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MotoGP - Die Erkenntnisse des Saisonauftakts

Wie in der guten alten Zeit. Nur anders.

Die MotoGP 2014 macht vieles neu, und einiges wie früher. Manches ändert sich auch nie. Wir haben den Überblick.
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Motorsport-Magazin.com - Die erste Schlacht ist geschlagen, der Grand Prix von Katar 2014 ist vorüber. Ein unterhaltsamer und kurzweiliger Start in die Saison 2014, der teilweise schon recht gut erahnen ließ, was uns in diesem Jahr erwartet. Motorsport-Magazin.com hat für euch die wichtigsten Erkenntnisse aus der Wüste.

Die MotoGP ist so ausgeglichen wie seit Jahren nicht

Solche Bilder gab es 2013 meist nur in den ersten Runden - Foto: Honda

Im Vorjahr war die MotoGP im Wesentlichen ein Dreikampf zwischen Marc Marquez, Jorge Lorenzo und Dani Pedrosa mit vereinzelten Gastauftritten anderer Piloten. In dieser Saison sieht das ganz anders aus. Das spanische Trio wird natürlich nach wie vor meist um Siege und die Weltmeisterschaft kämpfen, es gibt aber rund ein halbes Dutzend weiterer Fahrer die mit der Spitze mithalten können. Schon die Zeitabstände im Qualifying von Katar sprachen Bände. Dani Pedrosa lag als Sechster gerade einmal 0,196 Sekunden zurück, Pol Espargaro verlor als Zwölfter im Q2 auch nur gut sechs Zehntel. Zum Vergleich: 2013 belegte Pols Bruder Aleix diese Position, sein Rückstand betrug damals mehr als 2,3 Sekunden.

Diese extreme Dichte sollte sich dann auch im Rennen zeigen. Auch wenn am Ende nur Rossi und Pedrosa wirklich knapp an Sieger Marquez dran waren, konnten doch sechs weitere Piloten ähnliche Rundenzeiten wie die Spitze fahren. Da wäre zum einen der Viertplatzierte Aleix Espargaro, der seine Chancen schon mit zwei Abflügen im Qualifying zunichte machte, sowie die im Rennen gestürzten Jorge Lorenzo, Stefan Bradl, Alvaro Bautista, Bradley Smith und auch Andrea Iannone. Der Italiener lag trotz eines Crashs am Ende immerhin nur 43 Sekunden zurück.

Es war wie in den alten Zeiten.
Valentino Rossi

Valentino Rossi freute sich über die Ausgeglichenheit im Feld und fühlte sich in die ersten Jahre der MotoGP zurückversetzt: "Es war wie in den alten Zeiten, vor zehn Jahren oder so. Wir waren alle nahe beieinander und niemand ist ohne Fehler geblieben, aber jeder hatte in etwa dieselbe Pace. Ich glaube, dass die Organisatoren der MotoGP ihr Ziel erreicht haben, denn so machen die Rennen nicht nur uns Fahrern Spaß sondern auch den Fans."

Marc Marquez kann auch eine Verletzung nicht stoppen

Am Ende hatte Marquez knapp die Nase vorne - Foto: Milagro

Anfang Februar gab es die Hiobsbotschaft für Marc Marquez, der Weltmeister hatte sich bei einem Dirttrack-Unfall das Bein gebrochen, mehrere Wochen Pause waren nötig. Die Spekulationen kochten hoch: Wie groß wird sein Nachteil zu Saisonbeginn sein? Wird er in Katar überhaupt starten? Ist Marquez' Mission Titelverteidigung bereits vor dem Auftakt gescheitert?

Alles Blödsinn! Marquez tastete sich im Laufe des Wochenendes langsam an das Limit heran, zeigte in Qualifying und Rennen aber nicht den Ansatz einer Schwäche und entschied den Grand Prix von Katar in einem ebenso packenden wie kräfteraubenden Duell mit Valentino Rossi für sich. Eine Rückkehr im Stil eines wahren Champions, die auch bewies, dass die Konkurrenz nicht auf eine Schwächung Marquez' durch weitere Verletzungen hoffen, sondern lieber die eigene Pace in Zeittraining und Rennen deutlich nach oben schrauben sollte. Ansonsten wird dem Mann mit der Nummer 93 in diesem Jahr nur sehr schwer beizukommen zu sein.

