Moto2 - Rückblick: Marc Marquez

Der Überflieger

Keine Frage, die Sensation der Moto-2-Saison 2011 war Marc Marquez. Als 125ccm-Weltmeister aufgestiegen, musste er Lehrgeld zahlen und starte dann voll durch.

Motorsport-Magazin.com - Mit drei Nullern in die Saison gestartet, wusste Marc Marquez gleich von Beginn an, dass die Moto-2-Klasse eine andere Liga als die 125er ist. Doch dass der Achtelliter-Weltmeister von 2010 ein Überflieger ist, darüber waren sich die Experten auch so schon einig. 2010 hatte er in seiner dritten vollen WM-Saison sein erstes Rennen gewonnen und war später Weltmeister geworden. Und um ein Haar hätte das auch auf Anhieb in der Moto2 geklappt.

Marquez eröffnete die Saison mit drei Stürzen. Sowohl in Katar und Jerez als auch in Estoril bezahlte er schmerzhaftes Lehrgeld. In Le Mans feierte er seine erste Zielankunft - als Sieger! Es wurde der erste von sieben Siegen, das erste von insgesamt elf Podesten. Nur drei Mal sollte der Suter-Pilot im weiteren Saisonverlauf noch von Weltmeister Stefan Bradl geschlagen werden. In Catalunya gewann der Deutsche, Marquez musste mit Platz zwei vorlieb nehmen. In Silverstone stürzte er erneut und Bradl gewann.

Dann folgte eine unglaubliche Serie von acht Rennen, in welchen Marquez sechs Mal siegte und zwei Mal Zweiter wurde - aber immer vor Bradl. Und er besiegte den Deutschen meist mit ausgesprochener Cleverness. Auf dem Sachsenring ließ Marquez Bradl vor heimischem Publikum vorbei, um ihn zu studieren und auf den letzten Runden zu übertölpeln.

Nach dem Silverstone-Wochenende hatte Marquez als WM-Achter noch 82 Punkte Rückstand auf Bradl. Diesen verkürzte er kontinuierlich und nach Rang zwei in Japan, wo Bradl nur Vierter wurde, lag er in der WM plötzlich mit einem Punkt in Führung.

Nachdem er sich im Laufe der Saison zum Überflieger entwickelt hatte, wurde Marc Marquez zu Saisonende von Stürzen ausgebremst © Milagro

Das wahre Meisterstück war das schwarz-weiß-Wochenende von Australien. Zunächst einmal hatte Marquez einen Sturz im ersten Training zu verdauen. Sein Team schraubte die Suter wieder zusammen und er konnte auf noch ein paar Runden raus gehen. In der Auslaufrunde reduzierte der 18-Jährige das Tempo nicht angemessen und krachte in Ratthapark Wilairot. Während der ins Krankenhaus musste, blieb Marquez unverletzt. Allerdings kam der Spanier auch straftechnisch glimpflich davon: Anstatt für das Wochenende gesperrt zu werden, bekam er auf seine Quali-Zeit nur eine Strafminute. Das bedeutete den letzten Startplatz.

Marquez bewies im Rennen dann seine Genialität. Mit einem Granatenstart katapultierte er sich in der ersten Runde schon bis auf Platz 16 nach vor, das heißt an 22 Gegnern vorbei. Unaufhaltsam stürmte er nach vorn. Am Ende kam er als Dritter auf das Podest, Bradl verlor in der letzten Runde den Sieg an Alex de Angelis. Gesamtwertung: Bradl drei Punkte vor Marquez.

Das Schicksal sollte Marquez in Sepang nicht hold sein. Wieder stürzte er im ersten freien Training, dieses Mal konnte er nicht allzu viel dafür. In einer einzigen Kurve hatte es geregnet, was die Streckenposten auf der ersten Runde nicht anzeigten. Jules Cluzel fiel diesen Bedingungen als Erster zum Opfer, die nachfolgenden Piloten konnten Schlimmeres vermeiden. Nicht aber Marquez. Er flog per Highsider aus dem Sattel. Vielleicht hätte er auf die Warnungen der anderen Piloten schauen sollen, aber mit so etwas rechnet man ja nicht.

Marquez erlebte den dritten schweren Sturz innerhalb von nur einer Woche. Zwar konnte er im Qualifying am Sonntag dann wieder fahren und sich mit drei schnellen Runden für das Rennen qualifizieren, doch musste er erkennen, dass er nicht würde fahren können. Sein linkes Auge wollte nicht so richtig, er sah doppelt und verschwommen. Zu gefährlich, entschied er - für sich, wie für die anderen. Marquez saß in der Box und sah den Sieg Tom Lüthis vor Stefan Bradl. 23 Punkte hinten, eine kleine Chance also noch für Valencia.

Zurück in Spanien ließ sich Marquez von etlichen Ärzten untersuchen, doch die Sichtprobleme sollten bis zum Finale nicht abreißen. Zwar behielt er sich bis zum Samstagmorgen vor, doch noch auf ein paar Runden rauszugehen, sollte die von den Ärzten in Aussicht gestellte plötzliche Besserung eintreten, doch daraus wurde nichts.

Marquez blieb der Vize-Weltmeister-Titel und natürlich die Rookie-of-the-Year-Trophäe. Und Marquez hatte alle Gedanken an einen MotoGP-Aufstieg schon vorher ad acta gelegt. 2012 wollte er weiter Moto2 fahren, selbst als Weltmeister. Und eines ist sicher: Die Konkurrenz aus der mittleren Klasse kann sich nächstes Jahr warm anziehen.




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