Formula Student - Teamvorstellung - TUfast

Münchens Ingenieure von Morgen

Der Studentenverein TUfast der TU München entwirft jedes Jahr seinen eigenen Rennwagen und heimst damit weltweit Preise ein.

Motorsport-Magazin.com - Die Mittagssonne lässt den Asphalt glühen. Auf schwarzem Overallstoff flimmert das orange Logo. Schweißgeruch vermischt sich mit dem Geruch von verbranntem Gummi. In der bewegungslosen Menge schlägt der Puls den Takt zum Countdown. Noch summt der Motor im Leerlauf. Dann schießt die Fahne hoch, der Fahrer jagt die Drehzahl bis in den Begrenzer, die Menge tobt. Der Wagen rast der ersten Kurve entgegen.

Auf diesen Augenblick warten sechzig TUfastler in diesen Tagen wieder voller Ungeduld. Der Startschuss wird am 03.07.2013 in Silverstone fallen. Dann ist der Kampf um den Titel des weltbesten Racing Teams der Universitäten und Fachhochschulen wieder eröffnet. Vorhang auf für den heißesten Titelanwärter der Deutschen: Das Ingenieursteam der TU München.

Rennsport zwischen Universität und Industrie

Im November 2002 aus einer Studenteninitiative gegründet, ist das TUfast Racing Team ein alter Hase im Geschäft. Fünf - ganz klischeegetreu - männliche Maschinenbaustudenten hatten die Nase voll von trockener Vorlesungstheorie. Sie wollten sich die Finger schmutzig machen, ein eigenes Projekt auf die Beine stellen und erste Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern knüpfen.

Der 2012er Bolide der TU München - Foto: TUfast

Heute ist die Spontanidee zehn Jahre alt und ein erfolgreiches Rennstallprojekt: Studenten aus allen Studienrichtungen planen, konstruieren und bauen ihren eigenen Rennwagen und nehmen damit an den internationalen FormulaStudent-Wettbewerben teil. Wie in einem Betrieb führen sie nahezu jeden Arbeitsschritt selbstständig durch. Auch die finanziellen Mittel müssen sie selbst über Spenden und Sponsorengelder beschaffen. Eine gute Möglichkeit, Kontakte mit Unternehmen zu knüpfen und die Weichen für ein späteres Jobangebot zu stellen. Und die Industrie leckt sich die Finger nach den jungen Wilden in einer Zeit, in der Ingenieure mit Praxiserfahrung knapp und unverzichtbar sind.

Teamwork auf hohem Niveau

Das Ziel der Schnittstelle zwischen Universität und Industrie, wie sich das Team selbst bezeichnet, liegt darin, jedes Jahr einen neuen Boliden zu entwerfen und die Erfahrung aus den Vorjahren mit Innovationen zu kombinieren. Dabei spielen die Reduzierung des Spritverbrauchs, des Gewichts, ein sensibleres Ansprechverhalten oder die Fahrer-Ergonomie eine Rolle. Auch eine möglichst frühe Fertigstellung wird angestrebt, um während einer Testphase vor den Wettbewerben mögliche Fehlerquellen zu erkennen und zu beseitigen.

Für die Frage nach leichteren und preiswerteren Bauteilen oder den neuesten Fertigungsverfahren machen die Ingenieure schon mal Nächte durch. So etwas hält man nur mit Teamwork auf hohem Niveau durch: Physik- und Elektrotechnikstudenten arbeiten Seite an Seite und die Maschinenbauer erklären den BWLern den Aufbau des Monocoques. TUfast bietet seinen Mitgliedern so die Möglichkeit, den Entstehungsprozess eines Rennwagens mit all seinen Herausforderungen durchzuspielen. Damit gewährleistet der Verein den perfekten Rahmen für die praktische Weiterbildung neben dem Studium. Tatsächlich arbeiten viele der ehemaligen Teammitglieder in Führungspositionen verschiedenster Unternehmen.

Imagefilm TUfast: (3:00 Min.)

Seit 2011 wagt sich Tufast auch an den Bau von Elektrofahrzeugen. Gab es damals noch zwei unabhängige Teams, so baut heute ein Team zwei möglichst ähnliche Autos. Die Zusammenlegung schafft auf der einen Seite Synergien, erzeugt jedoch auch erhöhte Komplexität, da zwei gänzlich unterschiedliche Antriebsstränge an das selbe Chassis angepasst werden müssen.

Für seine Arbeit stehen dem Team heute zwei Werkstätten und diverse Prüfstände für die Elektro- und Verbrennungsmotoren zur Verfügung. Dank der guten Verbindungen zu Lehrstühlen und Industriepartnern kann das Team auch auf deren Einrichtungen, Know-How, Fertigungstechnologien und Werkstoffe zurückgreifen. Einzig das TUfast-Büro spiegelt noch immer die eher puristisch-minimalistische Seite des Rennsports wieder und misst nach wie vor nur 16 Quadratmeter - getreu dem Leichtbaumotto: "Weniger ist manchmal mehr."

Formula SAE - Bayern meets Kairo

Dieses Jahr hat das Team bei den Wettbewerben in Silverstone, Hockenheim und Spielberg einen Titel zu verteidigen: Aus der Saison 2012 ging es als das zweibeste europäische Racing Team hervor und steht momentan auf Rang 3 der Formula SAE Weltrangliste - vor über fünfhundert Konkurrenten.

Auch die E-Renner der TU sind gut unterwegs - Foto: TUfast

Die Formula SAE, 1981 in den USA gegründet, lockt zu Wettkämpfen in der ganzen Welt, ob in Australien, Japan, Brasilien, Italien, USA, England oder Deutschland. Der Konstruktionswettbewerb soll angehenden Ingenieuren schon während des Studiums umfangreiche Kennt¬nisse in Kosten-, Projekt- und Teammanagement zu vermitteln.

Heute nutzen weltweit mehrere hundert Teams die Chance, ihre Fähigkeiten im internationalen Vergleich zu prüfen. Aus dem eigentlichen Wettkampf wird gleichzeitig ein multikultureller Treffpunkt, bei dem Freundschaften über Bundesländer - oder auch Kontinente - hinweg entstehen. Für die Teilnahme nehmen viele Teams auch gerne größere Herausforderungen auf sich: So schickte das Kairo University Racing Team 2010 seinen Rennwagen per Post nach Hockenheim, um ihn vor Ort innerhalb weniger Stunden wieder zusammenzubasteln.

Platzhirsch auf der Rennstrecke

Der Wettbewerbserfolg hat bei Tufast quasi Tradition: Bereits das allererste Verbrennerfahrzeug des Teams wurde 2004 beim Wettbewerb in Birmingham prompt zum zweitbesten Newcomer gekürt. Nach zahlreichen weiteren Achtungserfolgen gelang im Jahr 2010 schließlich der Durchbruch: Gesamtsieg bei der Formula Student UK in Silverstone. 2011 glückte in England, Deutschland und Österreich gleich dreimal der 2.Platz - diesmal auch mit dem neu entworfenen Elektrofahrzeug. 2012 nahm TUfast schließlich als erstes ausländisches Team am Formula Student Wettbewerb in China teil und erreichte auf dem FSAE Wettbewerb in Michigan (U.S.A.) den 4. Platz. Auch beim Heimwettbewerb in Hockenheim stand TUfast erneut mit auf dem Siegertreppchen.

Ob das Team die Erfolge der letzten Jahre noch toppen kann wird sich in Silverstone, Hockenheim und Spielberg diesen Sommer zeigen.


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