecken des Grand Prix ein unauffälliges Rennen. Während Marquez und Rossi spektakuläre Manöver an der Spitze zeigten, beobachtete Pedrosa das bunte Treiben quasi aus der ersten Reihe. So konnte der 28-Jährige seine Bridgestone-Pneus schonen und das Tempo am Ende des Rennens ordentlich anziehen. Von Runde 21 an fuhr er in drei von vier Umläufen die schnellste Zeit und bracht sich in die ideale Position um Marc Marquez angreifen zu können. Das Manöver blieb aber erfolglos, nach der Berührung musste Pedrosa auch noch eine weite Linie gehen und verlor viel Zeit, genauer gesagt fast 1,8 Sekunden auf seinen Teamkollegen. So musste sich der kleine Spanier auch noch Valentino Rossi geschlagen geben.

Bradl kämpft mit stumpfen Waffen

Stefan Bradl war die positive Überraschung des Grand Prix von Katalonien. Schon in den Trainingssitzungen und mit Rang vier im Qualifying zeigte der LCR-Honda-Pilot auf, dann bot er auch im Rennen eine starke Vorstellung. In den ersten sechs Runden ließ sich Bradl von den vier Werkspiloten von Honda und Yamaha nicht abschütteln und hielt seinen Rückstand konstant unter einer Sekunde. Zu diesem Zeitpunkt lag Aleix Espargaro als nächster Verfolger schon mehr als 3,3 Sekunden zurück.

Stefan Bradl wurde bester Satellitenpilot - Foto: Milagro

Dann musste sich der Zahlinger aber die Überlegenheit der Werksmaschinen eingestehen und verlor fortan etwa eine halbe Sekunde pro Runde. Nur als in Lap 19 gelbe Flaggen beim Spitzentrio für Verwirrung sorgten, konnte Bradl seinen Rückstand noch einmal etwas verkleinern. In der Folge wurde die Überlegenheit der Spitzenpiloten aber noch deutlicher, Marquez und Co. brummten Bradl phasenweise bis zu 1,5 Sekunden pro Runde auf. Dieser musste jedoch auch nicht mehr alles geben und fuhr auch so einen ungefährdeten fünften Rang ein, über drei Sekunden vor Lokalmatador Aleix Espargaro.


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