Formula Student - FSG Hockenheim - Tag 4

Karlsruhe dominiert Auto-X, Regensburg holt Premierensieg

Der vorletzte Tag der Formula Student begann mit einer faustdicken Überraschung. Beim Auto-X dominierte Karlsruhe bei der inoffiziellen Wertung.
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Motorsport-Magazin.com - Am vorletzten Tag der Formula Student Germany hat das Fest erst richtig begonnen. Wie erwartet konnten sich die Teammitglieder auf eine leichte Abkühlung seitens des Wetters freuen - allerdings betrug die Spitzentemperatur immer noch 30 Grad. Im Vergleich zum Vortag jedoch schon eine Erfrischung um sechs Grad, zudem sorgte ein kurzer aber heftiger Schauer noch für zwischenzeitliche Erfrischung.

Die Teams reihten sich in der Schlange ein - Foto: FSG - Kroeger

Schon um 08:30 Uhr begann dann das erste dynamische Event des Tages. Beim Acceleration-Wettbewerb durften sich die Teams traditionell auf der Start- und Zielgeraden des legendären Hockenheimrings messen. Aufgrund des vorhergesagten Regenschauers war hier die taktischer Herangehensweise natürlich besonders spannend. Die erste ernstzunehmende Zeit brannte die Fachhochschule Konstanz in den schon warmen Asphalt. Die Zeit von 4,22 Sekunden hielt eine Weilt, bis Aachen um zwei Zehntelsekunden schneller fuhr.

Kurze Zeit später sorgte aber der Dynamics e.V. der Hochschule Regensburg für eine große Überraschung. Im ersten Run noch mit 4,25 gemessen konnte der erste Pilot beim zweiten Durchgang die Zeit auf sagenhafte 4,09 Sekunden verbessern. Sogar der Weltranglistenerste Stuttgart biss sich daran mit 4,14 Sekunden die Zähne aus. Die Bestmarke der Regensburger hielt lange, doch der Rennstall Esslingen konnte in seinem zweiten Lauf die Zeit um eine Hundertstel unterbieten.

Dramatisches Finale im Acceleration

Nach dem Fahrerwechsel trat Regensburg zum dritten Versuch an. Doch der RP13 streikte, es ging wieder zurück. Beim erneuten Anlauf stand nach Heat 3 die Zeit von 4,17 Sekunden auf der Anzeigetafel. Im letzten Anlauf gelang dann die entscheidende Verbesserung: Mit 4,07 Sekunden unterbot der Dynamics e.V. die bestehende Bestzeit des Rennstalls wieder um eine Hundertstel. "Wir sind total happy und sehr zufrieden mit dem ersten Platz. Damit haben wir nicht gerechnet und es war auch sehr knapp", gab Team Manager Steffen Drindl nach dem ersten Sieg in einem dynamischen Event offen zu.

Regensburg war das Maß der Dinge beim Acceleration - Foto: FSG - Kroeger

TU Fast aus München landete auf dem fünften Rang, direkt gefolgt von Karlsruhe (KIT) und dem Rennteam Uni Stuttgart. Karlsruhe musste mit dem KIT13c in den letzten beiden Versuchen einen Rückschlag hinnehmen, weil der Fahrer den Motor am Start abwürgte. Für joanneum racing graz, das mit dem gleichen, in Kooperation mit AMG entwickelten 2-Zylinder-Turbomotor antritt, reichte es mit 4,19 Sekunden zu Rang neun hinter Göteborg Chalmers.

Wir sind total happy und sehr zufrieden mit dem ersten Platz. Damit haben wir nicht gerechnet und es war auch sehr knapp.
Steffen Drindl, Regensburg

Bei den Elektroboliden gab es weniger Überraschungen. Die TU Delft setzte mit 3,51 Sekunden die Tagesbestzeit. Allerdings müssen sich die Niederländer die Bestzeit mit Zürich teilen, die mit dem julier erwartungsgemäß überzeugten. Dahinter reihte sich der KIT13e von Karlsruhe ein, gefolgt vom E-Team von Global Formula Racing aus Ravensburg. Mit Dresden, Braunschweig, Bayreuth, Siegen, Darmstadt und Augsburg komplettierten deutsche Teams die Top-10 der Elektro-Wertung.

Das Elektroteam der TU München musste sich mit einer Zeit von lediglich 4,47 Sekunden begnügen. "Eine vorläufige Erklärung dafür ist die Traktionskontrolle, die auf den ersten Metern nicht korrekt geregelt hat", so Stefan Fischer von der TU Fast. Einmal mehr zeigten die Elektro-Boliden ihr Überlegenheit beim Beschleunigungsrennen, mehr als eine halbe Sekunde lag zwischen den besten Zeiten der Elektro-Autos und der Verbrenner.

Während des Acceleration-Wettbewerbs blieb der befürchtete Regen noch aus, doch unmittelbar nach Eröffnung des Auto-X startete ein kurzer aber heftiger Regenschauer. Auch deshalb warteten die Teams, bis die Strecke abtrocknete. Wie schon im Vorjahr dauerte es lange, bis richtig Betrieb aufgenommen wurde, niemand wollte die Strecke sauber und trocken fahren. Zwar gibt es noch keine offizielle Wertung der ersten Fünf des Auto-X, weil umgeworfene Hütchen noch nicht in den vorläufigen Zeiten eingerechnet sind, doch ein erstes Bild ist schon zu erkennen.

