Formula Student - GFR wiederholt überlegenen FSG-Erfolg

Ausfallorgie beim Endurance

Wie im Vorjahr dominierte bei der Formula Student Germany GFR. Bei den Elektroboliden holte sich Zürich den Sieg.
von

Motorsport-Magazin.com - Die Formula Student Germany fand am Sonntag in Hockenheim ihren Höhepunkt beim traditionellen Endurance Wettbewerb. Global Formula Racing siegte wie schon im Vorjahr überlegen. Auf der Rundstrecke fuhr der Bolide von GFR in einer anderen Liga. In der E-Wertung war es spannend bis zum Schluss.

Elektroteams dominieren erneut Acceleration

Die Tribünen waren gut besucht - Foto: FSG - Essmann

Nach den statischen Disziplinen ging es am Freitag zum ersten Mal rund. Der Skid-Pad stand auf dem Programm. Wie schon in den Jahren zuvor wurde die liegende acht in Hockenheim wieder bewässert. Schon hier konnte GFR der Favoritenrolle gerecht werden. Das Flügelmonster setzte sich deutlich gegen die Boliden von Esslingen und Monash durch.

Die Continental-bereiften Teams schienen keinen so großen Vorteil mehr auf nasser Strecke gehabt zu haben wie noch in den Jahren zuvor. GFR setzte auf nachgeschnittene Goodyear Eagle und gewann.

Bei den E-Boliden setzte sich das Fahrzeug der TU Delft durch. Das Leichtgewicht mit den speziell entwickelten 10-Zoll-Reifen von Apollo verwies die Konkurrenz aus Zürich, Eindhoven, Darmstadt und Ilmenau auf die Plätze.

Das Greenteam gewann den Acceleration - Foto: FSG - Kroeger

Am Samstag stand das Beschleunigungsrennen auf der Start- und Zielgeraden auf dem Programm. Die Elekro-Teams bestimmten in dieser Disziplin einmal mehr die Pace. Am schnellsten absolvierte den Sprint das Greenteam aus Stuttgart. Dem Team war kurz vor dem Event noch das Fahrzeug abgebrannt, konnte aber einen komplett neuen E-Boliden für das Saisonhighlight auf die Räder stellen.

3,359 Sekunden benötigten die Stuttgarter für den 75-Meter-Sprint. Der Akademische Motorsportverein Zürich kam mit 3,493 noch am nächsten. Auf Platz drei schaffte es Delft, mit dem KIT14e von Karlsruhe und dem Elektrofahrzeug der TU München fuhren insgesamt vier Autos von deutschsprachigen Teams in die Top-5.

GFRs einzige Schwachstelle

Mit den Zeiten der E-Konkurrenz konnten es die Verbrennerteams nicht aufnehmen. Der KIT 14c von Karlsruhe war der einzige Bolide, der es unter die magische 4-Sekunden-Marke schaffte. Coburg verpasste als zweitplatziertes Team mit 4,154 die Marke schon deutlich. Prag, Stuttgart und Michigan komplettierten die Top-5. GFR genehmigte sich mit Platz sechs den einzigen Aussetzer bei den dynamischen Disziplinen.

Die riesigen Flügel sind beim Acceleration hinderlich - Foto: FSG- Grams

Das verhältnismäßig schlechte Abschneiden hängt aber vor allem mit dem Konzept zusammen: Während GFR auf einen 450-Kubik-Einzylinder setzt, hat Karlsruhe gemeinsam mit dem FH Joanneum Graz und AMG einen Formula-Student-Motor entwickelt. Der Zweizylinder-Turbo mit 600 Kubikzentimeter Hubraum scheint in diesem Jahr das stärkste Aggregat zu sein. Vorjahressieger Regensburg kam - vor allem wegen dem neu entwickelten Aero-Paket - nur auf Platz 16 beim Acceleration.

GFR demoralisiert Konkurrenz

Am Samstagnachmittag kam pünktlich zum Autocross der Regen. Der Schauer war kurz aber heftig. Das übliche Spiel begann: Niemand wollte den Auftakt machen, die Strecke sauber und vor allem trocken fahren. Doch der Himmel über dem Hockenheimring blieb undurchschaubar, weitere Schauer drohten. Dennoch hielten sich die meisten Teams zurück.

München kam GFR bei den Verbrennern noch am nächsten - Foto: FSG - Kroeger

Das Pokern ging bei den meisten auf: Die Strecke wurde immer trockener, das Wetter immer besser. Und so kam es am Ende zum Showdown der Spitzenteams. Nicht mehr die reine Pace entschied über Sieg oder Niederlage. Ein lange Schlange bildete sich bei der Einfahrt, das Ende der Session drohte.

So galt es für viele Teams, nach dem Sicherheitsrun noch einen Risikolauf hinzukriegen. Bei den Verbrennern zeigte GFR ansatzweise, was im deutsch-amerikanischen Fahrzeug steckt: Mit 72,688 Sekunden hängte GFR den zweitschnellsten Verbrenner um knapp drei Sekunden ab. Die TU München kam dem Dominator mit 75,637 Sekunden noch am nächsten.

