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MotoGP - Rossis größte Siege

Fünf besondere zum dreihundertsten

Valentino Rossi feiert am Wochenende seinen 300. Grand-Prix-Start. Wir blicken auf seine besten Rennen zurück.
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Motorsport-Magazin.com - 300. Grands Prix wird Valentino Rossi nach dem GP von Italien in der Motorrad-Weltmeisterschaft bestritten haben. 88 Mal fuhr er die schnellste Rennrunde, 59 Mal holte er die Pole Position, 186 Mal stand er bisher auf dem Podium. Unglaubliche 4879 WM-Punkte und neun Titel holte er. 106 Mal gewann der Doktor ein Rennen in der Weltmeisterschaft. Motorsport-Magazin.com lässt fünf seiner größten Siege noch einmal Revue passieren.

Donington Park 2000 - Die Premiere

Vor knapp 14 Jahren gewann Rossi erstmals in der Königsklasse - Foto: Milagro

Die ersten Schritte von Valentino Rossi in der Königsklasse waren nicht unbedingt von Erfolg geprägt. Zu Saisonbeginn schied er gleich drei Mal aus, erst in Jerez sah er als Dritter erstmals die Zielflagge. Zwei weitere Male erreichte er in Le Mans und Barcelona das Podium, doch es sollte bis zum neunten Grand Prix in Donington Park dauern, bis er mit Honda seinen ersten Sieg in der 500ccm-Weltmeisterschaft feiern durfte.

Rossi hatte sich in Reihe eins auf dem vierten Platz qualifizierte, erwischte auf nasser Fahrbahn aber einen katastrophalen Start und rutschte bis auf Position 13 zurück. Doch er fing sich schnell und zeigte erstmals in der Königsklasse sein unglaubliches Talent. Im Alter von 21 Jahren zeigte er gegen Routiniers wie Kenny Roberts, Alex Criville oder Carlos Checa keinerlei Respekt und ließ sie alle sprichwörtlich im Regen stehen.

Bei schwierigsten Verhältnissen, die sich von völlig nasser Strecke zu Rennbeginn in Richtung trockener Fahrbahn am Ende entwickelten fuhr Rossi ein praktisch fehlerfreies Rennen. Er war damit endgültig in der Königsklasse angekommen, wurde gleich in seiner ersten Saison Vizeweltmeister und musste sich nur Kenny Roberts geschlagen geben.

Welkom 2004 - Die Machtdemonstration

Nach drei überlegenen Weltmeistertiteln in Serie hatte Valentino Rossi Ende 2003 plötzlich genug von Honda. Es passte ihm so gar nicht, dass man den Erfolg viel mehr dem Motorrad - das damals das mit Abstand stärkste im Feld war - zuschrieb, als ihm. Rossi wechselte prompt zu Yamaha, das in der Vorsaison noch ohne Podiumsplatzierung geblieben war.

Rossi ließ Biaggi einmal mehr hinter sich - Foto: Milagro

Der Neuzugang bei Yamaha brauchte genau ein einziges Rennen, um zu beweisen, dass die Kritik an ihm tatsächlich zu 100 Prozent unberechtigt war. Auf der von ihm zwar bereits deutlich verbesserten aber nach wie vor klar überlegenen M1 lieferte er sich mit Honda-Pilot Max Biaggi ein packendes Duell, dass Rossi in der letzten Runde für sich entschied. Ein Schock für die Konkurrenz, die nach dem Markenwechsel des Dominatoren der letzten drei Jahre eine kleine Chance gesehen hatte, Rossi zu fordern.

Der Mann mit der Nummer 46 durfte sich zudem über einen Rekord freuen, der bis heute nicht gebrochen wurde. Außer ihm gelang es bisher keinem Pilot in der MotoGP, das letzte Saisonrennen für eine und den ersten Grand Prix des Folgejahres für eine andere Marke zu gewinnen.

Laguna Seca 2008 - Das Unmögliche

Der US Grand Prix 2008 schien eine klare Sache für Weltmeister Casey Stoner zu sein. Er sicherte sich deutlich die Pole Position, Valentino Rossi verlor als Zweiter fast eine halbe Sekunde. "Wenn ich Casey im Rennen schlagen will, brauche ich 30 Sekunden Startvorsprung. Oder ein Gewehr!", scherzte der Italiener in Anbetracht Stoners Dominanz. Doch Rossi wäre nicht Rossi, würde er nicht das Unmögliche versuchen.

Ein Manöver für die Ewigkeit - Foto: Milagro

Bereits in Runde eins machte der Yamaha-Pilot ernst. In der legendären Corkscrew-Schikane, einer steil abschüssigen Links-Rechts-Kombination, die blind angefahren wird, presste sich Rossi an Stoner vorbei. Die Antwort des Australiers ließ nicht lange auf sich warten. Nur zwei Umläufe später überholte Stoner auf seiner Ducati Rossi bei Start-Ziel. Nun war der Kampf endgültig eröffnet. The Doctor schlug in Kurve sechs zurück, Stoner saugte sich jedoch auf der folgenden Geraden wieder vorbei.

