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GP2 - Interview - Daniel Abt

Auch mal Halligalli

Im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com spricht Daniel Abt über Motorsport im Land der F1-Weltmeister, Paydriver und den Umgang mit Enttäuschungen.
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Motorsport-Magazin.com - Ist es eigentlich eine Belastung, im Land der Formel-1-Weltmeister Vettel und Schumacher Motorsport zu betreiben?
Daniel Abt: Es hat Vor- und Nachteile. Der deutsche Markt in der Formel 1 ist natürlich schon sehr gesättigt, und man kann auch nicht mehr so den Hype erzeugen, weil es schon relativ viele deutsche Formel-1-Fahrer gibt und gegeben hat. So etwas wie in den kleineren Ländern, wo wirklich das ganze Land hinter dem Fahrer steht und ihn über die Medien pusht, gibt es in Deutschland nicht mehr. Auf der anderen Seite hat man als Deutscher mittlerweile wirklich ein gutes Image, weil die Deutschen in der Formel 1 den Ton angeben. Schaden tut es somit auch nicht.

Wenn ein Pilot aus Venezuela von Sponsoren 30 Millionen bekommt, hat er im ersten Moment natürlich glänzende Karten.
Daniel Abt

Das mediale Interesse an Dir ist zuletzt rapide angestiegen. Wie gehst du damit um?
Daniel Abt: Solange das mediale Echo positiv ist, kann man damit auch gut umgehen. Im Moment klingt ja alles gut und ich freue mich darüber. Aber am Ende des Tages zählt immer nur die Leistung, wenn die nicht stimmt, wird die Resonanz in den Medien auch nicht mehr so positiv sein. Deshalb ist es mein Ziel, in diesem Jahr möglichst gute Ergebnisse einzufahren, damit das Echo so bleibt.

Wie gefällt es Dir, wenn eine Zeitung schreibt, 'der kommende Formel-1-Star'. Druck oder Antrieb?
Daniel Abt: Es war ja wirklich immer mein Traum, da hinzukommen, deshalb stört mich das nicht. Zu behaupten, ich fahre irgendwann Formel 1, und dann wirklich in der Serie zu fahren, ist ein großer Unterschied. Ich glaube, jeder weiß, dass es ein extrem schwieriger Weg ist, dass man viel Können und Glück braucht und es trotzdem nur sehr wenige schaffen. Deshalb kann ich nicht mehr machen als Gas geben.

Es geht aufwärts: Daniel Abt ist nur noch einen Schritt von der Formel 1 entfernt - Foto: Sutton

Es ist kein Geheimnis, dass für ein Formel-1-Cockpit neben dem Können vor allem finanzkräftige Sponsoren nötig sind. Wie siehst Du die Entwicklung?
Daniel Abt: In den letzten Jahren ist das Thema von den Medien ein bisschen aufgebauscht worden. In gewisser Hinsicht gab es das schon immer: Es geht um viel Geld in der Formel 1, die Teams sind immer dankbar, wenn sie Geld bekommen. Die Sponsoren unterstützen den Fahrer, um mit ihm zusammen in die Formel 1 zu kommen. Und wenn das klappt, bezahlen sie dem Team natürlich etwas dafür. Aber jeden deshalb gleich als Paydriver zu bezeichnen, geht meiner Meinung nach zu weit, obwohl es sicherlich ein paar Fahrer gab, wo das der Fall war. Aber so läuft der Sport nun einmal. Wenn ein Pilot aus Venezuela von Sponsoren 30 Millionen bekommt, hat er im ersten Moment natürlich glänzende Karten. Als Fahrer muss man lernen, damit umzugehen und das auf andere Art und Weise zu kompensieren. Wenn es ohne das Geld nicht geht, geht es halt nicht.

Großer Siegeswille

Bisher ging es in Deiner Karriere steil bergauf. Kannst Du damit umgehen, wenn es mal nicht nur nach oben geht?
Daniel Abt: Es ist nicht nur nach oben gegangen. Mein Jahr in der F3 Euro Series war schon eine ziemliche Enttäuschung für mich und die Leute um mich herum, denn ich habe meine selbst gesteckten Ziele definitiv nicht erreicht. Da gab es durchaus ein paar Selbstzweifel und Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob ich das Fahren verlernt habe. Zum Glück habe ich wirklich ein gutes Team um mich herum, das mich sehr gut unterstützt hat. Wir haben zusammen die wirklich risikoreiche Entscheidung getroffen, in der GP3 zu fahren, was sich als der richtige Weg herausgestellt hat. Es gibt im Leben immer Höhen und Tiefen - wichtig ist, dass man aus den schwierigen Phasen lernt und gestärkt daraus hervorgeht.

