Exklusiv

GP2 - Interview - Sam Bird

Das Auto nicht in eine Waffe umwandeln

Sam Bird spricht im Exklusivinterview mit Motorsport-Magazin.com über seine Arbeit in der GP2, die Kritik an Rivale Johnny Cecotto und findet Lob für die DTM.
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Motorsport-Magazin.com - Am letzten Wochenende warst Du noch bei der DTM in Brands Hatch - wie hat Dir der Besuch dort gefallen?
Sam Bird: Ich mag die Atmosphäre dort... und wie man an meinem Shirt sehen kann, war ich einmal mehr im Auftrag von Mercedes unterwegs (tippt auf den silbernen Stern auf seiner Brust). Für Gary [Paffett] war es bei seinem Heimrennen natürlich ein harter Sonntag, denn eigentlich ist er vor seiner Strafe ja ein fantastisches Rennen gefahren - aber wenigstens war mit Robert [Wickens] doch noch einer von unseren Jungs mit auf dem Podium.

In Monaco muss man immer und überall attackieren... ohne dabei jedoch Fehler zu machen.
Sam Bird

Blicken wir auf Dein aktuelles Hauptengagement in der GP2 - Dein letztes Rennen in Barcelona war ziemlich hart, da bist Du am Ende im Kiesbett gelandet...
Sam Bird: Ja, ich wurde drei Runden vor Schluss von Jolyon Palmer von der Strecke gedrängt und er hat mir dadurch allen Platz genommen - zu dem Zeitpunkt war ich Dritter und habe noch um P2 gekämpft, dementsprechend war das schon sehr enttäuschend. Der Speed des Autos ist aber gut und wir werden von Mal zu Mal besser. Auch haben wir dieses Jahr schon ein Rennen gewinnen können, also müssen wir jetzt einfach weiter pushen und dann können wir, so glaube ich, auch noch versuchen, am Ende um den Titel zu kämpfen, in jedem Fall aber um weitere Siege. Nun geht es in Monaco weiter und diese Strecke kenne ich sehr gut.

Was erwartet euch Fahrer im Fürstentum?
Sam Bird: Monaco ist ein Stadtkurs, auf dem man natürlich viel Mut und Konzentration braucht. Die Person, die die Limits am Ende des Tages am weitesten ausloten und den Mauern ganz nah sein kann, wird dort am schnellsten sein. Schon in der ersten Kurve muss man bereits sehr fokussiert sein und einen gute Geschwindigkeit mitnehmen, ohne jedoch den Kerb dort zu sehr zu treffen und dann am Ausgang in die Leitplanke einzuschlagen. Das ist eigentlich überall auf der Strecke so - man muss immer attackieren, ohne dabei jedoch Fehler zu machen.

Sam Bird wurde zuletzt von einigen GP2-Konkurrenten von der Strecke gedrängt - Foto: Sutton

In Malaysia hattest Du heuer bereits einen Zwischenfall mit Johnny Cecotto Jr. - zuletzt im Barcelona-Sprint war er erneut in eine fragwürdige Situation verwickelt. Was sagst Du zu ihm?
Sam Bird: Ja, ich denke, er ist ein ganz besonderes Exemplar: Leute in hohen Kategorien und schnellen Rennserien, dürfen ihre Autos nicht in Waffen umwandeln. Es ist gefährlich, dafür sind sie nicht gemacht und unnötig ist es noch dazu. Zu dem Vorfall in Malaysia muss ich sagen: Ich habe versucht, ihm aus dem Weg zu fahren - mit Absicht habe ich ihn nicht aufgehalten und wenn überhaupt, dann hat es ihn auch nur ein paar Zehntel gekostet.

Danach hat er auf Dich gewartet und ist Dir ins Auto gefahren...
Sam Bird: Mir da 'aufzulauern' ist komplett falsch, aber nun ist es passiert und das ja auch nicht nur mir - es gab schon diverse andere Zwischenfälle mit ihm aber eben auch vielen anderen Fahrern.

Hat einer von euch anderen einmal mit ihm darüber gesprochen?
Sam Bird: Naja... es ist ja nicht nur in dieser Saison so, dass man diesen Fahrer solche Aktionen reiten sieht.

Hoffentlich fällt das bald auch einmal den Stewards auf, denn das ist in einer Meisterschaft wie unserer einfach nicht akzeptabel.
Sam Bird

Ich erinnere mich noch an den Start in Spa letztes Jahr...
Sam Bird: Und das Jahr davor und das Jahr davor und das Jahr davor! Hoffentlich fällt das bald auch einmal den Stewards auf, denn sein Verhalten ist in einer Meisterschaft wie unserer einfach nicht akzeptabel und etwas viel Gravierenderes als alles bisherige müsste einmal unternommen werden. Diese Strafen nach dem Rennen oder der Qualifikation sind scheinbar nicht hart genug, denn bisher haben sie nichts gebracht, da diese Dinge weiterhin passieren.

Richten wir den Blick einmal nach vorne: Wie sieht es mit Deinen Formel-1-Ambitionen aus? Du bist immer noch Mercedes-Testfahrer...
Sam Bird: Genau, diese Rolle übe ich nach wie vor aus. Das Ziel ist dieses Jahr ganz klar, mein Testprogramm mit ihnen und alle Simulationen fortzuführen und so zu versuchen, ihnen so gut wie möglich zu helfen, das Auto zu verbessern. Und dann sehen wir einmal, wo es von da aus noch so hingeht.

Wirst Du auch dieses Jahr wieder die Möglichkeit haben, am Nachwuchsfahrertest teilzunehmen?
Sam Bird: Ja, wir werden in Silverstone fahren - da freue ich mich bereits drauf.

Im Moment hat das F1-Team von Mercedes ein paar Probleme mit dem Reifenverschleiß. Was kann getan werden, um sicherzustellen, dass sich das bald bessert?
Sam Bird: Das ist eine schwierige Frage: Die Zuschauer und Fans können sich aber sicher sein, dass die Fabrik, inklusive mir, hinter den Kulissen Vollgas gibt und wirklich hart arbeitet, damit sich der Zustand mit den Reifen bessert. Es wird ohnehin Plätze geben, wo es ein bisschen besser ist - aber wir müssen jetzt auch die Daumen drücken, dass wir aus Dingen wie denen, die in Barcelona passiert sind, lernen und die richtigen Schlüsse ziehen.

Für Dich heißt das: Kilometer um Kilometer im Simulator?
Sam Bird: Genau dafür bin ich ja: Kilometer abspulen, arbeiten und helfen.

Wenn man sich die Statistiken im Vorjahr ansieht, sieht man, dass wir in Monaco extrem stark waren.
Sam Bird

Denkst Du, dass in Monaco eine Siegchance für Mercedes besteht? Die Qualifying-Pace des F1 W04 ist ja bekanntlich stark und wirklich überholen kann man in Monaco auch nicht...
Sam Bird: Wenn man sich die Statistiken auf dieser Strecke im Vorjahr ansieht, sieht man, dass wir dort extrem stark waren, obwohl wir kurz davor in Barcelona die gleichen Schwierigkeiten hatten. Es besteht also definitiv die Möglichkeit, wenngleich ich nicht sage, dass wir es dort bestimmt schaffen werden. Klar ist aber, dass wir in Bezug auf Monaco schon einmal viel optimistischer sein können als wir das vielleicht noch in Barcelona sein durften.


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