Wir müssen das Fahrwerk höher schrauben, weil unsere letzten zwei Runs nicht gewertet wurden.
Bernd Edelmann, Stuttgart

Hier setzten sich einmal mehr die großen Favoriten durch: Stuttgart, München, Chalmers, Oregon State und Karlsruhe belegen die ersten Ränge, deren Reihenfolge noch nicht bekannt ist. Sie werden beim Endurance zum Abschluss des Events gemeinsam auf die Strecke gehen. Die absolut beste Zeit setzte der KIT13c mit 75,45 Sekunden. Dem Verbrenner von GFR (Global Formula Racing/Oregon State) fehlte schon mehr als eine Sekunden auf die Spitze. Weitere zwei Zehntel dahinter reihte sich Göteborg Chalmers ein, TU Fast folgt auf Rang vier.

Bei Stuttgart steht jedoch über Nacht viel Arbeit an. "Wir müssen das Fahrwerk höher schrauben, weil unsere letzten zwei Runs nicht gewertet wurden", ärgerte sich Bernd Edelmann vom Rennteam. Der Bolide war bei den letzten beiden Versuchen aufgesetzt und wurde deshalb nicht gewertet. Hamburg verpasste den Sprung unter die Top-5 knapp, liegt aber mit 86,14 von 100 möglichen Punkten in dieser Disziplin noch immer gut im Rennen. Stark zeigte sich auch das Team der TU Graz, die mit dem TANKIA Rang sieben einfuhren und das Grazer Stadt-Derby für sich entschieden. Der jr13 von joanneum racing graz landete mit einer Zeit von 83,3 Sekunden auf dem 15. Rang.

Drama in der FSE

Weil der Regen den Zeitplan ein bisschen durcheinander brachte und die Zeit für 115 Teams insgesamt etwas knapp bemessen war, wurde der geplante Schluss von 18:00 Uhr auf 19:00 Uhr ausgedehnt. Glück für den KIT13e. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Karlsruher noch keine anständige Zeit gesetzt. Die ersten beiden Läufe endeten mit einem DNF, der dritte Lauf wurde in Schrittgeschwindigkeit zu Ende gefahren. Doch in letzter Sekunde, als nicht einmal mehr klar war, ob es überhaupt noch zu einem Run reichen würde, setzten sie die absolute Spitzenzeit für E-Fahrzeuge mit 77,66 Sekunden.

Der Abschluss mit den zwei besten Auto-X-Zeiten war dann aber überragend.
Carol Schäfer, Karlsruhe KIT

"Acceleration war natürlich nicht wie geplant, immerhin war der erste Lauf ganz zufriedenstellend. Der Abschluss mit den zwei besten Auto-X-Zeiten war dann aber überragend", freute sich Carol Schäfer, vom Karlsruher Team. "Wir hatten ein paar Probleme beim Auto-X, lange Zeit war kritisch, ob wir überhaupt eine brauchbare Zeit fahren können. Das tat weh, aber der letzte Anlauf hat dann zum Glück zu 100 Prozent funktioniert", schilderte er die dramatischen Minuten.

Bitter endete der Tag für den großen Favoriten auf den Gesamtsieg in der Elektro-Wertung. Zürich scheiterte bis zum Schluss daran, eine ordentliche Zeit auf den hügeligen Kurs zu brennen. Frustriert musste der erste Pilot den Boliden abstellen, beim letzten Lauf kamen die Schweizer zwar ins Ziel, allerdings weit abgeschlagen mit einer Zeit von 120,25 Sekunden. Damit fehlen gut 95 Punkte, die beim Kampf um den Sieg schmerzen. Der zweitschnellste E-Bolide stammt aus Delft, auf Rang drei reiht sich schon München ein, gefolgt vom Greenteam aus Stuttgart und GFR.

FSG TV - Episode 5: (5:00 Min.)

"Wir freuen uns sehr darüber, dass es beide unserer Autos im Auto-X unter die Top-5 geschafft haben und wir keine größeren technischen Probleme hatten", freute sich Stefan Fischer von der TU München.

Außerdem wurden am Samstag noch die Resultate der Statics bei den Verbrennen bekannt gegeben. Wie gewohnt bleiben die ersten fünf vorerst ohne Reihenfolge. Beim Cost-Report können sich Stuttgart, Trondheim, TU Graz, Akron und Manipal über die ersten Ränge freuen. Für GFR reichte es nur zu Rang acht, Karlsruhe muss sich gar mit dem 16. Platz zufrieden geben.

ir schrauben noch fleißig am Auto, um ein paar Probleme, wie zum Beispiel die erhöhte Motortemperatur zu lösen.
Kerstin Rother

Im Design-Finale stehen gleich sieben Teams: Göteborg, Rochester, Montreal ETS, Karlsruhe, Akron, Montreal McGill und der Rennstall Esslingen dürfen sich über den Einzug freuen. Hamburg erreichte den achten Platz, Stuttgart, GFR und die TU Graz teilen sich Rang 13. Für den Endurance am Sonntag werden wieder Temperaturen um die 30 Grad erwartet, was eine enorme Belastung für Mensch und Maschine darstellen wird.

Temperaturprobleme gab es auch schon beim Auto-X. HAWKS Racing aus Hamburg, die einmal mehr eines der schönsten Autos des gesamten Wettbewerbs stellen, steht wie Stuttgart eine lange Nacht bevor. "Wir schrauben noch fleißig am Auto, um ein paar Probleme, wie zum Beispiel die erhöhte Motortemperatur zu lösen, um am Sonntag gut vorbereitet in den Endrance starten zu können", erklärte Kerstin Rother.

Motorsport-Magazin.com berichtet auch vom letzten Tag der FSG mit den coolsten Bildern, den besten Berichten und den lustigsten Videos.


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