MotoGP - Kommentar: Marquez, der geborene Champion

Knallhart und pfeilschnell

Nach seinem eindrucksvollen Sieg in Austin zeigte Marc Marquez in Jerez, dass er auch eine weitere Eigenschaft großer Champions besitzt: Härte.
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Motorsport-Magazin.com - Marc Marquez' Überholmanöver in der letzten Kurve des Grand Prix von Spanien gegen Jorge Lorenzo war an der Grenze des Erlaubten. Eine äußerst mutige und optimistische Attacke. Die Lücke, die Weltmeister Jorge Lorenzo vor der nach ihm benannten Kurve offen lässt, ist nicht groß. Doch sie ist groß genug. Der Rückstand von Marquez vor Kurve 13 ist nicht gering. Doch er ist gering genug. Der Rookie sieht seine Chance. Die Chance, als jüngster Pilot der Geschichte alleiniger WM-Führender zu sein und den zweifachen Weltmeister Lorenzo hinter sich zu lassen.

Also reitet er die Attacke und presst sich mit seiner Honda in der Bremszone neben seinen routinierten Landsmann. Marquez ist in dieser Phase absolut am physikalischen Limit, vielleicht sogar etwas darüber hinaus. Er berührt Lorenzos Yamaha, der Spanier muss die Strecke verlassen. Hätte Marquez nicht seinen Gegner als Leitplanke gehabt, wäre wohl er derjenige gewesen, der neben der Strecke gelandet wäre. Doch der erst 20-Jährige kommt heil durch die letzte Kurve dieses Rennens, sichert sich Rang zwei und die alleinige WM-Führung.

Ich dachte keine Sekunde daran, dass ich bestraft werden könnte.
Marc Marquez

Ein Manöver, das nicht nur physikalisch hart am Limit war. Auch im Regelwerk bewegt sich Marquez damit an der Grenze zwischen möglich und nicht möglich. Ob er daran einen Gedanken verschwendete? "Ich dachte keine Sekunde daran, dass ich bestraft werden könnte. So etwas ist in der letzten Kurve schon öfter passiert", stellte der MotoGP-Rookie klar. In der Tat ist diese Kompromisslosigkeit eine Eigenschaft, die er sich mit einigen der größten Motorrad-Piloten der Geschichte teilt. Zwei von ihnen ritten in der selben Kurve die praktisch gleiche Attacke, und beide gingen als Sieger aus ihren Duellen hervor. Es handelt sich um niemand geringeren als Mick Doohan und Valentino Rossi.

Valentino Rossi drängte sich 2005 an Sete Gibernau vorbei - Foto: Yamaha Racing

Mick Doohan, fünffacher Weltmeister in der Königsklasse, überholte 1996 Alex Criville in dieser ominösen Kurve 13 in der letzten Runde. Der Spanier kam zu Sturz, Doohan siegte. 2005 war es Valentino Rossi, der sich an Sete Gibernau vorbeidrückte. Gibernau musste ins Kiesbett, Rossi siegte. Auffällige Parallelen zwischen diesen drei Aktionen und den Piloten, die sie ausführten.

Es ist wohl einfach dieses Gen, das alle großen Rennfahrer in sich tragen. Dieser unbändige Siegeswille, der sie dazu bringt, am Ende eines Rennens alles zu versuchen, um den Gegner noch zu überholen. Jorge Lorenzo gab Marc Marquez in Jerez dazu die Möglichkeit, er ließ die Tür am Kurveneingang ein Stück zu weit offen. Genau darauf hatte der Jungspund gewartet. Er nutzte seine Chance eiskalt aus. Diese Attacke zeigt, vielleicht noch mehr als sein Triumph in Austin, aus welchem Holz dieser junge Mann aus Katalonien geschnitzt ist. Es ist der Stoff, aus dem nur die Allergrößten gemacht sind.


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