Die Zeit des Geradeausfahrens ist vorbei: Nach dem GP2-Finale in Monza durfte ich in Jerez zum ersten Mal einen richtigen Formel 1-Test absolvieren. Bislang bin ich nur ein paar Demorunden und bei Straight-Line-Tests gefahren. Aber auch wenn man nur geradeaus fährt, lernt man einiges. Man muss mit den Ingenieuren zusammenarbeiten und den Funk intensiver als in der GP2 nutzen. Ein echter Test ist aber noch einmal etwas ganz anderes: Ein F1-Auto ist 7-8 Sekunden schneller als ein GP2-Wagen, diese Zeit holt man aber alles in der Kurve, beim Bremsen und beim Beschleunigen. Das ist nicht zu verachten.

Sebastian Vettel hatte mir vor dem Test gesagt, dass die ersten Runden auf einer echten Strecke "unglaublich" wären - und er hatte Recht! Allerdings waren einige Kurven im GP2-Auto sogar deutlich schwieriger zu fahren. Denn durch den höheren Downforce fährt sich das F1-Auto viel einfacher. Dafür ist es in den schnellen Passagen schwierig das Limit zu finden. Man denkt zunächst, dass man viel zu schnell für die Kurve ist, aber am Ende klappt es doch. Ich habe mich jedenfalls schon an den höheren Speed gewöhnt.

Dabei war ich schon noch ein kleines bisschen vorsichtig und bin noch nicht ans äußerste Limit gegangen. Schließlich wollte ich mir nicht gleich beim ersten Mal einen Ausrutscher leisten. Immerhin ging es nicht nur darum mich an das Auto zu gewöhnen, sondern auch die 300 Kilometer für die Superlizenz zurückzulegen. Dann könnte der zweite Teil meines F1-Traumes in Erfüllung gehen: Die Teilnahme an den Freitagstests in China. Das Team hat schon vorgesorgt: Man erinnerte mich daran ein Foto mitzubringen, damit man im Fall der Fälle mein Visa für China beantragen kann.

Ein Abschuss zum Abschluss

Am letzten Wochenende war die F1 allerdings noch weit weg - okay, sie stand im Nachbar-Fahrerlager von Monza, aber so einfach kommt man da als GP2-Fahrer nicht rein. Das Rennwochenende verlief wie die letzten davor: nicht gerade begeisternd. Dabei hatte unser Arden-Auto wie erwartet den nötigen Speed, immerhin konnte ich am Samstag die viertschnellste Rennrunde fahren, aber es ging schon im Qualifying mit dem alten Problem los: Ich blieb im Verkehr hängen und hatte auch etwas Übersteuern.

Nach dem Start ins Samstagsrennen sah es noch gut aus. Auch beim Boxenstopp und in der Safety-Car-Phase gab es keine Probleme - bis das Safety Car rein ging. Dann wurde ich von zwei Hinterbänklern aufgehalten und die anderen hinter mir konnten die Situation ausnutzen. Als Premat mir dann über den Frontflügel fuhr, war mein Rennen praktisch gelaufen. Ich musste langsam an die Box schleichen und mir einen neuen Flügel abholen. Das Pech ist mir in diesem Jahr einfach treu. Ich hatte zwar Glück, dass so viele Fahrer ausgefallen sind, aber mehr als Platz 12 war nicht mehr drin.

Vor dem Wochenende erhoffte ich mir einen ebenso guten Saisonabschluss, wie die Saison in Valencia begonnen hatte. Leider hat es auch am Sonntag nicht sein sollen. Ich hatte erneut einen sehr guten Start und hoffte auf Punkte zum Abschluss. Danach ging aber wieder einmal alles schief. Das Schlimmste war: Ich konnte absolut nichts dagegen unternehmen. DAMS-Fahrer Monfardini schoss durch die erste Schikane und nahm mich mit. Er kam aus dem Nichts und ich weiß nicht, was er sich dabei gedacht hat. Meine rechte Vorderradaufhängung verstand es auch nicht und ließ den Kopf hängen - das Rennen musste ohne mich weitergehen.

Höhen & Tiefen

Das war sie also - meine erste GP2-Saison. Ich muss zugeben, am Anfang gefiel es mir noch besser. Denn da lief es richtig gut und ein Rennfahrer will natürlich immer lieber vorne sein, aber gegen Pech ist niemand immun. Nach dem klasse Saisonstart verlief der Rest des Jahres nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Wir waren zwar meistens vorne dabei, hatten aber auch viel Pech. Und wenn wir einmal kein Pech hatten, waren wir ausnahmsweise nicht schnell genug. That's Racing!

Sie werden sich jetzt sicher fragen, woran das gelegen hat: Zur Saisonmitte bekamen wir einige neue Teile, mit denen wir wohl nicht so gut zu Recht gekommen sind wie die anderen Teams. Mein erfolgreicher Start war jedenfalls kein Problem, ich wusste immer, dass die GP2 kein Selbstläufer ist. Der Umstieg aus der Formel Renault bereitete mir keine besonderen Schwierigkeiten, das schwierigste war mit Sicherheit, dass die Rennen hier viel länger sind. Außerdem werden in einem so konkurrenzfähigen Feld Fehler sofort bestraft. Andere Rennserien sind vom Fahrgefühl her noch mit dem Kart fahren zu vergleichen, aber hier fühlt sich alles ganz anders an. Man verliert sofort Boden, wenn man mal ein Problem hat. Aber ich habe in dieser Saison viel gelernt, was mir nächste Saison helfen wird.

Das wichtigste war wohl, dass ich mich jetzt schnell auf eine Strecke einschießen kann. In anderen Serien hat man einige Stunden Freies Training zur Verfügung, hier muss man angesichts der Zeitknappheit sofort voll da sein. In der nächsten Saison wird es für mich aber leichter, da ich nicht mehr alles neu lernen muss. Mein Ziel für 2007 ist klar: Ich möchte unter die besten Drei in der Meisterschaft kommen.