Endlich ist die Saison wieder losgegangen. Für einen Rennfahrer ist die Zeit ohne Rennen immer die schlimmste, aber zum Glück geht sie ja irgendwann vorbei. Natürlich haben wir die Wochen vor dem Saisonstart intensiv genutzt. Wir haben auch zwischen den Tests und vor dem Rennwochenende viel gearbeitet und das hat sich ausgezahlt, wie man gesehen hat.

Gleich im ersten Training waren wir erster und zweiter. Ich lag vorne, mit zwei Zehnteln Vorsprung auf Pastor. Das war für uns die Bestätigung, dass wir sehr gut gearbeitet haben. Es hat uns aber auch ein wenig überrascht, denn trotz unserer intensiven Vorbereitung hätten wir nur damit gerechnet, es vielleicht unter die ersten drei oder vier zu schaffen.

Im Qualifying konnte ich unseren guten Speed aber leider nicht in den bestmöglichen Startplatz umwandeln. Das lag vor allem daran, dass ich während meiner schnellsten Runde sehr viel Verkehr hatte und sogar einen anderen Boliden überholen musste. Etwas später war ich dann sogar noch eine halbe Sekunde schneller, doch da gab es leider im letzten Sektor gelbe Flaggen. Nun, immerhin erhielten wir die Bestätigung für unseren Speed.

Beim Start des ersten Rennens musste ich dann schnell reagieren, da Pastor, der vor mir stand, nicht loskam. Ich zog nach rechts - ein riskantes, aber erfolgreiches Manöver - und konnte mich auf Platz zwei einreihen. Es wäre sogar noch mehr möglich gewesen, doch leider verbremste ich mich vor der ersten Kurve massiv, was einen sogenannten Flatspot auf den Vorderrädern zur Folge hatte. Als aufgrund mehrerer Crashs in der zweiten Runde das Safety Car herauskam, fuhr ich daher sofort an die Box. Leider funktionierte aber kurzfristig der Boxenfunk nicht. Somit wechselte das Team nur die vorbereiteten Hinterreifen und nicht alle vier, wie ich es gewollt hatte.

Andi Zuber im neuen Outfit - nur der Teamkollege ist noch zu wild., Foto: Sutton
Andi Zuber im neuen Outfit - nur der Teamkollege ist noch zu wild., Foto: Sutton

Dadurch blieben mir die viereckigen Reifen für den Rest des Rennens erhalten. Zusätzlich war in der Boxenstrasse so viel Verkehr, dass ich nicht planmäßig losfahren konnte und Senna sich an mir vorbeizwängte. So hing ich dann auf Platz drei fest, denn die Bremsplatten machten es unmöglich, Druck auf meine Vordermänner auszuüben. Allerdings hatte ich trotz der Reifenprobleme keine Mühe, Pantano auf Distanz zu halten und konnte die Zeiten der Spitze zumindest mitgehen - am Ende verlor ich über die gesamte Renndistanz nur eineinhalb Sekunden.

Dadurch wussten wir wenigstens, dass wir im Rennen mit vorne dabei sein können, was uns Hoffnungen für das Sprintrennen am Sonntagvormittag machte. Dummerweise war mein Start aber diesmal nicht so gut, da die Reifen durchdrehten. Das hat mich zwei Plätze gekostet und ich hing am Heck von Pastor fest. Ich war um einiges schneller als er, aber er fuhr ziemlich hart, deswegen kam ich nicht vorbei. Unter Teamkollegen sollte das eigentlich nicht passieren. Irgendwann habe ich mich dann innen hineingepresst und es gelang mir ihn zu überholen. Das war ein gewagtes, aber faires Manöver: er hat zwar eingelenkt, doch ich war schon innen. Dabei gab es anscheinend eine kleine Berührung, aber das war kein Problem.

In der freien Runde danach habe ich mich auch gleich um eine Sekunde abgesetzt, aber dann kam eine Safety Car-Phase. Am Ende der Phase war ich schon auf fünf, da Romain Grosjean eine Strafe bekommen hatte. Und da hatte Pastor in der ersten Kurve leider ein Blackout und wollte sich an mir mit Gewalt vorbeipressen, wobei so ziemlich die gesamte rechte Seite meines Autos kaputt ging. Den Grund für diese Aktion verstehe ich nicht ganz. Vielleicht war er böse, weil wir uns vorher berührt hatten oder was weiß ich. Natürlich war seine Aktion unüberlegt und das wusste er auch. Er hat sich danach bei mir entschuldigt und auch das Team hat mir gesagt, dass es ihm leid tut. So etwas darf jedenfalls nicht mehr passieren.

Abgesehen von diesem Ärgernis, das wir in Zukunft aber zu vermeiden wissen werden, brachte der Auftakt aber durchwegs positive Signale. Das Team arbeitet gut, was ich ja auch schon bei den Tests gesehen hatte. Das Rennwochenende hat super funktioniert, da gab es keine taktischen oder sonst irgendwelche Fehler. Nur der eine Platz im ersten Rennen ging an Senna verloren, weil ich nach dem Stopp im Verkehr hängen blieb, aber sonst gab es kein Problem. Mein Teamkollege muss noch etwas ruhiger werden, wenn er überholt wird. Denn sein Manöver hat mich zwei Punkte, ihn einen Punkt und dem Team damit drei Punkte gekostet. In der Meisterschaft ist jeder Zähler wichtig. Wir haben aber darüber gesprochen und auch ein Meeting mit dem Team gehabt. Jetzt ist alles ausdiskutiert. Ansonsten sind wir gut aufgestellt und ich freue mich schon jetzt auf das nächste Rennen in der Türkei.