MotoGP - Ezpeleta: Kein Krieg gegen die Werke

Wir müssen unsere Probleme lösen

Carmelo Ezpeleta hat mit seinen Regel-Vorschlägen für 2013 für Aufsehen gesorgt, er will sie aber nicht als Kampfansage an die Hersteller verstanden wissen.
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Motorsport-Magazin.com - Er eröffne einen Krieg gegen die Werke, hieß es vor kurzem, als Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta seine Vorschläge präsentierte, ab 2013 eine Standard-Elektronik (ECU - Electronic Control Unit) und eine Drehzahlbegrenzung einzuführen, um so das Niveau von CRTs und Herstellern anzugleichen. Doch der Spanier widersprach. "Es ist kein Krieg. Ich kämpfe nicht gegen die Werke. Ich plane keine MotoGP-Klasse ohne Teilnahme der Hersteller", zog er kurz darauf zurück.

Heute, vor allem mit dem Geld, das Honda im vorigen Jahr ausgegeben hat, geht es nach meiner Meinung nirgendwo hin
Carmelo Ezpeleta

Er hatte nach eigenen Angaben andere Motive, um diese Änderungen anzuregen. "Die MotoGP ist ein technologischer Kampf, der nirgendwo hinführt. Die wahre Situation sieht so aus, dass es trotz aller Dinge, die wir versucht haben, weiter so teuer ist. OK, das hier ist Technologie-Business... das ist die Weltmeisterschaft für Fahrer und Maschinen. Aber die Technologie ist nicht die Hauptsache: das sind die Rennen und die Kämpfe zwischen den Fahrern. Heute, vor allem mit dem Geld, das Honda im vorigen Jahr ausgegeben hat, geht es nach meiner Meinung nirgendwo hin", sagte Ezpeleta gegenüber GPWeek.

Kosten steigen, Einnahmen sinken

Denn die Kosten sind weiter gestiegen, sowohl für die Hersteller als auch für die Teams, die Maschinen von den Herstellern leasen. Gleichzeitig gab es bei den Sponsoreneinnahmen Stagnation oder sogar Rückgänge. Als Beispiel führte er Stefan Bradl an, der seine MotoGP-Hoffnungen diesen Sommer vorerst einmal auf Eis legen musste, weil das Geld fehlte. "Ich sprach mit seinem Sponsor. Sie baten eine große Summe Geld - 2,5 Millionen Euro -, die in der Vergangenheit gereicht hätte, um ein Team zu sponsern. Jetzt deckte diese Menge nicht einmal 50 Prozent des Budgets. Etwas läuft falsch. Man muss etwas ändern", betonte Ezpeleta.

In Zukunft sollen die CRTs das ganze Dorna-Geld bekommen - Foto: Suter Racing

Bisherige Versuche, etwas zu ändern, sind aber gescheitert. So hatte die Dorna die Werke gebeten, doch nur Motoren an die Teams zu leasen, doch auch das hätte 1,5 Millionen Euro gekostet und wäre nicht finanzierbar gewesen, schließlich hätten die Teams auch noch Chassis und Elektronik gebraucht. Deswegen sollen die CR-Teams nun alles billiger machen und gleichzeitig das Feld auffüllen. Mit Ezpeletas Vorschlägen für 2013 soll dann auch der Leistungs-Unterschied kleiner werden, zudem wird die Dorna ihre finanzielle Unterstützung voll auf die CRTs ausrichten, statt wie bislang Satelliten-Teams mit Geld unter die Arme zu greifen.

Das genaue Gegenteil

"2013 wird es genau das Gegenteil. Wenn jemand denkt, er hat genug Geld, um ein Werksmotorrad zu leasen, dann ist das ihm überlassen. Aber das ganze Geld, das ich nun in Teams stecke, die Maschinen leasen, wird unter den CR-Teams aufgeteilt. Sie werden zusätzliche Hilfe von der Weltmeisterschaft erhalten, nicht die Leasing-Teams. Ich denke, 2013 wird es vielleicht nur zwei Maschinen von jedem Hersteller geben", sagte der Dorna-Chef. Trotz all der Hilfe musste er aber auch klar festhalten, dass CRT-Maschinen es wohl nie schaffen werden, gegen Werksmotorräder um den Titel zu fahren. Trotzdem will er die unabhängigen Mannschaften so leistungsfähig wie möglich machen.

Die besten Fahrer werden immer bei den Herstellern fahren. Für sie ist es nicht nötig, auch noch bessere Maschinen zu haben
Carmelo Ezpeleta

So sei es unter aktuellen Regeln unmöglich, mit einem CR-Team die Leistung eines vollen Prototypen zu erreichen, mache man aber so weiter, werde man nie die eigentlichen Probleme lösen. "Die besten Fahrer werden immer bei den Herstellern fahren. Für sie ist es nicht nötig, auch noch bessere Maschinen zu haben. Mit Blick darauf und der nunmehrigen Mitarbeit von [Ex-Ducati-Ingenieur] Corrado Cecchinelli haben wir gemerkt, dass wenn wir ein paar Einschnitte bei der Technologie machen, es funktionieren könnte. Die Hersteller werden immer besser sein, aber die Lücke wird etwas kleiner werden", erklärte Ezpeleta.

Die Hersteller verstehen

Als weiteres Problem erachtete er, dass die Motorräder auch mit einer 81 Millimeter Bohrung im Motor dank ihrer 1000cc im kommenden Jahr viel schneller sein werden. Das müsse für 2013 ebenfalls gelöst werden, daher müsse die Leistung eingeschränkt werden. Daher gibt es auch den Vorschlag für die Standard-ECU und das Drehzahllimit. Auch die Traktionskontrolle soll beschnitten werden, wobei sie aus Sicherheitsgründen aber nicht ganz verschwinden kann. "Jetzt will ich von den Herstellern hören, was sie darüber denken. Mein Gefühl ist, sie verstehen die Situation. Auch sie haben nicht so viel Geld, um weiterzumachen."

Die besten Fahrer auf den Werksmaschinen werden immer die Schnellsten sein - Foto: Repsol Honda

Die Hersteller werden die Situation auch verstehen müssen, denn obwohl Ezpeleta seit diesem Jahr nicht mehr mit der Hersteller-Vereinigung MSMA über die kommerziellen Verträge verhandelt, sondern mit jedem Hersteller selbst, so hat die MSMA nach wie vor das Recht, bei technischen Änderungen ihr Veto einzulegen, sie könnte also die Standard-ECU und das Drehzahllimit kippen. Wobei Ezpeleta betonen musste, dass er zusammen mit FIM-Präsident Vito Ippolito im Gegenzug das Veto der Hersteller ebenfalls kippen könnte, da die Beiden zwar zusammen mit der MSMA und der Teamvereinigung IRTA in der Grand Prix Kommission sitzen, aber auch das Permanent Bureau bilden, das über der Kommission steht. "In Wahrheit wird normalerweise nichts vom Permanent Bureau bestimmt. Alles wird einstimmig von der Grand Prix Kommission bestimmt."

Lösung gefragt

Doch bei den neuen Regelvorschlägen eilt die Zeit. Bis Mai nächstes Jahr will Ezpeleta Bescheid wissen, wobei er kein Risiko sah, die Hersteller zu verlieren. "Ich plane keine MotoGP ohne Hersteller. Ich bin mir sicher, wir werden Werksteams haben. Wenn ich mit den Herstellern rede, verstehen alle das Problem. Es geht darum, wie man es löst und wenn man ehrlich ist, wie wir es bislang versucht haben, war das nicht möglich."


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