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MotoGP - Auslaufrunde - Der etwas andere Rückblick

Abschiede und Ankünfte

Panta rhei, alles fließt. Auch in der MotoGP. Motorsport-Magazin.com nimmt das Rennwochenende in Austin noch einmal genau unter die Lupe.
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Motorsport-Magazin.com - Der Texas-Grand-Prix wird uns allen wohl als eines der denkwürdigsten Rennwochenenden der jüngeren MotoGP-Geschichte in Erinnerung bleiben. Der Grund dafür sind weniger packende Duelle oder knappe Zieleinläufe in den drei Klassen, sondern eher eine interessante Ansammlung an Wachablösen, Neuankünften und einem großen Lebewohl.

See ya, Texas Tornado!

"Ich weiß nicht einmal wie ich es sagen soll, obwohl ich es unzählige Male geprobt habe. 2014 wird das letzte Jahr sein, in dem ich Motorradrennen fahre", erklärte Colin Edwards in der Pressekonferenz am Donnerstag mit hörbar zittriger Stimme. Die Tränen konnte er gerade noch zurückhalten, doch etwas glasig waren seine blaugrünen Augen doch. Ein Rücktritt nach 20 Jahren in den Weltmeisterschaften von Superbike und MotoGP geht eben auch an einem Menschen, der behauptet auf seiner Ranch eine Million Waffen zu horten, emotional nicht spurlos vorbei.

Edwards zeigte sich sichtlich gerührt - Foto: Forward Racing

Edwards, der sich zwei Mal zum Superbike-Weltmeister krönte, konnte nie ein MotoGP-Rennen gewinnen. Dennoch darf er sich über eine der größten Fangemeinden aller Piloten freuen. Allein das zeigt, welch außergewöhnlicher Charakter der mittlerweile 40-Jährige im Fahrerlager war. In einer Motorrad-Weltmeisterschaft, die seit Jahren von gestriegelten und PR-instruierten Werbefiguren auf Zweirädern geflutet wird, stellte der Texas-Tornado mit seinem markanten Südstaatenslang, seiner Vorliebe für nicht jugendfreie Ausdrücke und seiner Art, stets das Herz auf der Zunge zu tragen, ein wunderbares Gegengewicht dar. Wir werden Edwards vermissen und wünschen ihm einen entspannten Ruhestand voller Kautabak, Pick-Up-Trucks und Schnellfeuerwaffen!

Marquez nach Hause telefonieren

So feiert der Weltmeister - Foto: Repsol

Einen Abschied der erfreulichen Art, zumindest aus seiner Sicht, feierte an diesem Wochenende in Austin Marc Marquez. Der Weltmeister sagte nämlich der gesamten Konkurrenz "Auf Wiedersehen". Nicht in einer einzigen Session musste er sich ernsthaft mit dem restlichen Feld auseinander setzen. Marquez fuhr einfach nur seine Runden und war dabei teilweise über eine Sekunde schneller als Pedrosa, Rossi und Konsorten. So teilte der Repsol-Honda-Pilot die MotoGP sorgfältig in zwei neu geschaffenen Klassen ein: Terrestrisch und Extraterrestrisch. Während in der erstgenannten Liga 22 Piloten ihre Motorräder auf konventionelle Art und Weise bewegen, prügelt der einzige Vertreter der E.T.-Klasse sein Arbeitsgerät lieber mit brutalen Wheelies, Stoppies und Drifts um die Rennstrecken der Welt, von der er nicht zu sein scheint.

Ducati bricht den Bann

24 MotoGP-Rennen musste man bei Ducati auf einen Podiumsplatz warten. In Austin konnte Andrea Dovizioso diese Negativserie der Edelschmiede aus Bologna nun beenden und schaffte als Dritter den Sprung auf das Treppchen. Überglücklich und mit etwas schmalzigem, wenn auch doch liebenswürdigem Pathos lobte er danach die Einstellung seines Teams, das trotz aller Enttäuschungen und Rückschläge nie aufgegeben, ständig hart gearbeitet und stets gekämpft habe. Tugenden, die so mancher nicht unbedingt als die Stärken Ducatis sieht, die man aber auf jeden Fall Dovizioso in diesem Rennen nicht abstreiten konnte. Von Startplatz zehn aus arbeitete sich der zehnfache Grand-Prix-Sieger Position um Position nach vorne, bis er schließlich fünf Runden vor Ende den dritten Rang von Stefan Bradl übernehmen konnte und diesen auch nicht mehr hergab. Der Fluch, der auf den Roten lastete, scheint also vorerst besiegt. Ob die Ducatisti diesen bösen Geist selbst vertreiben konnten, oder doch die Dorna und FIM durch ihr Open-Factory-Chaos Ghostbuster gespielt haben, ist eine andere Geschichte.

Vinales macht den Marquez

Na, an wen erinnert uns wohl dieser Fahrstil? - Foto: Milagro

Den Piloten der Moto2 und in weiterer Folge auch der MotoGP müssen schon kalte Schauer über den Rücken laufen, wenn sie die Parallelen sehen, die sich zwischen Marc Marquez und Maverick Vinales auftun. Der erstere kam im Vorjahr als Weltmeister in die nächsthöhere Klasse, zeigte bereits in Rennen eins eine starke Leistung und holte sich dann bei seinem zweiten Grand Prix in Austin direkt den Sieg. Was macht nun Vinales? Er schnappt sich 2013 in Valencia den Moto3-Weltmeistertitel, steigt als Champion in die Moto2 auf, verpasst dort als Vierter in Katar nur knapp das Podium und fährt die schnellste Rennrunde. Beim nächsten Rennen, natürlich in Austin, macht es der 19-jährige Vinales seinem zwei Jahre älteren Landsmann Marquez dann gleich, gewinnt seinen zweiten Grand Prix in der neuen Klasse und ist damit endgültig in der Moto2 angekommen. Nicht ausgeschlossen, dass seine Saison das selbe Ende findet, wie das erste Jahr von Marc Marquez in der Königsklasse.


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