MotoGP - History-Special: Spanien

Páginas de los días grandes

Die Spanier lieben und leben den Motorradsport. Somit ist es kaum verwunderlich, dass das Land bereits 13 Weltmeister hervorbrachte.
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Motorsport-Magazin.com - Nicht nur die Phönizier, die Mauren, Karl V. und die Araber fühlten sich in Spanien wohl, auch die MotoGP besucht das Land auf der iberischen Halbinsel unter allen anderen Staaten am meisten - vier Mal in einer Saison. Auch historisch hat das Land der Tapas und Toreros in der Zweiradwelt einiges zu bieten. Viele große Namen werden mit der Flamenco-Nation verbunden. Dazu hat es der spanische Motorradhersteller Derbi mit zwölf Fahrer-WM-Titeln und neun gewonnen Konstrukteurs-Titeln zu weltweitem Ruhm gebracht. Die spanische Geschichte in der Motorrad-Weltmeisterschaft liest sich wie ein offenes Buch. Vamos, beginnen wir auf Seite eins.

Kapitel 1 - Angel Nieto

Der bis heute bedeutendste Motorradrennfahrer aus Spanien ist Angel Nieto. Er fuhr von 1969 bis 1984 im Grand Prix und räumte in dieser Zeit 13 Weltmeistertitel ab. Gleich in seinem ersten Jahr auf Weltniveau konnte der heute 65-Jährige auf der 50cc Derbi den Titel gewinnen. Schon ab der folgenden Saison startete er nicht nur in der 50er-Kategorie, sondern auch in der 125cc-Klasse. In jedem Jahr außer 1973, 1978 und 1980 gewann Nieto eine Weltmeisterschaft. Neben Derbi fuhr er auch auf Bultaco, Garelli Kreidler und Minarelli - er kam einfach auf jeder Maschine zurecht. Nach insgesamt 90 gewonnenen Grand Prix bei 186 Starts verehrt ihn seine Nation noch heute. Zur Anerkennung von Nietos Leistung feierten ihn die Spanier sogar mit einer Wachsfigur im Kabinett in Barcelona. Seine Leidenschaft hat der Racer aus Zamora an seinen Sohn Pablo Nieto und an seinen Neffen Fonsi Nieto weitergegeben. Beide waren einige Jahre selbst aktiv, konnten den Erfolg, den der Familienname mit sich brachte, allerdings nicht wiederholen. Pablo Nieto ist heute Teammanager bei Laglisse in der Moto3.

Sito Pons ist auch heute noch im MotoGP-Fahrerlager anzutreffen - Foto: Honda

Kapitel 2 - Sito Pons

Alfonso Pons i Ezquerra startete ab 1981 im Grand-Prix-Zirkus. Erst sieben Jahre später konnte der Katalane seinen ersten WM-Titel auf Honda in der Viertelliterklasse holen und war damit der erste Spanier in dieser Kategorie, dem dieses Kunststück gelang. Auch die Titelverteidigung klappte in der folgenden Saison noch tadellos. Dann stieg Pons in die 500cc-Klasse auf, wo er allerdings nicht an alte Erfolge anknüpfen konnte und ab 1992 lieber sein eigenes Team gründete. Mit dem Honda Team Pons feierte er Siege mit Àlex Crivillé, Alberto Puig, Carlos Checa, Alex Barros und Loris Capirossi. Auch heute ist der 52-Jährige noch im MotoGP-Fahrerlager anzutreffen. Pol Espargaro, Esteve Rabat und der Sohn der spanischen Legende, Axel Pons, starten in der Moto2 für das Pons 40 HP Tuenti Team.

Kapitel 3 - Àlex Crivillé

In den 90er Jahren war Àlex Crivillé einer der Vorzeige-Spanier in der Motorrad-WM. Bereits 1989 holte er sich seinen ersten WM-Titel, damals in der 125er Klasse. Zehn Jahre später wurde er schließlich auf Honda Weltmeister in der Königsklasse und machte sich damit in seinem Heimatland unsterblich. Noch vor dem Beginn der Saison 2002 trat er aus gesundheitlichen Gründen zurück. So ganz konnte Crivillé die Finger aber nicht vom Rennsport lassen: Er fuhr ein paar Rallyes, betreute ein Jahr lang Toni Elias und war danach als TV-Kommentator tätig. Vor zwei Jahren erschien seine Autobiografie. Der 20-fache Grand-Prix-Sieger verfolgt die Motorrad-WM auch noch heute, allerdings aus einer anderen Perspektive.

Kapitel 4 - Emilio Alzamora

Emilio Alzamora debütierte 1994 auf einer Honda in der 125ccm-Klasse. Schon ein Jahr später feierte er in Argentinien seinen ersten GP-Sieg. Doch erst 1999 gelang ihm der erste WM-Titel in der Achtelliterklasse und das ohne einen einzigen Sieg. Er fuhr jeweils fünf zweite und fünf dritte Plätze ein, punktete in jedem Rennen und wurde mit 227 Zählern am Ende knapp vor Marco Melandri Weltmeister. Trotz Wechsel in die 250er-Klasse und zurück gelang dem Pilot aus Lleida ein solcher Triumph nicht noch einmal. In seinen 144 Starts kletterte Alzamora insgesamt vier Mal auf die oberste Stufe des Treppchens. Heute ist er bei jedem Grand Prix vor Ort und darüber hinaus für Marc Marquez da.

