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MotoGP - Auslaufrunde - Der etwas andere Rückblick

Under Down oder so

Schnöde Rückblicke ade. Motorsport-Magazin.com nimmt das absolut chaotische Rennwochenende in Australien lieber etwas kritisch unter die Lupe.
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Motorsport-Magazin.com - Ja, wir sind verwirrt - stehen damit aber garantiert nicht alleine da. Wer sich an dieser Stelle wundert, warum das mit der Auslaufrunde dieses Mal so lange gedauert hat, bekommt hier die Erklärung: Nach den ganzen durchgemachten Nächten und dem ganzen Reifen-Runden-Titel-oder-nicht-Chaos in Australien brauchte wohl jeder erst einmal etwas Luft, um richtig kräftig durchzuatmen. Puuuuh! Hätte sich der 16. Grand Prix des Jahres nicht zu einem derartigen Drama-Rennen entwickelt, hätten wir uns an dieser Stelle erst einmal ausgedehnt darüber gefreut, dass Casey Stoner einmal wieder an der Strecke war und dass Jorge Lorenzo mit einer Möwe in der Verkleidung zur Bestzeit gefahren ist. Wurde das Moto2-Rennen gekürzt, damit Wayne Gardner, Mick Doohan und Stoner in Ruhe ihre Paraderunden fahren können? Möglich ist alles. Für mehr Vermutungen bleibt an dieser Stelle aber leider keine Zeit, also gehen wir direkt zu den wichtigsten Themen über.

 Diese 'Hat Lorenzo 'nen Vogel?' Geschichte sparen wir uns jetzt einmal… - Foto: Yamaha Factory Racing

Die Australier blätterten ungefähr drei Millionen Euro hin, um Phillip Island einen neuen Belag zu verpassen. Schon bei den Superbikes im Februar gab es einige Probleme. Warum um alles in der Welt, ist Bridgestone nicht schon vor acht Monaten auf die Idee gekommen, dass der Zusatzgrip dort eine Schwierigkeit darstellen könnte? "Das war eine einzigartige Situation. Nach dem Warm-Up haben wir die Reifen der Fahrer analysiert, um herauszufinden, wie sie auf einem Long-Run halten und es wurde deutlich, dass wir die maximale Zeit der Hinterreifen auf zehn Runden herunterkorrigieren mussten", beschrieb Shinji Aoki von Bridgestone.

Klar, kein Problem, ändern wir nach 500 neuen Reglement-Dingen eben auch noch einmal die Rundenzeit und die Vorschriften zum Wechsel im trockenen Flag-to-Flag-Rennen. Was für ein Durcheinander! Reines Chaos, Presseverbot in der Boxengasse, nervöse Teammitglieder, verrückte Welt. Kein Wunder, dass die Crew von Marc Marquez sich da mal in einer kleinen Zahl irrt. Nur schade, dass diese Zahl eben enorm wichtig war und dem WM-Leader 25 Punkte gekostet hat. Eines muss man Bridgestone und den Verantwortlichen aber lassen: Das Renn-Format hat richtig Spannung reingebracht. Muss auf Dauer aber wirklich nicht sein.

Als wäre das ganze Umstieg-Geschäft in der Boxengasse und die Disqualifikation von Marquez nicht schon genug, sorgte auch die Kollision zwischen dem Rookie und Lorenzo für Zündstoff. Während die einen Lorenzo die Schuld zuschieben wollen, weil der in der ersten Kurve zu weit rauskam, wollen andere Marquez am liebsten noch eine Strafe aufbrummen, weil der beim Rausfahren nicht richtig geschaut hat. Rechts vor links - das weiß doch jeder. Aber abgesehen davon: Das war endlich einmal eine Marquez-Aktion, für die wirklich keiner eindeutig zur Verantwortung gezogen werden kann. Zudem spielt die ganze Aktion im Rennausgang und in der WM absolut keine Rolle. Also abregen, Leute.

Strafe muss sein

Eine große Rolle spielt dagegen die Disqualifikation. Jeder Fahrer, jedes Team und alle Leute im Fahrerlager bekamen immer wieder gesagt, dass der Wechsel keinesfalls nach der zehnten Runde stattfinden darf. Bridgestone warnte, dass der Hinterreifen danach kaputt gehen kann. Marquez brachte also nicht nur sich selbst, sondern auch alle seine Konkurrenten auf der Strecke in große Gefahr. Ja, eigentlich konnte er nichts dafür, ein Fahrer verlässt sich schließlich auf seine Crew. Doch, dass es mit Disqualifikation bestraft werden würde, wussten ebenso alle Leute zuvor. HRC-Boss Shuhei Nakamoto sah es selbst ein: Widerstand zwecklos.

Ha, disqualifiziert! - Foto: Milagro

Sicherlich ist eine schwarze Flagge eine harte Sache, aber wenn man all die Aktionen bedenkt, bei denen Marquez zuvor glimpflich davongekommen war, hat hier wohl einfach mal das Schicksal für Gerechtigkeit gesorgt. Und keine Angst: Den Titel holt der schnelle Rookie unter Garantie trotzdem. Viel ungerechter war das Schicksal zu Scott Redding. Der Moto2-Pilot hat den Titel wahrlich verdient. Sicherlich gönnen wir den auch Pol Espargaro. Nur schade, dass der jetzt gegen einen Fahrer im Krankenhaus kämpft und nicht auf der Strecke. Auch für Dunlop gehen die Daumen übrigens tief nach unten.

Rossi zu Lorenzo: Disqualifiziert!

Zum Abschluss widmen wir uns noch einmal der Pressekonferenz nach dem Rennen, die wahrlich amüsant war. Pedrosa beschwerte sich: "Alle fünf Minuten haben sich die Regeln geändert. Pit-Stopps, erst 26 Runden, dann 13, natürlich war es schwer zu wissen, wann man dann nun in die Box fahren muss: Am Anfang der neunten Runde oder am Ende? Man weiß es nicht genau." Der kleine Spanier wechselte instinktiv. Bei Yamaha lief das etwas anders:

Lorenzo: "Wir haben entschieden, so spät wie möglich zu wechseln, also in Runde elf."
Rossi: "Ha, disqualifiziert!"
Lorenzo: "Ach ja, in Runde zehn." [lacht]
Rossi: "Zuerst wollte ich am liebsten schon in der ersten Runde Wechseln. Am Ende war es mir egal, ich wollte nur nicht mit Jorge in der Boxengasse zusammenstoßen. In der Runde, als sie mir zum ersten Mal 'Box' anzeigten, war ich gerade im Kampf mit Bautista, also habe ich das Pitboard nicht gesehen. Dann ist Bautista reingefahren und ich dachte mir 'F***, dann muss ich in der nächsten Runde rein'."

Wann auch immer, Rossi hat es aufs Podest geschafft, während sein Teamkollege sein Imperium mit dem ersten Phillip-Island-Sieg weiter ausbaute. Vor lauter Trubel und Aufregung hat er aber wohl selbst vergessen, die Lorenzos-Land-Flagge in den australischen Kies zu pflanzen. Naja, vielleicht nächstes Jahr - sollte dann noch irgend ein Kraut gegen Marquez gewachsen sein.


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