Von Dir war zu lesen, dass Du "bei der Playstation oder als Zehnjähriger beim Mensch-Ärger-dich-nicht spielen" immer gewinnen wolltest. Ist Dein Siegeswille deine große Stärke?
Daniel Abt: Es kann eine Stärke und eine Schwäche sein. Es ist gut, wenn man Ehrgeiz hat, wenn man hohe Ansprüche an sich stellt und sich einen gewissen Druck macht. Wenn man immer nur sagt: 'Zehnter Platz, ich bin eigentlich ganz zufrieden. Hauptsache das Wetter war schön', kommt man nicht weit. Aber in Situationen, in denen es schlecht läuft, kann es sich auch negativ auswirken. Weil man dann vielleicht schnell an den Punkt kommt, wo man mit sich selbst nicht zufrieden ist. Alles in allem ist es aber schon eine Eigenschaft, die mich eher weiter gebracht hat als dass sie mich geschwächt hat.

Wenn man immer nur sagt: 'Zehnter Platz, ich bin eigentlich ganz zufrieden. Hauptsache das Wetter war schön', kommt man nicht weit.
Daniel Abt

Was zeichnet Dich neben Deinem Siegeswillen und Deinem fahrerischen Talent noch aus?
Daniel Abt: Vielleicht können das andere besser beurteilen. Aber heutzutage muss ein Fahrer schon ein Gesamtpaket sein, man muss sich verkaufen können. Dadurch, dass ich drei Jahre in der Speed Academy der Deutschen Post war, wo man das wirklich extrem gut gelernt hat, kann ich mich inzwischen ganz gut präsentieren und mit den Medien umgehen. Das würde ich schon als Stärke werten.

Du hast in Deiner jungen Karriere schon einige Erfolge errungen. Auf welchen bist Du besonders stolz?
Daniel Abt: Der erste und bisher einzige Meistertitel in der Formel Masters war natürlich etwas ganz Besonderes. Es war der erste richtige Knaller, der Moment, in dem ich gemerkt habe, dass vielleicht doch ein bisschen Talent in mir steckt. Aber das anschließende Jahr in der deutschen Formel 3, wo ich nur knapp am Titel vorbeigeschrammt bin, oder die GP3-Saison, als ich die Meisterschaft nur um zwei Punkte verpasst habe, waren auch sehr gut.

Daniel Abt hatte 2012 einige Gründe zum Jubeln - Foto: Sutton

Du kommst aus einer Motorsport-Familie (Vater Hans-Jürgen Abt ist Geschäftsführer von Abt Sportsline, Onkel Christian Abt Tourenwagen-Fahrer). Geben Dir Dein Vater und Dein Onkel eigentlich Tipps?
Daniel Abt: Eher weniger. Zum Anfang meiner Motorsport-Karriere war es noch so, dass mir mein Onkel ab und zu ein paar Fahrtipps gegeben hat, und natürlich reden wir über gewisse Themen. Das Gute ist, dass mich meine Familie immer voll unterstützt, aber sie wissen auch: Wenn wir am Rennplatz sind, dann ist es mein Geschäft. Da bleiben sie am Rande und mischen sich kaum noch ein. Ich bin mittlerweile auch alt genug, um das selbst zu regeln. Aber wenn ich mal eine Frage habe oder einen Tipp brauche, sind sie immer für mich da.

Geht es für einen Fahrer in Deinem Alter überhaupt noch ohne Management?
Daniel Abt: Manager ist natürlich ein sehr allgemeines Wort. Mein Manager Harry Unflath ist auch ein Freund von mir und dazu der beste Freund meines Vaters. Es hat sich einfach ergeben, dass er meine Karriere von Anfang an unterstützt hat. Ich glaube, man braucht nicht zwingend die Position eines Managers, sondern einfach Leute um sich herum, die einem gut tun, die einem helfen und das mit Herzblut machen. Ich bin glücklich, dass es bei mir genauso ist.

Witze reißen & Spaß haben

Der Mehrheit ist bisher nur der Rennfahrer Daniel Abt bekannt. Was bist Du privat für ein Typ?
Daniel Abt: Ich glaube, ich bin ein ziemlich umgänglicher, lustiger Kerl, der gerne mal blöde Witze reißt und im Privatleben gerne Spaß hat oder feiern geht. Ich gebe für meinen Sport immer 100 Prozent, aber ich bin der Meinung, man muss auch mal Halligalli machen.


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