Tipp

MotoGP - Auslaufrunde - Der etwas andere Rückblick

Taktlosigkeiten auf Strecke und Podium

Der erste Argentinien-GP seit 15 Jahren ist Geschichte. Motorsport-Magazin.com nimmt das Rennwochenende in Termas de Rio Hondo noch einmal genau unter die Lupe.
von

Motorsport-Magazin.com - Lange Zeit mussten die MotoGP-Fans in Südamerika, insbesondere in Argentinien, auf ein Rennen innerhalb ihres Kontinents warten. Nun war es endlich so weit, und nach 15 Jahren Entzug war der Enthusiasmus der heißblütigen Fans beinahe grenzenlos. Das bekam Valentino Rossi bereits im Vorfeld des Rennwochenendes zu spüren, als er im Zentrum der 30.000 Einwohner zählenden Stadt Termas de Rio Hondo Abendessen war.

Valentino Rossi wurde wie ein Popstar gefeiert - Foto: Milagro

Beim Verlassen des Restaurants spielten sich Szenen ab, wie man sie in Argentinien wohl seit dem letzten Konzert von Justin Bieber nicht mehr gesehen hatte. Seine Verehrer erdrückten den Altmeister fast, Rossi musste unter Polizeischutz zu seinem Taxi geleitet werden. "Wir haben uns gefühlt wie Tiere im Zoo", meinte er. Nachdem der Doktor das Weite gesucht hatte, stürzte sich die Meute auf Marc Marquez, der die Schuld bei Rossi sah: "Für mich war Valentino das Problem! Alle warteten auf ihn. Als er ging, sagte jemand 'Da vorn ist Marquez' und alle Leute rannten zu mir rüber. Auf der Strecke wird es aber besser werden, denke ich!"

Irgendjemand muss es ja machen…

Und ob es für den Weltmeister auf der Strecke besser lief. Er dominierte das Wochenende nach Belieben. Im Rennen erwischte er keinen idealen Start, legte aber eine beeindruckende Aufholjagd hin und spielte am Ende mit seinen Gegnern wieder Katz und Maus. "Mit noch neun Runden zu fahren, habe ich etwas mehr Gas gegeben", erklärte er nach dem Rennen. Etwas mehr Gas bedeutet in diesem Fall eine Pace, die keiner seiner Konkurrenten auch nur ansatzweise mitgehen kann. Marquez hat es sich verdient, die Vorzüge eines Lebens als MotoGP-Superstar auszukosten.

The Winner takes it all - Foto: Milagro

Taktlos

Die Siegerehrung der MotoGP war nicht nur ein optischer Leckerbissen, sondern auch die einzige der drei Podiumszeremonien an diesem Tag die ohne Zwischenfälle über die Bühne ging. Als zu Ehren von Esteve Rabat nach dem Moto2-Rennen die Marcha Real gespielt wurde, gab es mehrere Sekunden lang eine unfreiwillige Pause. Dabei konnte sich der Spanier noch glücklich schätzen. Als für Moto3-Sieger Romano Fenati bei seinem erst zweiten Triumph in der Weltmeisterschaft eigentlich Fratelli d'Italia erklingen hätte sollen, wurde stattdessen die Marseillaise gespielt. Die Freude darüber, seinen Sieg mit einem französischen Militärmarsch feiern zu dürfen, war ihm ins Gesicht geschrieben. Sie war enden wollend.

Möglicherweise war es schlechtes Karma auf Seiten Fenatis, das für diesen Fauxpas gesorgt hatte. Denn die Art und Weise wie sich der 18-Jährige den Weg zu seinem Erfolg bahnte, war hart an der Grenze des Erlaubten. In der Manier seines Teambesitzers Valentino Rossi hielt Fenati in der vorletzten Kurve kompromisslos rein, schob Alex Marquez und Jack Miller aus dem Weg und rempelte sich so in Führung. Miller war zunächst stinksauer und duellierte sich auf dem Podium mit Fenati um den bösen Blick des Tages. Lediglich der Zweitplatzierte präsentierte den allseits beliebten Marquez-Grinser.

Er hat mich von der Strecke gedrängt.
Valentino Rossi

Während sich Valentino Rossi also über seinen ersten Erfolg als Teambesitzer freuen konnte, lief es in seinem eigenen Rennen nicht unbedingt nach Wunsch. Hier war es nämlich er, der durch einen anderen Fahrer von der Strecke befördert wurde. Stefan Bradl machte einen Fehler und der Yamaha-Werkspilot wurde in Mitleidenschaft gezogen. "Er hat zu spät gebremst und mich von der Strecke gedrängt. Dadurch habe ich zwei Sekunden in dieser Runde verloren und somit wohl auch das Podium", machte Rossi seinem Unmut deutlich Luft.

So ging also ein etwas chaotisches, turbulentes, aber nie langweiliges Rennwochenende in Termas de Rio Hondo zu Ende. Trotz mancher Probleme, oder vielleicht gerade weil nicht alles so überreguliert wie sonst so häufig ablief, scheinen diese drei Tage in Argentinien Fahrern, Teams und vor allem den Fans eine Menge Freude bereitet zu haben. Don't cry for MotoGP Argentina - in einem Jahr ist der Zirkus zurück.


Weitere Inhalte:

Motorsport-Magazin.com fragt
Facebook
Wir suchen Mitarbeiter
x