Dann folgte die Aktion des Rennens: Stoner bremste vor der Corkscrew spät, Rossi noch später. Der Mann mit der Nummer 46 warf seine M1 in die Schikane, kam am Kurvenausgang sogar von der Strecke ab, konnte aber Stoner erneut die Führung abjagen - ein atemberaubendes Manöver. Doch der Fight ging weiter, nicht weniger als 13 Mal wechselte die Führung bis zur 23. Runde. Rossi lag in Front, Stoner klebte ihm am Auspuff. Doch der Pole- Mann verbremste sich in der letzten Kurve, kam von der Strecke ab und stürzte. Das Rennen war entschieden. Der Zweikampf ging als knallhartes, aber absolut faires Duell zweier großer Champions in die Geschichte ein. Rossi hatte dabei wieder einmal das bessere Ende für sich.

Barcelona 2009 - Die letzte Kurve

Fünf Rennen der Saison 2009 sind gefahren und Valentino Rossi befindet sich in einer für ihn völlig ungewohnten Saison. Er liegt in der Weltmeisterschaft hinter seinem Teamkollegen Jorge Lorenzo zurück und muss um die Vorherrschaft im Yamaha-Werksteam kämpfen. Nächster Halt im WM-Kalender ist Lorenzos Heimrennen in Barcelona. Rossi will sich den Nummer-1-Status zurückholen. Was sich in den nächsten 25 Runden am Circuit de Catalunya abspielt, ist MotoGP-Geschichte.

Ein Duell bis zur Ziellinie: Rossi vs. Lorenzo - Foto: Ronny Lekl

Die beiden Yamaha-Teamkollegen fahren an diesem Sonntag in einer eigenen Liga, nur einer der beiden kann den Rennsieg mit nach Hause nehmen. Die Führung zwischen dem Spitzenduo wechselt ständig, die Fans bekommen spektakuläre Überholmanöver am laufenden Band serviert. Doch bis zur letzten Runde kann sich weder Rossi noch Lorenzo entscheidend absetzen. Als die zwei Rivalen zum letzten Mal in diesem Rennen mit mehr als 330 km/h die Start-Ziel-Gerade Richtung Kurve eins hinunterdonnern, sieht Lorenzo seine Chance und geht innen an seinem routinierten Gegner vorbei. Rossi klammert sich ans Hinterrad des Mallorquiners und lässt ihn kein Stück davonziehen, doch findet er an den bevorzugten Stellen für Überholmanöver auch keinen Platz um die Führung zurückzuerobern. So biegt Lorenzo als Führender in den letzten, aus drei Rechtskurven bestehenden, Streckenteil ein. Vor dem Wochenende meinte er noch, dass der Pilot, der auf Position eins hier ankommt, das Rennen quasi gewonnen hat.

Lorenzos Prognose schien sich zu bewahrheiten, doch nur bis zur letzten Kurve. Rossi wagte an einer Stelle, an der ein Angriff bis dahin beinahe unmöglich schien, die Attacke und presste sich in Führung. "Ich habe ein bisschen später gebremst als er, aber nicht zu spät. Dann habe ich mein Bike neben seinem positioniert und befürchtet, dass ich stürzen könnte. Am Scheitelpunkt habe ich bereits gespürt, wie das Vorderrad weggerutscht ist, aber zum Glück hat es gehalten", beschrieb Rossi im Anschluss sein Manöver. 95 Tausendstel trennten ihn am Ende von Jorge Lorenzo. Er hatte es seinem Herausforderer gezeigt.

Assen 2013 - Die Auferstehung

Valentino Rossi hatte zwei harte Jahre bei Ducati hinter sich, als er Anfang des Jahres 2013 wieder in der Yamaha-Box andocken durfte. Sieben Rennen dauerte es, dann stand der siebenfache MotoGP-Champion in Assen ganz oben. Für Rossi begann das Wochenende in den Niederlanden wie die meisten in dieser Saison. Im Training erzielte er die viertbeste Zeit und stellte seine Yamaha im Qualifying auf P4 in die zweite Reihe.

Die Durststrecke hatte in Assen 2013 ein Ende - Foto: Yamaha

Rossis Vorteil: Die Konkurrenz zeigte an diesem Wochenende Schwächen. Dani Pedrosa bekam seine Bridgestones nicht unter Kontrolle und Jorge Lorenzo brach sich bei einem Trainingssturz das Schlüsselbein. Beide fuhren am Samstag im Rennen zwar mit, hatten mit der Entscheidung um den Sieg aber nichts zu tun. Rossi hingegen lief zu alter Form auf, schnappte sich in Runde eins Stefan Bradl, im fünften Umlauf Marc Marquez und nur eine Runde später auch Pedrosa. Seine Führung ließ er sich nicht mehr abluchsen und so kam er mit einem soliden Vorsprung von 2.170 Sekunden auf Marquez ins Ziel.

Seit 10. Oktober 2010 lief Rossi einem Sieg hinterher. Satte 44 Rennen hatte der Doktor nicht mehr gewonnen, als er nach Assen kam. Umso größer war die Freude beim Italiener, seiner Mannschaft, vor allem aber seinen Fans, die ihn bedingungslos bei jedem Rennen mit einem gelben Fahnenmeer unterstützten. Für den 35-jährigen Italiener war es der 106. Sieg in der WM, der 80. der Königsklasse und der 47. mit Yamaha. Vor allem war der Erfolg aber einer der emotionalsten für Rossi. "Ich bedanke mich bei allen Menschen, die mir dabei geholfen haben, wieder dahin zu kommen, wo ich jetzt bin", dankte er für die Unterstützung.


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