Die E-Konkurrenz zeigte sich auch beim Autocross stark: Zürich fuhr in letzter Sekunde mit 73,255 Sekunden die E-Bestzeit. Auch Delft und das Greenteam Stuttgart konnten beachtliche Zeiten in den Asphalt brennen und sich für die Top-5 am Sonntag qualifizieren.

Dramen im Endurance

Für KA RaceIng gab es eine Doppel-Null - Foto: FSG - Botzkowski

Am Sonntag stand der finale Höhepunkt auf dem Programm: Endurance. Wie in den Jahren zuvor wurde der Kurs in Kurve eins und der innenliegenden asphaltierten Fläche integriert. Das bedeutete auch diesmal: Bodenwellen. Und auch das Wetter war einmal mehr eine Unbekannte. Anfangs noch sonnig, zogen immer mehr Wolken über den Hockenheimring.

Den ganzen Tag über gab es immer wieder Zwischenfälle: Feuer, gebrochene Radaufhängungen und Disqualifikationen. Auch als die Top-Teams auf die Strecke gingen, blieben Dramen nicht aus. Die TU Graz blieb wegen Spritmangel kurz vor dem Ziel liegen, den hochgehandelten Australien von Monash Motorsport erging es ähnlich.

Der Augsburger Bolide blieb nicht heil - Foto: FSG - Hirvonen

Karlsruhe erwischte es gleich doppelt: Der Verbrenner blieb 100 Meter vor dem Fahrerwechsel mit Elektronikproblemen stehen, der KIT14e wurde beim Rescrutineering disqualifiziert. Und auch beim Top-5-Shootout lief nicht alles reibungslos. TUFast aus München konnte den Endurance nach dem Fahrerwechsel nicht mehr aufnehmen, weil es Kühlprobleme am Fahrzeug gab.

Insgesamt sahen nur 32 Verbrennerfahrzeuge und 13 Elektroboliden die Zielflagge, wobei nicht alle 115 an den Start gingen. Nachdem München beim Top-5-Finale ausgeschieden war, fuhren GFR, Zürich, das Greenteam und Delft um die Spitze. Ein Verbrenner teilte sich mit drei Elektro-Autos die Strecke.

Unangefochten setzte GFR die absoluten Bestzeiten, fuhr konstant die schnellsten Runden. Nur Zürich konnte zeitweise mithalten. Als einziges E-Team musste Delft im Finale im Renntrimm deutlich Speed rausnehmen. Gegen Ende hätte es dann beinahe noch die Große Wende gegeben: Regen zog auf. Doch die Piloten nahmen alle Tempo raus und konnten die letzten drei Runden noch ohne größere Probleme mit Trockenreifen bewältigen.

Der Sieger des Endurance hieß GFR. Rund 35 Sekunden benötigte die Mannschaft für die 22 Kilometer weniger als das zweitplatzierte Team aus Zürich. Der Abstand auf den besten Verbrenner war enorm: Mehr als 100 Sekunden fehlten Erlangen auf den Überflieger. Prag komplettierte die Top-3 in der Combustion-Wertung. Bei den E-Autos folgten auf Zürich das Greenteam und Delft.

Zürich schlägt GFR bei den Dynamics

Der FSC-Sieger (Formula Student Combustion) des Events hieß GFR. Doch insgesamt gewann Zürich die Dynamics-Wertung, in die alle Ergebnisse der dynamischen Disziplinen einfließen. Und das, obwohl GFR auf der Rundstrecke schneller war. Allerdings nahmen die Schweizer GFR beim Acceleration gleich 37,14 Punkte ab. Weil GFR in den anderen drei Disziplinen zwar schneller als AMZ unterwegs war, aber nicht deutlich, ging der Dynamics-Awards nach Zürich.

Zürichs Grimsel war der stärkste E-Renner - Foto: FSG - Kroeger

GFR holte von 1000 möglichen Punkten 911,81. Auf Platz zwei folgte mit gehörigem Respektabstand der Weltranglistenerste, das Rennteam aus Stuttgart mit 725,85 Punkten. Dritter wurde Göteborg Chalmers. Erlangen fuhr auf Platz vier, Prag auf Rang fünf. Überraschend stark schnitt das Team aus Coburg mit Rang sieben ab.

In der Formula Student Electric (FSE) ging es etwas enger zu, auch wenn Zürich letztendlich deutlich siegte. Die Top-Teams leisteten sich in der FSE allesamt keine Fehler. Sagenhafte 933,67 Punkte holte der Akademische Motorsportverein. Auf 889,33 Zähler kam das Greenteam, die TU Delft holte Rang drei mit 855,47 Punkten.


Weitere Inhalte:

Facebook
Mehr Motorsport
Wir suchen Mitarbeiter
x