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MotoGP - Interview - Herve Poncharal

Teil 1: Was wir brauchen ist Flexibilität

Herve Poncharal ist nicht nur erfolgreicher Team-Manager, sondern auch ein Vertreter der GP Kommission und sprach über anstehende Änderungen.
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Motorsport-Magazin.com - In Brünn wurden einige neue Beschlüsse offiziell bestätigt, vor allem was die MotoGP ab 2012 und die neue Moto3 betrifft. Herve Poncharal spricht im ersten Teil im motorsport-magazin.com Interview über Reglement, Technik und flexibles Denken der Grand Prix Kommission, erklärt die Claiming Rule Teams und warum es wichtig ist, Hersteller Suzuki zu unterstützen.

Über den Beschluss Moto3:
Herve Poncharal: "Vor ein paar Jahren gab es nur noch einen Hersteller in der 125cc, die Kosten wurden immer mehr und die Teams haben immer mehr zu kämpfen, also haben viele für eine Veränderung Druck gemacht, auch die Teams."

Damit ist man auch wieder näher an dem was mehr verkauft wird, auch wenn wir hier Prototypen haben? Vor allem mit dem Wechsel zu Viertaktern?
Herve Poncharal: "Ja, Zweitakter werden nicht mehr allzu viele produziert."

Solange wir eine Regel haben, womit wir die Entwicklung der Motoren kontrollieren können, sollten auch mehrere Hersteller kein Problem sein.
Herve Poncharal

Stimmt es, dass es in der Moto3 dann Motoren von verschiedenen Herstellern geben wird?
Herve Poncharal: "Im Moment ist das noch offen, wir versuchen erst einmal die Gegebenheiten einzuschätzen. Verschiedene Hersteller haben Interesse, bei der Moto2 war das nicht so. Bislang sieht es so aus, als würden wir verschiedene Motor-Hersteller haben."

Könnte sich das dann auch negativ auf die Show auswirken, denn jetzt liegen alle so nah beieinander?
Herve Poncharal: "Das glaube ich eigentlich nicht. Ich denke, es war gut, dass wir mit der Einmotorenregel diese Serie begonnen haben, denn es gab so viel zu tun. Es war sehr wichtig mit einer guten Basis zu beginnen. Es war also erstmal keine dumme Entscheidung. Aber wenn die ersten Jahre erst einmal geschafft sind, gibt es auch mehr Investoren in einer Klasse. Solange wir eine Regel haben, womit wir die Entwicklung der Motoren kontrollieren können, sollten auch mehrere Hersteller kein Problem sein. Wir wollen versuchen, das umzusetzen und hier müssen wir über Möglichkeiten nachdenken. Mit dem Wissen, das wir nach den ersten Jahren haben, sollten wir in der Lage sein, die nächste Hürde zu nehmen."

Man will aber weiter darauf achten die Kosten niedrig zu halten?
Herve Poncharal:"Ich glaube die Kosten könnten sogar geringer werden, als jetzt. Wir wollen versuchen die Motoren nahe am Level der Serienproduktion zu halten. Aber wenn andere Hersteller kommen, Yamaha oder Kawasaki, dann kommen auch mehr Investoren und dann wird es für die Teams auch günstiger."

Wir wollen verhindern, dass Hersteller die zur Zeit zu kämpfen haben, wie zum Beispiel Suzuki, die Serie verlassen
Herve Poncharal

Über die Entscheidung Suzuki drei Motoren mehr zur Verfügung zu stellen:
Herve Poncharal: "Was wir brauchen ist Flexibilität. Wir wollen verhindern, dass Hersteller die zur Zeit zu kämpfen haben, wie zum Beispiel Suzuki, die Serie verlassen. Wenn wir ihnen helfen können, indem sie drei Motoren mehr zur Verfügung haben, warum sollten wir das dann nicht tun? Damit sind sie konkurrenzfähiger und wir verbessern die Show für die Zuschauer."

"So die derzeitigen Hersteller nicht mehr Maschinen zur Verfügung stellen können, wie wir jetzt haben, müssen wir uns Alternativen einfallen lassen - und eine davon ist die der CR Teams (AdR: Claiming Rule Teams)."

Was ist eigentlich Claiming Rule?

Was wir noch vermissen ist eine klare Definition was ein CR Team denn nun ist, oder was jemand tun muss, um eines zu werden?
Herve Poncharal:"Unsere Basis ist, dass wir ab 2012 1000cc-Maschinen mit einer maximal erlaubten Bohrung von 81mm haben. Und dann gibt es zwei Möglichkeiten, entweder man startet mit einer Prototyp-Werksmaschine, dann hat man den maximalen Tank von 21l und sechs Motoren. Wenn es ein Newcommer - oder ein Team ist, das mindestens zwei Saisonen bei einem Trockenrennen nicht auf dem Podest stand, dann bleiben die 21l, aber man hat neun Motoren. Wenn man als CR Team kommt, dann haben wir 1000cc und 81mm Bohrung, das ist für alle gleich, aber 24l Tankvolumen und zwölf Motoren - und das hat nichts mit Fabrikmotoren zu tun."

Die Claiming Rule steht dafür, dass ein Werk, nach einem Rennen einen Motor des CR Teams kaufen kann
Herve Poncharal

"Wer ein CR Team ist entscheidet die Grand Prix Kommission. Wenn man zu Beginn der Saison ein Team hat, dass dann mit einem Motor-Hersteller oder einer Marke unterwegs ist, die derzeit noch nicht in der Klasse vertreten ist, und nehmen wir an dieses neue Team ist erfolgreich und wird zu einem ernsten Gegner für die Werksteams, dann bekommen sie mehr Unterstützung, das Werk steigt vielleicht richtig ein und dann ist es kein CR Team mehr, sondern wird zu einem Werks unterstützten Team - und die Entscheidung darüber wird von der Grand Prix Kommission getroffen."

"Ein Team kann also als CR Team einsteigen und als eines definiert werden, aber wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, können wir neu darüber entscheiden und gegebenenfalls den Status ändern."

"Die Claiming Rule steht dafür, dass ein Werk, nach einem Rennen einen Motor des CR Teams kaufen kann. Also sagen wir ich starte mit einem CR Team und Honda will einen meiner Motoren kaufen, dann können sie das tun für einen maximalen Verkaufspreis von EUR 20.000 und nur einmal. Der Preis ist so niedrig angesetzt, um die Produktionskosten für die Motoren niedrig zu halten. Denn wenn du weißt, dass du ihn nur für 20.000 verkaufen kannst, dann investierst du nicht Millionen für einen."


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