MotoGP - Bridgestone-Aus: Reifen-Debakel nicht schuld

Ausstieg schon länger überlegt

Bridgestone zieht einen Schlussstrich unter seine MotoGP-Ära. Die Reifen-Bosse erklärten in Jerez ihre Beweggründe.
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Motorsport-Magazin.com - Unmittelbar vor dem Rennwochenende in Jerez ließ Bridgestone die Bombe platzen. Mit Ende der Saison 2015 wird sich der japanische Reifenhersteller aus der MotoGP zurückziehen. "Wir haben all unsere Ziele erreicht", sagte General Manager Kyota Futami im Rahmen einer Pressekonferenz in Jerez.

Derartige Überlegungen gab es schon seit langer Zeit.
Bridgestone-GM Kyota Futami

"Wir hatten lange Debatten an den höchsten Stellen. Derartige Überlegungen gab es schon seit langer Zeit", gab der Japaner zu. Mit der im letzten Jahr - vor allem nach dem Debakel von Phillip Island - immer lauter gewordenen Kritik mancher Fahrer solle der Rückzug aber nichts zu tun haben. "Beschwerden von Fahrern sind im Motorsport etwas Alltägliches. Für unsere Weiterentwicklung der Reifen war aber diese Art von Kritik immer immens wichtig", so Futami.

Er gestand aber: Wir haben die Reifenentwicklung so vorangetrieben, dass sie fast jedem Fahrer liegt. Leider entwickeln sich auch die Motorräder und vor allem der Fahrstil fast täglich weiter. Für uns war es oft schwer, mit dem Fortschritt der Maschinen mitzuhalten."

Fahrer überrascht

Für die Piloten kam die Ankündigung aus heiterem Himmel. "Es war eine große Überraschung, die ich nicht erwartet hatte", sagte Marc Marquez. "Bridgestone hat zuletzt große Fortschritte gemacht und es hat Jahre gedauert, bis sie auf diesem Niveau waren. Ein neuer Hersteller wird es nicht leicht haben, erinnern wir uns nur an Bridgestone 2008 oder 2009 zurück." Damals zog sich Michelin zurück und Bridgestone wurde zum Monopolisten.

Das ist allerdings einer der am schwersten zu entwickelnden Reifen.
Kyota Futami

"Wir wollten spannende Rennen bieten und für Sicherheit sorgen", versicherte Futami. "Das ist allerdings einer der am schwersten zu entwickelnden Reifen, denn wir haben hier sehr viel Kraft bei einer sehr geringen Auflagefläche zu übertragen. Verglichen mit der Formel 1 war es doppelt so schwer, könnte man sagen."

Rossi trauert Bridgestone in jedem Fall nach und sorgt sich um die Zukunft. "Die Qualität der Reifen ist sehr hoch und ich bin mir nicht sicher, ob ein neuer Hersteller rasch auf diesen Level kommt. Wenn sich die Reifen verändern, verändert sich normalerweise auch der Sport. Damit muss man auch seinen eigenen Stil wieder anpassen."

Frage nach einem Nachfolger

Bereits einen Wechsel hinter sich hat Jorge Lorenzo, der nach dem Michelin-Aus per Saisonende 2008 zu Bridgestone wechselte. "Die Bridgestones hatten eine viel bessere Performance, vor allem beim Vorderreifen. Es war unglaublich, als ich von Michelin wechselte. Zu Beginn gab es viele Stürze, aber jetzt bin ich mit den Reifen glücklich. Ich hoffe, dass der neue Hersteller auch so sehr auf die Fahrer hört wie Bridgestone."

Pirelli ist die absolut letzte Wahl aller Fahrer.
Cal Crutchlow

Wer den Japanern ab 2016 nachfolgt, ist noch unklar. Bewerbungen sind ab sofort möglich, Pirelli, Michelin und Dunlop wird Interesse nachgesagt. Cal Crutchlow verriet aber bereits: "Pirelli ist die absolut letzte Wahl aller Fahrer. Die Reifen würden uns schon auf den Geraden völlig einbrechen, die haben einfach keine Konstanz. Pirelli kann den Superbike-Reifen gar nicht so sehr an unsere Bedürfnisse anpassen."

Bridgestone will jedenfalls für eine geordnete Hofübergabe sorgen. "Wir wollen unserem Nachfolger helfen. Aber wir können ihnen natürlich nicht alles verraten. Es wird in begrenztem Bereich aber Kooperationen geben", erklärte Futami.


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