Moto2 - Marquez hakt zweite Kategorie ab

Umstrittenes Talent

Spanisches Wunderkind mit zu vielen Privilegien? Was auch immer: Marc Marquez ist Weltmeister und das nicht unverdient.
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Motorsport-Magazin.com - Jung, schnell, talentiert, clever, ruhig, zurückhaltend, aber auch aggressiv und ab und an unkontrolliert - all das sind Eigenschaften des frisch gekrönten Moto2-Weltmeisters Marc Marquez. Nach acht Siegen, vier weiteren Podestplätzen und sieben Pole-Positions machte der Team Catalunya Caixa Repsol Pilot auf Phillip Island mit Platz drei den Sack zu und durfte sich die lang ersehnte Weltmeister-Krone aufsetzen.

Marquez ist spätestens seit Saisonbeginn 2012 eine durchaus umstrittene Persönlichkeit. Obwohl er eher zurückhaltend wirkt, kann der kleine Spanier im Rennen durchaus seine Krallen ausfahren. Mit seinem aggressiven Überholmanöver an Tom Lüthi in Katar, dem umstrittenen Ausscheiden von Pol Espargaro in Barcelona und seinem harten Abdrängen von Mika Kallio im Motegi-Training sammelte er in dieser Saison bereits drei Verwarnungen der Rennleitung und eine Menge Kritik.

Wenn man mit einer solchen Situation leben muss, dann muss man ruhig bleiben, immer nur das Beste hoffen und nicht an die schlimmste Option denken
Marc Marquez

Obwohl sich einige Fahrer, Teammitglieder und Zuschauer wohl sogar noch größere Strafen für den jungen Wilden gewünscht hätten, bewies der Suter-Pilot beim Japan Grand Prix, warum gerade er den Moto2-Titel trotzdem wahrlich verdient hat. Nach einem Verschalter am Start arbeitete sich Marquez sukzessive durch das komplette Fahrerfeld, beendete das Rennen sogar mit einem Sieg und brachte seine Kritiker damit fast zur Sprachlosigkeit.

Eine Woche später lag der Youngster aus Cervera nur knapp vorm Titel in der Moto2-Kategorie, an dem er schon im Vorjahr nur hauchdünn vorbeigeschrammt war, warf seine Suter aber in den nassen malaysischen Kies und musste noch eine Woche lang Kraft tanken und seine Gedanken zusammennehmen, bis es in Australien endlich klappen sollte. Sepang erwies sich dabei für Marquez nicht zum ersten Mal als schicksalhafte Rennstrecke, denn schon im letzten Jahr musste er seine WM-Hoffnungen an diesem Ort begraben. Nach einem heftigen Highsider im Training durfte der Titelanwärter für den Rest der Saison nicht mehr antreten und hatte enorme Sichtprobleme, die selbst die Saison 2012 mit gestrichenen Testfahrten noch in Gefahr brachten.

Ruhig bleiben

Marquez behielt die Nerven und erklärte dem Motorsport-Magazin: "Wenn man mit einer solchen Situation leben muss, dann muss man ruhig bleiben, immer nur das Beste hoffen und nicht an die schlimmste Option denken." Tatsächlich machte der 19-Jährige das Beste draus und feierte direkt zum Auftakt in Katar den ersten Sieg in dieser Saison. In Estoril, Assen, auf dem Sachsenring, in Indianapolis, Brünn, Misano und Motegi erklang die spanische Nationalhymne ebenso für Marquez.

In Aragon überraschten Marc Marquez Fans den Insektenliebhaber - Foto: Maria Pohlmann

Den Marcha Real hat der Katalane 2012 allerdings nicht zum ersten Mal gehört. Schon seit einigen Jahren zählt er als leuchtender Stern am spanischen Motorradhimmel, dem er spätestens mit dem 125ccm Titel auch gerecht wurde. Schon in seinem ersten Titeljahr ließ sich der damals 17-Jährige weder von einer ausgerenkten Schulter noch von der harten Konkurrenz beeindrucken und durfte nach zehn Rennsiegen die WM-Trophäe gen Himmel strecken.

In der kommenden Saison folgte der logische Aufstieg in die mittlere GP-Kategorie, in der er nach einer schwierigen Eingewöhnungsphase mit vielen Stürzen, am Ende aber sieben Rennsiegen, wie eine Bombe einschlug. Der Titel ging an Stefan Bradl, dafür räumte Marquez einfach 2012 ordentlich auf. "Ich versuche einfach nur konzentriert zu sein, das ist alles", verriet er sein durchaus erfolgreiches Geheimnis.

Dabei stand Marquez' Aufstieg in die Königsklasse schon zur Saisonmitte fest und mit dem Titel in der Tasche ist der Weg des Spaniers direkt ins Honda-Werksteam nun bestens geebnet, obwohl er auch mit dem Honda-Vertrag viel Kritik einstecken musste. Ob der Katalane auch in der MotoGP noch mit Verwarnungen davonkommt, bleibt abzuwarten. Sein Talent ist jedoch unbestritten und das wissen nicht nur Shuhei Nakamoto und Livio Suppo zu schätzen, sondern besonders auch seine zahlreichen Fans. "Ich versuche mit meinen Fans lustig umzugehen, denn ohne sie wäre all das nicht möglich", weiß Marquez, der mit WM-Trophäen aus der kleinen und der mittleren GP-Kategorie und viel Support nun weiter gen Motorradspitze zieht.


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