MotoGP - Auslaufrunde - Der etwas andere Rückblick

Durchatmen und weitermachen

Schnöde Rückblicke ade. Motorsport-Magazin.com nimmt das Auftaktwochenende in Katar lieber etwas kritisch unter die Lupe.
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Motorsport-Magazin.com - Was für ein Auftakt! Bei dieser Action muss man nach knapp fünf Stunden aus Warm-Up und Rennen - und das allein zum Rennsonntag - doch erst einmal kräftig durchatmen. Puh! Beim Rekapitulieren des Auftaktwochenendes weiß man eigentlich gar nicht so recht, wo man beginnen soll. Am besten wohl beim neuen Quali-Format. Das ist sicher für die schreibende Zunft der MotoGP etwas aufwändiger als zuvor, am Ende liefert es aber nicht nur Fahrern und Fans, sondern auch den Journalisten eine Menge Spannung. Also geht der Daumen klar nach oben.

Jorge Lorenzo leuchtete beim Auftakt - Foto: Milagro

Sicher stand Jorge Lorenzo am Sonntag nicht im Mittelpunkt. Doch der Spanier gewann zufälligerweise das erste Saisonrennen und das obwohl seine Yamaha nicht nur im letzten Jahr, sondern auch bei den Vorsaisontests der Honda unterlegen schien. In der Wüste hat die M1 auf jeden Fall bestens funktioniert und mit fast sechs Sekunden Vorsprung und Podium Nummer 99 bewies Lorenzo, warum er gleich nochmal Weltmeister ist. Aber wen interessiert das schon? Schließlich waren aller Welt Augen auf Valentino Rossi gerichtet.

"The Doctor is back" - ja das steht wohl fest. Rossi hatte nicht einmal ein einfaches Rennen, sondern musste sich mit Doviziosos und Bradls herumärgern, die ihm den Weg zur Spitze versperrten. Doch der Italiener hatte sich eben vorgenommen, auf der Yamaha wieder zu glänzen. Das ist ihm definitiv gelungen. Aber wenn wir die rosarote 46er-Brille einmal absetzen, dürften wir zum einen bemerken, dass Andrea Dovizioso in der Qualifikation - auf der Ducati, mit der Rossi nicht zurechtkam - sogar vor seinem Landsmann landete und zum anderen sollte auffallen, dass der neunfache Weltmeister auf gutem Material zwar schnell und sicher zu Siegen fähig, aber noch längst nicht der eigentliche Held des Tages war.

Der Rookie of the Year dürfte schon feststehen

Die Krone für den besten Auftritt in Katar darf sich definitiv Marc Marquez aufsetzen. Sicher, alle haben vom Rookie schon vor der Saison eine Menge erwartet und ihre letzten Cent auf ihn gesetzt, aber wie sicher war es denn, dass er im ersten Rennen bis aufs Podest kommt? Die Qualifikation sah da nämlich noch ganz anders aus und entspräche eher einem guten Neuling. Der Spanier kämpfte sich sogar an Dani Pedrosa vorbei und hielt bei Rossi ordentlich gegen.

Rookie of the Year - Foto: Milagro

Dabei sollte es besonders den Verehrern des Italieners zu denken geben, dass Rossi bereits sein 217. Rennen in der Königsklasse startete und Marquez sein Erstes. Aber schließlich wollen wir keine Leistung schmälern. Der Rossi-Marquez-Kampf war definitiv das Highlight des Rennsonntages und hat viele Fanherzen höher schlagen lassen. Genau das ist es, was der Rennsport braucht. Ein Valentino Rossi als Vermarktungskanone im Zweikampf setzt dem 'i' dabei natürlich noch das Tüpfelchen auf. Also großen Respekt an die Top-3 und Gratulation an Yamaha.

Was mit Dani Pedrosa los war, ist kaum ersichtlich. Er konnte zwar lange an der Spitze mithalten, hatte aber nicht wirklich etwas entgegenzusetzen. Seltsam, gerade als es so aussah, als sei er aus seinem Startloch herausgekrochen. Obwohl der Rookie seinen Teamkollegen dieses Mal geschlagen hat, sollte Pedrosa aber keinesfalls abgeschrieben werden. Mit 13 Punkten nach dem ersten Rennen ist sein erster wohlverdienter MotoGP-Titel noch lange nicht verloren. Verloren schien hingegen Stefan Bradl. Sturzursache: Ungeklärt. Schade für die deutschen Fans, schließlich hatte der LCR-Fahrer mit seiner guten Quali eine Menge Hoffnung gemacht. Aber in zwei Wochen geht es ja schon weiter.

In zwei Wochen geht auch die Arbeit für Ducati weiter. Wir sollten eben keine Wunder erwarten, es wurde klipp und klar gesagt, dass eine Besserung nur Schritt für Schritt möglich ist. Obwohl Dovizioso nicht die große Überraschung gelang, bewies er in der Wüste schon einmal, dass er für die Italiener wohl die richtige Wahl war. Ein Lob geht auch an Alvaro Bautista, der nach seiner Verletzung am Finger sogar als Sechster ins Ziel kam. Gleiches gilt für Ben Spies mit angeschlagener Schulter und letztlich sollte auch nicht übersehen werden, dass Rossis Kumpel Andrea Iannone einen durchaus soliden Rookie-Start hingelegt und sogar noch Taxi für seinen Freund gespielt hat.

Marcel Schrötter hat es doch drauf - Foto: Team SAG

Was noch zu sagen ist

Noch einen Tick spannender waren die Rennen in der Moto3 und der Moto2. Jonas Folger konnte sich zwar nicht gegen die Spanier durchsetzen, blieb aber bis auf den letzten Zentimeter dran. Auch der Moto3-Nachwuchs gab sein Bestes. Coolster deutschsprachiger Fahrer war in Katar aber Dominique Aegerter, der nach starkem Start zwar zurückfiel, aber nicht wie im letzten Jahr im mittleren Feld blieb, sondern sich wieder bis zum vierten Platz nach vorne kämpfen konnte. Stark war auch Marcel Schrötter. Am Ende hatte es für ihn zwar nicht ganz zum Top-10-Platz gereicht, aber der Aufwärtstrend war deutlich sichtbar. Sandro Cortese fuhr ein anständiges Debüt-Rennen in der mittleren Kategorie und wird in dieser Saison sicherlich noch den ein oder anderen Punkt mit nach Hause nehmen.

Alles in allem: Ein gelungener Auftakt. Wir bedauern die Renn-Ausfälle und die wüstenähnlichen Streckenverhältnisse, bedanken uns aber gleichzeitig bei Streckenchef Nasser Khalifa Al-Attiya für die Ausleuchtung des Katar International Circuit und vor allem bei den Fahrern aus Moto3, Moto2 und MotoGP für drei unheimlich spannende Rennen. Jetzt haben wir zwei Wochen Zeit, um noch einmal kräftig durchzuatmen und uns auf die nächsten 17 Rennen zu freuen, die dem super gelungenen Auftakt 2013 unter Garantie um nichts nachstehen.


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