Spritsparen ist angesagt

Das neue Reglement bringt eine neue Dimension in die MotoGP. Sowohl die Piloten der Factory-Klasse mit 20 Litern Benzin als auch ihre Open-Konkurrenten mit 24 Litern Sprit haben so ihre Probleme mit dem Verbrauch. Bei den Factory-Bikes dürfte das Problem hauptsächlich Yamaha treffen. Jorge Lorenzo, Bradley Smith und Pol Espargaro konnten das Rennen zwar aus anderen Gründen nicht beenden und lieferten daher keine aussagekräftigen Werte, Valentino Rossi bestätigte aber, auf den Geraden das ein oder andere Mal lieber im Windschatten der Konkurrenz geblieben zu sein, um so entscheidende Liter zu sparen.

Ich hatte extrem viel Wheelspin, dabei verbrennt man eine Menge Sprit ohne jeglichen Nutzen.
Michael Laverty

Die Ducati-Werksfahrer, die zwar in der Factory-Klasse starten, aber aufgrund geringer Erfolge in der Vergangenheit die Open-Vorteile und somit 24 Liter Sprit nutzen dürfen, hatten ebenfalls Probleme. Cal Crutchlow blieb auf der Auslaufrunde mit leerem Tank stehen. Dasselbe Schicksal ereilte auch PBM-Pilot Michael Laverty. Der Grund für den deutlich höheren Spritverbrauch im Vergleich zu Honda und Yamaha dürfte in beiden Fällen der gleiche sein. Durch die ausgefeilte Elektronik können die großen japanischen Hersteller den zur Verfügung stehenden Sprit effizienter nützen, während man bei Ducati oder den Open-Teams viel Treibstoff unnütz verbrennt. Das musste auch Laverty eingestehen: "Ich hatte extrem viel Wheelspin. Das Hinterrad ist über das gesamte Rennen durchgedreht. Dabei verbrennt man eine Menge Sprit ohne jeglichen Nutzen, deshalb habe ich die gesamten 24 Liter verbraucht."

Rossi ist zurück! Wieder einmal

Rossis Freude über Platz zwei war groß - Foto: Milagro

Der Doktor gibt einfach nicht auf. So oft wurde Valentino Rossi schon abgeschrieben. Ein ums andere Mal heißt es, er sei zu alt, nicht mehr topmotiviert, könne mit den jüngeren Konkurrenten nicht mehr mithalten. Und jedes Mal straft er die Kritiker Lügen. In der zweiten Saisonhälfte 2013 hatte Rossi gegen das spanische Spitzentrio Marquez, Lorenzo und Pedrosa de facto keine Chance, doch beim diesjährigen Saisonauftakt sah die Sache schon ganz anders aus. Während sich Lorenzo und zahlreiche andere Konkurrenten in den Kies verabschiedeten, fuhr der Italiener ein überlegtes aber dennoch permanent schnelles Rennen, ließ Dani Pedrosa hinter sich und musste sich Marc Marquez nur hauchdünn geschlagen geben. Natürlich ist erst ein Rennen gefahren und die Saison vor allem für einen 35-Jährigen noch sehr lange, aber in dieser Form ist dem Altmeister alles zuzutrauen, auch der Weltmeistertitel.

Ducati helfen alle Zugeständnisse nichts

Die Roten bleiben das große Sorgenkind der Königsklasse. Nun hat man dem Ducati-Werksteam bereits die Vorteile der kleinen Teams zugänglich gemacht und sie haben dennoch gegen die Konkurrenz von Honda und Yamaha so gut wie keine Chance. Die Positionen fünf und sechs für Andrea Dovizioso und Cal Crutchlow mögen zwar einen relativ positiven Eindruck machen, doch wirklich nah dran war man der Spitze nie. Doviziosos Rundenzeiten waren im Schnitt rund eine halbe Sekunde langsamer als die der Spitze, Crutchlow lag noch dahinter. Hätten sich die Favoriten an der Spitze nicht nach der Reihe selbst ins Out befördert, wäre für Ducati wohl nicht viel mehr als Rang zehn drinnen gewesen.


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