Auch Dani Pedrosa schrieb sich schon in die spanischen WM-Geschichtsbücher ein - Foto: Milagro

Kapitel 5 - Dani Pedrosa

Dani Pedrosa gab sein WM-Debüt 2001 in Suzuka. Zwei Jahre später eroberte er auf Honda seinen ersten 125cc-Titel. Zwei weitere Weltmeisterschaftsfeiern folgten in der mittleren Kategorie. Seit seinem Aufstieg in die MotoGP 2006 gelang dem kleinen Katalanen dieses Kunststück bisher nicht noch einmal. Pedrosa gehört wegen seiner introvertierten, ruhigen Art zwar nicht zu den Publikumslieblingen, wird von seinen Fans aber trotzdem verehrt. In den letzten Jahren machte er sich nicht nur mit starken Rennen, sondern besonders mit Knochenbrüchen einen Namen in der Königsklasse. Nach einem schweren Sturz in Le Mans musste Pedrosa im letzten Jahr vier Rennen auslassen und landete im Gesamtklassement auf dem vierten Rang. Angesichts seiner 40 GP-Siege scheint der spanische WM-Zug für den 26-Jährigen aber noch lange nicht abgefahren zu sein.

Kapitel 6 - Alvaro Bautista

Sein erstes GP-Rennen bestritt Alvaro Bautista 2002 mit einer Wildcard. Nachdem der Fahrer aus Talavera de la Reina beim Spanien Grand Prix zum ersten Mal den frischen WM-Wind geschnuppert hatte, stieg er ab 2003 in Vollzeit ein. Drei Jahre später wurde er auf Aprilia in der 125er-Klasse Weltmeister. Obwohl Bautista nach seinem Aufstieg auch in der mittleren Kategorie oft gute Chancen hatte, musste er sich nach harten Kämpfen im Gesamtklassement am Ende stets geschlagen geben. 2010 bot sich dem heute 27-Jährigen die Chance zum Aufstieg in die Königsklasse. Dort ist er zwar nicht der erfolgreichste Spanier, allerdings arbeitet Bautista hart daran, sich von seinen Konkurrenten abzuheben.

Kapitel 6 - Jorge Lorenzo

Jorge Lorenzo schrieb sich schon 2002 bei seinem ersten Rennen in Jerez in die MotoGP-Memoiren ein, er wurde bedingt durch das Alterslimit mit 15 Jahren und einem Tag der jüngste Pilot in der Grand-Prix-Geschichte. Auf Aprilia sicherte sich der Mallorquiner 2006 und 2007 den Titel in der 250cc-Klasse und stiegt danach in die MotoGP auf. Dort landete er in seiner Rookie-Saison direkt auf dem vierten Platz, steigerte sich darauf noch einmal bis zum Vizetitel und wurde 2010 der erste spanische MotoGP-Weltmeister. Nachdem er seinen Titel im letzten Jahr nicht verteidigen konnte, gab der 25-Jährige in der neuen 1000ccm-Ära nun alles, um erneut an der Spitze zu landen.

Kapitel 7 - Toni Elias

Auch Toni Elias reihte sich 2010 mit seinem WM-Titel in der Moto2 in die Liste der spanischen Grand-Prix-Sieger ein. Genau zehn Jahre zuvor war der Pilot aus Manresa in seine erste WM-Saison gestartet. Nach stetiger Verbesserung stieg er zwei Jahre später in die 250er-Klasse auf und 2005 schließlich in die MotoGP. Trotz vereinzelt starker Ergebnisse wollte Elías der absolute Durchbruch bis dato in keiner Kategorie gelingen. So stieg er 2010 wieder in die neu geschaffene Moto2 ab, um es ein Jahr danach mit dem WM-Titel in der Tasche noch einmal in der Königsklasse zu probieren - mit wenig Erfolg. Nun versucht sich der 29-Jährige wieder in der Mediumklasse.

Nachwort

Neben all den genannten Namen sollen einige spanische Weltmeister nicht vergessen werden. Ricardo Tormo konnte in den 70er und 80er Jahren zwei 50cc-WM-Titel feiern. Noch heute werden wir am Circuit de la Comunitat Valenciana Ricardo Tormo an ihn erinnert. Auch Jorge Martinez feierte 1986 und 1987 Erfolge. Im Jahr darauf holte er sogar den 80cc- und den 125cc-Titel gleichzeitig. Heute ist er einer der erfolgreichsten Teamchefs in allen drei GP-Klassen. Manuel Herreros holte 1989 einen weiteren 80cc-Triumph nach España. 2009 bis 2001 wurden die Titel der kleinsten Kategorie allesamt unter Spaniern ausgemacht. Julian Simon siegte 2009 auf einer Derbi und wurde von Marc Marquez im Jahr darauf als 125er-Champ abgelöst. Nico Terol schrieb sich mit dem letzten 125cc-Sieg nicht nur in die MotoGP-Geschichtsbücher ein, sondern auch in die Historien der spanischen GP-Gewinner. Allerdings war er 2011 sicherlich nicht der letzte Campéon del Mundo.

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