MotoGP - Interview - Bridgestone-Chefingenieur Masao Azuma

Unerwartete Hitze

Der Grand Prix von Spanien fand bei strahlendem Sonnenschein statt, was in Jerez zur höchsten Asphalttemperatur seit Jahren führte.

Motorsport-Magazin.com - Streckentemperaturen von rund 53 Grad machten den Großen Preis von Spanien am Circuito de Jerez zu einem Härtetest für Fahrer, Maschinen, aber auch für die Reifen. Bridgestone-Chefingenieur Masao Azuma erklärt im Interview, wie diese Hitze die Reifenwahl der Piloten beeinflusste.

Die Streckentemperaturen in Jerez waren so hoch wie schon seit Jahren nicht mehr. Trotzdem wählten alle Fahrer den weicheren Hinterreifen. Können Sie erklären warum?
Masao Azuma: Fahrbahntemperaturen von über 50 Grad beim ersten Europarennen der Saison sind schon sehr ungewöhnlich, aber wir waren mit der harten Reifenmischung trotzdem gut vorbereitet. Bei derart hohen Temperaturen hatten wir erwartet, dass viele Fahrer am Hinterrad den harten Slick wählen würden. Aufgrund der schmierigen Oberfläche des Kurses haben sich die Piloten jedoch für die weichere Mischung entschieden, um in den Kurven möglichst viel Grip zu haben. Die Fahrer erklärten uns, dass der Grip der härteren Reifen beim Aufrichten der Maschine am Kurvenausgang besser war als der der weichen. Dafür war der Grip der weichen Mischung, selbst bei derart hohen Temperaturen, in den Schräglagen deutlich besser, was auf der kurvenreichen und flüssigen Strecke von Jerez besonders wichtig ist. Außerdem ergaben Rennsimulationen in den Trainingssessions, dass die Haltbarkeit des weichen Slicks für die Renndistanz vollkommen ausreichend sein wird. Deshalb haben sich im Rennen alle Piloten für diese Mischung entschieden.

Die Tatsache, dass unser weicher Reifen bei derart unterschiedlichen Temperaturen funktioniert und noch dazu eine gute Performance über eine gesamte Renndistanz ermöglicht, ist sehr positiv für uns. In Austin hatten wir schon eine ähnliche Situation. Dort haben auch nur zwei Piloten den harten Hinterreifen gewählt, aber einer davon war Marc Marquez und er hat das Rennen gewonnen. Die Fahrer konnten also mit der harten Mischung ähnliche Zeiten fahren wie mit der weichen. Das war in Jerez nicht möglich. Das hat vor allem mit der Art des Asphalts und den hohen Temperaturen dort zu tun. Wir werden die Daten aus dem Rennen nun analysieren und überprüfen, ob wir daraus für die nächsten Rennen und unsere Reifenentwicklung irgendwelche Lehren ziehen können.

Auch bei der Wahl der Vorderreifen waren sich die Piloten einig. Hier wählten jedoch alle die härtere Mischung. Eine Entscheidung, die eigenartig wirkt.
Masao Azuma: In Jerez benötigen die Piloten nicht nur guten Grip in den Schräglagen, um eine gute Kurvengeschwindigkeit zu erreichen, sondern auch ein stabiles Vorderrad in den Bremszonen und am Kurveneingang. Bei niedrigen Temperaturen ist es oft schwierig, den härteren Vorderreifen auf Temperatur zu bringen, doch in Jerez stellte das kein Problem dar. Deshalb konnten die Fahrer die härtere Mischung wählen, die ihnen mehr Stabilität am Vorderrad verleiht. Trotz der schwierigen Bedingungen gab es in Sachen Gripniveau keinen großen Unterschied zwischen den beiden Mischungen für den Vorderreifen. Also haben die Piloten die härtere gewählt, weil sie dadurch ein stabileres Vorderrad haben. Manche Piloten hätten sich sogar einen noch härteren Vorderreifen gewünscht, aber in Anbetracht der wirklich ungewöhnlichen Temperaturen war unsere Wahl denke ich korrekt.

Jedes der bisherigen drei Rennen bot vollkommen unterschiedliche Strecken- und Witterungsbedingungen. Haben Sie dabei etwas über die Performance der diesjährigen MotoGP-Maschinen gelernt, das sie für die Konstruktion zukünftiger Reifen verwenden können?
Masao Azuma: Im Zuge unseres MotoGP-Entwicklungsprogramms sammeln wir ständig Daten, analysieren die Reifen und holen das Feedback der Piloten ein. Das Gewicht der Maschinen hat sich in dieser Saison um drei Kilogramm erhöht. Außerdem hatten die Teams nun bereits ein Jahr Zeit, sich auf unsere neueste Generation von MotoGP-Reifen einzustellen. Wir untersuchen nun, welchen Einfluss das auf die Performance der Reifen hat, und versuchen daraus unsere Lehren für die nächste Generation zu ziehen. Nach den Testfahrten vor der Saison und den drei Rennwochenenden haben wir nun eine ausreichende Menge an Daten, um mit der Entwicklung der 2014er-Modelle zu beginnen, die wir den Fahrern noch in diesem Jahr vorstellen werden.


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