GP2 - Kolumne - Daniel Abt

Nicht noch einmal so ein Jahr

Daniel Abt gehört zu Deutschlands größten Nachwuchstalenten. In seiner Motorsport-Magazin.com Kolumne berichtet er über sein Leben in der GP2-Welt.
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Motorsport-Magazin.com - Das letzte Rennwochenende der Saison hat relativ schwach begonnen. Speziell mit dem Qualifying, als ich ein Rad verloren habe. Das war sinnbildlich für dieses Jahr. Da dachte ich mir schon, das Wochenende wäre gelaufen. Aber die Rennen waren beide recht positiv, der Speed war sehr gut. Mit den Plätzen neun und fünf kann ich sehr zufrieden sein, wenn man von P25 losfährt. Das war dann doch noch ein versöhnlicher Abschluss.

Wir hatten schon in Singapur ein recht gutes Rennsetup. Der Speed war dementsprechend viel besser als im Qualifying. In Abu Dhabi war es wieder so. Ich war auf den Medium-Reifen das schnellste Auto im Feld. Warum es im Qualifying nicht geklappt hat, das ist die große Frage. Wären wir von weiter vorne losgefahren, dann wäre wahrscheinlich noch ein deutlich besseres Ergebnis möglich gewesen.

Herr Hilmer ist ein sehr netter Mensch und spricht die gleiche Sprache - Kommunikationsprobleme gibt es also nicht.
Daniel Abt

Nach dem guten Rennwochenende standen die Testfahrten auf dem Plan. Ich ging alle drei Testtage für Hilmer Motorsport an den Start. Der Kontakt mit Hilmer hat sich über die letzten Rennen hinweg aufgebaut. Ein Jahr wie dieses möchte ich nicht noch einmal erleben, deshalb haben wir uns nach Alternativen umgesehen. Wir sind dann ins Gespräch gekommen und haben uns ein bisschen kennengelernt. Herr Hilmer ist ein sehr netter Mensch und spricht die gleiche Sprache - Kommunikationsprobleme gibt es also nicht.

Die Testfahrten liefen richtig gut. Ich bin am ersten Tag mit einem neuen Satz Reifen rausgefahren. In der fünften Runde war ich dann schon deutlich schneller als im Qualifying mit Supersoft-Reifen bei Nacht, obwohl dann die Strecke eigentlich viel schneller ist. Ich habe das auch sofort selbst gespürt, dass sich das Auto anders und vor allem besser anfühlt. Ich hatte schon lange nicht mehr so ein Grinsen unter dem Helm.

Speziell der Grip-Level und die Balance des Autos waren wesentlich besser. In den Kurven zwei und drei war ich im Qualifying einer der Langsamsten. Dann bin ich mit dem Hilmer-Boliden rausgefahren und es hat sofort funktioniert: In der ersten Runde war meine Sektorzeit dort schon um vier Zehntel schneller als das gesamte Wochenende zuvor. Das war der erste Punkt.

Daniel Abt hat nun auch wieder sportlich Grund zu lachen - Foto: Hilmer

Der zweite Punkt war, dass ich mich das ganze Jahr über darüber beklagt hatte, dass ich so viel Untersteuern habe. Ich habe sofort gemerkt, dass es viel besser funktioniert. Der Grip-Level war ganz anders, das hat richtig Spaß gemacht. Es war so, dass ein paar Dinge am Auto anders waren und ich mich an das Auto gewöhnen musste. Aber obwohl ich mich an das Auto gewöhnen musste, war es sofort besser.

Wenn ich jetzt rausgefahren wäre und wäre wieder 20. gewesen, dann hätte ich mit meiner Glaubwürdigkeit ein Problem bekommen.
Daniel Abt

Man kann an den Autos viel verändern, man kann viele Dinge einstellen. Und wir haben es das ganze Jahr nicht geschafft, das Auto so einzustellen, dass es funktioniert hat. Wenn man die Saison verfolgt hat, dann hat man gesehen, dass die Hilmer-Autos sehr gut funktionieren und dass sie schnell sind. Im Qualifying lag zwar nicht ihre große Stärke, es war mehr der Rennspeed. Aber auch im Qualifying waren sie deutlich besser als wir.

An diesen drei Tagen hat alles super funktioniert, wir haben klasse zusammengearbeitet und ein paar Dinge ausprobiert. Immer wenn sich die Strecke verändert hat oder etwas nicht ganz perfekt war, hat es gleich sehr gut geklappt, sich darauf einzustellen und schnell eine Lösung dafür zu finden. Das ist besonders wichtig. Denn Testtage sind immer schön und gut, aber nach drei Tagen auf der Strecke, da kann jedes Team das Auto gut einstellen und da kann auch jeder Fahrer gut drauf fahren.

Deshalb war es wichtig zu sehen: Okay, wir fahren am ersten Tag mit dem Auto raus und sind sofort da. Ich habe mich bekanntlich das ganze Jahr über beschwert und wenn ich jetzt rausgefahren wäre und wäre wieder 20. gewesen, dann hätte ich mit meiner Glaubwürdigkeit ein Problem bekommen. Deshalb war es auch für mich gut zu sehen: Es geht doch noch, ich kann doch noch Auto fahren. Es hat wirklich Spaß gemacht.

Durchwachsen? Vorbei! - Foto: GP2 Series

Fix zu vermelden gibt es aber noch nichts. Der Test war positiv für beide Seiten. Wir setzen uns nun zusammen und schauen, ob wir für nächstes Jahr ein Paket finden und ob wir alles so umsetzten können, wie wir uns das vorstellen. Im Moment habe ich ein ziemlich gutes Gefühl. Es ist nichts fix, aber die Chancen stehen gut, dass man uns nächstes Jahr gemeinsam sehen wird.

Die Reaktionen nach dem Test waren überwältigend. Ich hatte schon fast das Gefühl, als hätte ich ein Rennen gewonnen. Es kamen unheimlich viele Nachrichten, anscheinend haben viele aufgepasst. Es war sehr viel positive Resonanz da, das macht Mut und ist schön. Es war wichtig, dass erstens dieses letzte Rennwochenende und zweitens dieser letzte Test so positiv verlaufen sind. Dadurch konnte man die Leute für nächstes Jahr ganz anders motivieren und nochmal ein kleines Lebenszeichen von sich geben.

Euer Daniel

Unterschrift von Daniel Abt


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