MotoGP - Simoncelli-Unglück ein ganzes Jahr her

The show must go on

Vor genau 363 Tagen erlebte die Motorradwelt einen der schlimmsten Tiefschläge. Doch es ging weiter, geht weiter und wird weitergehen.
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Motorsport-Magazin.com - "Es ist schon ein Jahr her, aber wenn so etwas passiert, ist es sehr schwer, mit der Zeit zu gehen - es ist immer wie der erste Tag und das auch, weil wir ihn an jedem normalen Tag, besonders im Fahrerlager, sehr vermissen" - Valentino Rossi sprach am Donnerstag zur Pressekonferenz in Sepang so vielen Leuten direkt aus der Seele. Ist es wirklich schon ein ganzes Jahr her? Tatsächlich, Marco Simoncelli ist schon seit fast 365 Tagen einfach nicht mehr da.

Es ist immer wie der erste Tag und das auch, weil wir ihn an jedem normalen Tag sehr vermissen
Valentino Rossi

Vielen Leuten im Fahrerlager und den meisten Fans kommt es dennoch vor, als sei es erst gestern gewesen, dass der charismatische Lockenkopf in jedem MotoGP-Rennen zum Angriff blies, sich einige harte Manöver auf der Strecke leistete und trotz allem als einer der beliebtesten Fahrer gefeiert wurde. Marco Simoncelli faszinierte die Massen und wird in der Startaufstellung schrecklich vermisst. Dank seinen Angehörigen und dem gesamten GP-Paddock durfte die Motorradwelt in diesem letzten Jahr viele emotionale Momente erleben und wurde oft an den Italiener erinnert: Von der Gedenkveranstaltung in Valencia 2011, über den Bicycle Ride von Donington zum Misano World Circuit Marco Simoncelli und der Marco Simoncelli Stiftung, bis hin zum Buch seiner Eltern 'Il nostro SIC'.

Doch wie das Leben so spielt: Die Uhren ticken weiter und Tag um Tag vergeht. Sicherlich vergeht kaum ein Tag, an dem nicht wenigstens einer an Simoncelli denkt und doch werden alle von der Action auf und neben der Strecke abgelenkt und gut unterhalten. Viele deutsche Fans fieberten schon am vergangenen Wochenende mit Sandro Cortese um den Moto3-Titel, es gab viele Stürze, Wirbel, Aufregung und Diskussionsstoff und schließlich in Malaysia einen strahlenden Sieger mit WM-Trophäe in der Hand.

Maverick Vinales verließ urplötzlich sein Team und stand mit gepackten Koffern auf dem Flughafen in Kuala Lumpur, bereit die Saison trotz noch offener Titelchancen einfach zu beenden. Viele andere Fahrer wurden schlichtweg ersetzt, Geld spielt die Hauptrolle und jeder kann sich darüber auslassen. Währenddessen drückten viele spanische Fans Marc Marquez - an diesem Wochenende vergeblich - die Daumen auf seinem harten Weg zum Titel. Schließlich war in dieser Saison bisher keines der Moto3- oder Moto2-Rennen auch nur annähernd an Spannung zu übertreffen.

Sandro Cortese war 2012 nicht der Einzige, der für Spannung und Gesprächsstoff sorgte - Foto: KTM

Und auch wenn die Aufregung nach etwa zehn Runden MotoGP nicht ganz so groß ist, sprechen die Punktestände in der Königsklasse auch nach dem Malaysia GP eine ganz andere Sprache. Jorge Lorenzo kämpft wie ein Löwe, Dani Pedrosa macht einfach immer mehr Zähler gut, Casey Stoner ist zurück und wird seinen australischen Fans bei seinem vorletzten Rennen eine Glanzleistung abliefern wollen. Valentino Rossi taucht hin und wieder sogar auf der Ducati vorne auf und Stefan Bradl zeigt eine grandiose Rookie-Saison.

Doch fand sich am Donnerstagnachmittag das ganze Paddock - angeführt von einem ergriffenen Fausto Gresini - zusammen, um zu Ehren Marco Simoncellis in Kurve elf in Sepang eine Plakette zu befestigen und sich an den einstigen Rivalen und Freund zu erinnern. Ein kurzer Moment der Stille, Verbundenheit und Traurigkeit, der aber schon kurz danach wieder der Action weichen sollte. Zum Trauern ist kaum noch Zeit und das ist auch gut so und soll lange nicht bedeuten, dass der einstige Gresini-Fahrer auch nur annähernd vergessen wäre.

Schließlich machen es Paolo und Rossella Simoncelli, sowie Kate Fretti und alle anderen Freunde und Angehörigen von Marco Simoncelli vor: Sie blicken gemeinsam nach vorn, leben weiter und helfen dabei noch anderen Menschen, womit sie sogar schon im Januar mit der Gründung der Marco-Simoncelli-Stiftung begannen. Es ging schnell, aber nun ist ein Jahr rum und die Welt dreht sich noch immer. Jeder sollte also für sich das Beste daraus machen, alle sollten gemeinsam nach vorn sehen und sich von der Action ablenken lassen. Schließlich bleibt SIC ganz sicher SEMPRE NEL CUORE.


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